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Calisthenics: Bexbach soll Fitness-Anlage bekommen

Kostenpflichtiger Inhalt: Sportprojekt : Bexbach soll Fitness-Anlage bekommen

Ein sogenannter Calisthenics-Park ist auf einen stillgelegten Tennisplatz des TV Bexbach nahe der Höcherberghallen geplant. Er soll für alle Bürger gratis nutzbar sein. Die Initiatoren suchen nun Sponsoren und spendenwillige Bürger.

Die Trimmdich-Pfade aus den 70er Jahren haben einen modernen Nachfolger: Sogenannte „Calisthenics“-Parks schicken sich an, eine neue Draußen-Fitness-Welle auszulösen. Im Mittelpunkt stehen hier Stangen, an denen man alle möglichen Körperübungen machen und die Muskeln stählen kann. Die bis zu 600 Quadratmeter große Einrichtung, die nach Bexbach kommen soll, könnte dabei nicht nur die Grüne Lunge aufwerten, sondern hätte landesweit ein Alleinstellungsmerkmal: Der Belag federt, es ist ein besonderer „Fallschutzboden“. „Es gibt zwar in Oberthal, Illingen oder dem Saarbrücker Unigelände ähnliche Parks, allerdings mit Sand oder Rindenmulch als Belag“, schildert Sandra Thome, Rollstuhlfahrer oder Rekonvaleszenten mit Krücken, die wie alle Bürger von dem Gratis-Angebot profitieren sollen, könnten es somit nicht oder nur schwer nutzen, sagt Thome weiter. Sie ist so etwas wie die Mutter des geplanten Calisthenics-Parks Bexbach.

Die Frankenholzerin ist Trainerin bei Crossfit Saar in Völklingen und Personal-Trainerin – hat als solche viel mit dem Thema Körperertüchtigung zu tun. Und kennt sich in der Szene aus. So kam die Idee auf, einen modernen Fitnesspark in Bexbach zu etablieren. Einen Partner hat sie in Herbert Bruder, dem Turnratsvorsitzenden des TV Oberbexbach, gefunden, an den sie unter anderem ein Konzept für den Park geschickt hatte. Nur der TVO habe direkt reagiert, so Thome. Inzwischen ist auch der Bexbacher Stadtsportverband im Boot. Und der TV Bexbach. Denn bei ihm soll die Anlage entstehen. Genauer gesagt auf einem seit etwa zehn Jahren stillgelegten Tennisplatz. Dessen Vorteile, so erläutert Bruder: Er ist nicht nur eben und verfügt über eine Drainage; er ist auch umzäunt und nur durch eine Tür betretbar. Das schrecke Vandalen ab. Außerdem liege er günstig, werde von Nachbarn eingesehen.

Die Stadt, der das Gelände gehöre, stelle es zur Verfügung und richte es her, erklärt Michael Helfen, der Stadtsportverbandsvorsitzende. Auch das Verlegen einer Bodenplatte und den Schallschutz übernehme die Stadt, entsprechende Förderanträge seien gestellt, ergänzt Thome. Wenn der Park steht, wird er vom TVO verantwortlich gepflegt, erläutert Bruder. Er werde dann in die Liste der städtischen Sportanlagen aufgenommen.

In dieser Woche haben Thome und Bruder offiziell mit der Sponsorensuche begonnen, die bis Ende November laufen soll. Bürger können im Rahmen einer Crowdfunding-Maßnahme für den Park spenden. Beziehungsweise für unterschiedlich hohe Beträge Park-Werbeartikel vom T-Shirt über den Turnbeutel bis zum Personal Training erwerben. Mindestens 25 000 Euro müssen zusammenkommen, so viel wird die Anlage in einer Grundfassung kosten, erklärt Thome. Allerdings möchte man sie gerne nicht nur in dieser Rohvariante bauen. Mit mehr Möglichkeiten durch mehr Stangen, Springboxen oder Seile könnten die Kosten auf bis zu 50 000 Euro klettern. Geplant ist, dass die österreichische Firma Barzflex, die die Anlagen baut, drei Varianten in verschiedenen Preiskategorien erstellt. Die künftigen Nutzer sollen online ihr Urteil für ihren Favoriten abgeben. Im Frühjahr 2020 soll der Bau beginnen.

Gelder sollen auch am 14. September beim World-Pull-Up-Day zusammenkommen. Im Fitnessstudio Bexbacher „Formwerk” kann man Klimmzüge machen und Sponsoren spenden pro Klimmzug Summe X. „Klimmzüge für den Park“ soll das Motto der Aktion sein. Auch beim „Cross against Cancer“-Lauf am 15. September in Homburg geht Thome für den Park an den Start.

Immer etwa 20 Fitnessfans gleichzeitig, auch Sportvereine in der Saisonvorbereitung, sollen den Park nutzen können für Liegestützen, Sit-ups, Schnelligkeits- oder Turnübungen. Auch die Schulen mit ihrem Sportunterricht sähe Thome gerne draußen. Ebenso Sportgruppen, Outdoor-Nation-Sportler oder ältere Menschen mit Kräftigungsübungen hätte sie gerne als Nutzer. Und die Stadt könnte Fitness- oder Gesundheitstage dort veranstalten, hofft die Initiatorin. Die Anlage solle generationenübergreifender Treffpunkt und Erlebnisstätte werden. Thome würde auch gerne Workshops in Sachen Jugendarbeit dort anbieten. „Erlebnisorientierte Jugendliche“ – so nennt Thome jugendliche Vandalen – wolle man damit eine sinnvolle Beschäftigung geben. Deutschlandweit stünden solche Anlagen nicht selten in sozialen Brennpunkten. Wenn der Betrieb in der Anlage mal so gut anläuft wie geplant, stellt sich die Frage, wie man die Nutzung regelt. Dann wäre ein Belegungsplan im Bürgerbüro angedacht.

Ist Calisthenics vielleicht auch nur eine Modeerscheinung und in ein paar Jahren wieder weg wie die Trimmdich-Pfade? Thome glaubt das nicht: Besagte Pfade seien nicht so robust gebaut gewesen und hätten mit der Zeit entfernt werden müssen. Das treffe auf die stahlbewährten Calisthenics-Anlagen nicht zu.

Sabine Benoist, 2. Vorsitzende des TV Bexbach, Sandra Thome, Michael Helfen vom Stadtsportverband und Herbert Bruder vom TV Oberbexbach (von links), begutachten die Pläne für den Calisthenics-Park. Foto: Eric Kolling
Aktuell sieht der Tennisplatz noch so aus. Foto: Eric Kolling

Wer die Park-Macher mit Spenden unterstützen oder mehr über das Projekt erfahren möchte, erreicht Herbert Bruder unter Tel (0152) 53481711 und Sabine Thome unter Tel. (0176) 24 66 39 36, beide auch unter Mail: workoutpark-saar@gmx-de