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Bexbacher Chörchen in Zeiten von Corona

Kreativ in der Krise : Chorgemeinschaft in Zeiten von Corona

Keine Proben, Konzerte liegen auf Eis. Für das Bexbacher Chörchen gilt wie für alle Kulturschaffenden im Moment die Parole: Durchhalten.

In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens werden derzeit Lockerungen verkündet, das gesellschaftliche Miteinander kann – wenn auch nach wie vor mit einigen Einschränkungen – wieder anlaufen; die Menschen sind froh, dass ein wenig Normalität Einzug hält.

Aber noch immer gibt es im Bereich Kultur einen „Lockdown“, nicht zuletzt trifft es auch Orchester und Chöre, wie zum Beispiel das seit über 30 Jahren in Bexbach bestehende „Chörchen“. Das Versammlungsverbot gilt nach wie vor, eine Perspektive zur Lockerung scheint hier nicht in Sicht, da gerade Singen ein tiefes Ein- und Ausatmen voraussetzt, mit einer Gesichtsmaske undenkbar. Abstand halten ist keine wirklich gute Option bei Chorgesang. Letztendlich scheint ein kontinuierliches Absinken der Infektionszahlen und ein Stillstand bei den Neuinfektionen die einzige Voraussetzung zu sein, um Chorsängern und auch Orchestermusikern eine Rückkehr in den Probebetrieb zu ermöglichen.

Das Jahr 2020 hatte für das Bexbacher Chörchen wirklich schön begonnen. Mit neuen Sängerinnen und Sängern, neuem Notenmaterial und viel guter Laune und Enthusiasmus startete man Mitte Januar in die wöchentlichen Proben im Sportheim auf der Heide in Bexbach, teilt Chorsprecherin Carina Krämer mit.

In fast kompletter Besetzung fand am letzten Februar-Wochenende das seit langer Zeit gebuchte Intensiv-Probewochenende in der Trierer Jugendherberge statt. Im Anschluss an die erste Chorprobe wurde noch am Freitagabend eine kleine Generalversammlung durchgeführt, bei der Termine für mehrere Konzerte 2020 festgelegt wurden. Es war ein arbeitsreiches, aber auch sehr geselliges Wochenende im schönen Ambiente der Jugendherberge und der historischen Stadt Trier. Das Corona-Virus war bereits präsent, Händewaschen und Desinfektion gehörten dazu, und natürlich machten sich die Sängerinnen und Sänger auch schon Gedanken darüber, wie die weitere Entwicklung in Deutschland wohl sein würde.

Nach drei Tagen mit erfolgreichen Proben und lustigen Abenden in geselliger Runde verließ man Trier. In den kommenden wöchentlichen Proben wollte die Chorleiterin Isolde Fernes-Blatt die neu einstudierten Lieder für die geplanten Konzerte, ergänzt mit Stücken aus dem großen Repertoire, weiter vertieft proben.

Am 10. Mai sollte der erste Auftritt 2020 in der protestantischen Kirche Höchen auf Einladung des dortigen Fördervereins stattfinden. Niemand ahnte, wie schnell diese Pläne zunichte gemacht würden.

Bereits zwei Wochen später hatte die Corona-Krise auch Deutschland zunehmend im Griff, die Situation im benachbarten Frankreich spitzte sich zu. Der Altersdurchschnitt im Chörchen ist „50 plus“, unter den Sängerinnen und Sängern war man sich daher am 11. März schnell einig, dass zum Schutz aller wohl erst einmal keine Chorproben mehr stattfinden sollten. Bereits eine Woche später kam dann das offizielle „Aus“ für alle Musikvereine durch die von der Landesregierung verordneten Beschränkungen.

Und so schweigt das Chörchen nun schon seit fünf Wochen, still ist es am Mittwochabend auf der Heide in Bexbach, keine Klaviertöne, kein Gesang sind zu hören, kein geselliges Beisammensein im Sportheim oder im Biergarten nach den Proben. Den Menschen im Chörchen fehlt die soziale Teilhabe, dem SV Bexbach in Verbindung mit dem ebenfalls ruhenden Spielbetrieb auch eine wichtige Einnahmequelle.

Zum Glück gibt es aber das Internet. Natürlich sind auch die Chörchen-Mitglieder durch eine Whats-App-Gruppe vernetzt. So werden Neuigkeiten ausgetauscht, man weiß, dass bislang zum Glück alle gesund geblieben sind. Je länger die Chorpause dauert, desto mehr vermisst man das gemeinsame Singen jedoch. Singen macht froh, es ist gesund, die Gemeinschaft ist in den über 30 Jahren eng zusammengewachsen, kurz gesagt, es fehlt das wöchentliche Treffen mit den guten Freunden.

Dank der rührigen Chorleiterin Isolde Fernes Blatt erklingt aber seit Ende März jeden Mittwoch um 19 Uhr auf dem Handy ein „Ping“ und eine Audio-Aufnahme, aufgenommen im heimischen Klavierzimmer in Frankenholz, lädt zum virtuellen Chorgesang ein. Das Anhören der Nachrichten und das Mitsingen macht zwar Spaß, aber im Grunde dann auch schmerzlich bewusst, wie sehr man das gemeinsame Singen und die Freunde vermisst. Aber die Menschen im Chörchen sind kreativ: Zunächst wurde zum Klavierpart im heimischen Wohnzimmer einer Sängerin in Furpach eine Flötenbegleitung eingespielt. Mittlerweile werden die Aufnahmen immer virtuoser, durch vielfältiges Hin- und Hersenden der entsprechenden Aufnahmen erklingt ein bis zu vierstimmiger Chorgesang, sogar partiell mit Geigenbegleitung, alle „Daheimgebliebenen“ erfreuen sich an den vertrauten Melodien.

Auch den Aufrufen der Kirchen zum „Singen vom Balkon“ sind viele Sängerinnen und Sänger bereits gefolgt und versenden dann Aufnahmen dieser Aktionen innerhalb der Gruppe.

An der Aktion der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung in Ottweiler, am Freitag, 17. April, nach dem Abendläuten an Fenstern oder auf Balkonen das Steigerlied „Glück auf, der Steiger kommt“ zu singen, haben sich viele beteiligt. Als Zeichen der Dankbarkeit und der Solidarität für alle Menschen, die in der Corona-Krise Besonderes leisten, erklang von Balkonen und Fenstern zwischen Furpach, Höchen, Frankenholz und Bexbach über Homburg bis nach Kirrberg dieses Lied, denn überall dort wohnen Mitglieder des Chörchens.

Das Bexbacher Chörchen bei einem Konzert in der St.-Barbara-Kirche in Oberbexbach (Archivfoto). Foto: Bill Titze

Das Chörchen hat – wie alle Kulturschaffenden – seine Konzertplanungen „auf Eis“ gelegt. Man ist aber voller Hoffnung, dass zumindest das für den 20. Dezember in der protestantischen Kirche in Oberbexbach geplante Weihnachtskonzert stattfinden kann. Voraussetzung dafür ist die Wiederaufnahme der gemeinsamen wöchentlichen Proben, alle sind guter Hoffnung, dass dies nicht mehr allzu lange dauern wird. Schließlich ist das kulturelle Leben ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft; schon Friedrich Schiller wusste: „Es schwinden jedes Kummers Falten, so lang des Liedes Zauber walten.“