Barock trifft Moderne

Aquarellskizzen aus dem barocken Dresden und schwarz-weiße Architektur-Fotografie aus New York – größer könnten die Gegensätze kaum sein. Doch genau diese Kontraste machen den Reiz der Doppel-Ausstellung von Hannelore Schneider und der Bexbacherin Noa Göttsches in der Ottweiler Marienhausklinik aus.

Lange Zeit hat Hannelore Schneider nicht gemalt, dann, im letzten Jahr, fand sie zu ihrer Leidenschaft zurück. Bei einem Reiseskizzenkurs in Dresden. "Das hat mich irgendwie wieder rein gebracht", sagt sie. Und war die Ottweilerin früher auch recht aktiv, unter anderem in einer Gruppe von Klaus Krämer, so hat Dresden sie doch vor neue Herausforderungen gestellt. Denn was es dort so zu skizzieren gibt, das ist hauptsächlich die beeindruckende barocke Architektur - für sie ein ganz neues Motiv.

Und noch eine weitere Kreative hat sich der Architektur erstmals angenähert: Noa Göttsches. Die erst 15 Jahre alte Bexbacherin hat sich lange mit Porträts beschäftigt, in einem Amerika-Urlaub dann aber "mal ein bisschen herumprobiert" mit den New Yorker Wolkenkratzern. Nicht mit dem Pinsel, sondern mit der Kamera.

Zwei Reisen, zwei Mal Architektur. Für Ulf Sauerbaum gehört das zusammen und in die Räume der Marienhausklinik. Der Organisator der dortigen Ausstellungen hat die beiden deshalb unter dem Titel "Barock trifft Moderne" zusammengeführt. Und um die Moderne noch ein bisschen zu erweitern, hat Göttsches extra für die Ausstellung (übrigens nicht ihre erste) noch einen Trip nach Frankfurt unternommen.

Dort entstand auch ihr Favorit: Keinen Wolkenkratzer zeigt er, sondern ein Schild, das Fußgängern den Weg weist. Jemand hat der stilisierten Kinderfigur ein Gesicht aufgeklebt und einen Luftballon in die Hand gegeben. "Wir waren schon auf dem Weg zum Auto, da ist mir das ins Auge gestochen. Ich kann nicht mal sagen, warum es mir so gefällt." Beeindruckend wirken ein Blick vom Rockefeller Center und durch Perspektiven interessant in Szene gesetzte Einzelgebäude. "Der Unterschied zum Porträt ist halt, dass man das Motiv viel weniger steuern kann."

Die Gegensätze der Architekturstile kommen durch die Ausdrucksweise der Künstlerinnen spannungsvoll zur Geltung: Geometrisch, kühl und von einem unbremsbaren Streben in die Höhe bestimmt erscheint die schwarz-weiße Moderne. Zart, verspielt und sich der Horizontlinie angleichend in Aquarell der Barock.

Schneider selbst gefallen von ihren Werken die unterwegs schnell angefertigten Skizzen am besten. "Weil man an den Verbesserungen den Vorgang des Entstehens sieht." Ihr handwerkliches Geschick zeigt sich schon da, vor allem aber in den fertigen Aquarellen, wie dem "Blick von der Brühlschen Terrasse". Fast golden erscheint die im Sonnenlicht leuchtende Stadt. "Man sieht ja sehr viele Bilder von Dresden, aber diese Blickwinkel erstaunlicherweise selten."

Die Ausstellung läuft bis Dienstag, 31. Mai.