Bagger entfernte Schwesterngräber

Bexbach · Am Bexbacher Friedhof wurden mehrere Gräber eingeebnet, darunter diejenigen von beliebten Schwestern und einem bekannten Missionar. Darüber ärgerte sich unsere Leser Josef Britz – zumal diese Aktion unter Ausschluss der Bexbacher Öffentlichkeit stattfand.

 Die katholische Kirche übertrug der Stadt Bexbach ihr kleines Grundstück auf dem Friedhof. Dort wurden jetzt die Gräber der Dominikanerinnen eingeebnet. Foto: SZ/Simmet

Die katholische Kirche übertrug der Stadt Bexbach ihr kleines Grundstück auf dem Friedhof. Dort wurden jetzt die Gräber der Dominikanerinnen eingeebnet. Foto: SZ/Simmet

Foto: SZ/Simmet

Friedhöfe sind Orte des stillen Gedenkens, der Trauer - aber sehr oft auch Quelle von Ärgernissen. Kein Wunder, denn was die einen normal finden, halten die anderen für pietätlos. So erging es kürzlich dem Bexbacher Josef Britz, der "mit Entsetzen" feststellen musste, dass auf dem Bexbacher Friedhof Anfang April die vier Schwesterngräber eingeebnet wurden, auf denen sieben Dominikanerinnen bestattet waren.

Es handelt sich dabei um ein kleines Grundstück innerhalb des Friedhofsgeländes, das bisher der katholischen Kirche gehörte und nach Aussage der Bexbacher Verwaltung der Stadt übergeben wurde.

Was Josef Britz besonders ärgert: "Dieser kleine katholische Friedhofsteil diente seit jeher zur Abhaltung von Gedenkfeiern." Doch nicht nur das Andenken an die Schwestern sei zerstört worden, "am selben Tag wurde auch das gegenüberliegende Grab von P. Ernst Schulz, Missionar in St. Joachim/Brasilien, ein gebürtiger Bexbacher, samt Grabstein und Platte abgeräumt. Lediglich das Grab des langjährigen Pfarrers Johannes Bossung blieb - bisher jedenfalls - erhalten", so Britz. Was ihn persönlich verletzt: "Mit dem Weggang unserer letzten Dominikanerin, Sr. Veronika, habe ich versprochen, die Gräber ihrer Mitschwestern Sorge zu tragen. Ich habe die Anpflanzung besorgt, weitere aufmerksame Bexbacher Bürger übernahmen die anderen Arbeiten wie Gießen und Unkraut jäten. Dreimal pro Jahr wurde der Blumenschmuck neu aufgelegt."

Die Abräumung sei ohne Grund geschehen, "weil die Gräber in einem gepflegten Zustand waren", so Britz weiter. Außerdem würden mit dem Einebnen der Gräber auch Bexbacher Erinnerungen gelöscht, "zumal sich die Dominikanerinnen um Bexbach verdient gemacht haben". Als Lehrerinnen wie Sr. Alice, als Hausoberin wie Sr. Ingoberta, als Organistin wie Sr. Lia in Kriegszeiten und als Leiterin des Kindergartens wie Sr. Emeline. "Letztere betreute drei Generationen von Bexbacher Kindern, sie war eine Ordensfrau mit besonderem Charisma. Im Ruhestand beschäftigte sie sich als Küsterin in der Martinskirche und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch das Bundesverdienstkreuz. Sie ist bis heute hoch angesehen und oft stellten Bürger, die ihr dankbar waren, Blumen und Kerzen auf ihr Grab." Eine Grabstätte, die regelmäßiger Pflege unterliege, sollte ohne Not nicht eingeebnet werden, betont Josef Britz: "Die Individualität der Grabsteine mit ihren Symbolen und Schriften ist vielfach erhaltenswert, gerade bei Menschen, die ihr Leben in den Dienst der Allgemeinheit stellten".

Die jetzt verschwundenen Gräber seien weder für Pfarrer Münck noch für die Pfarrei jemals eine Belastung gewesen, von privater, nicht von kirchlicher und nicht von kommunaler Seite habe man sich darum gekümmert. Weder eine Information im Kirchenblatt, noch in der Presse habe über den geplanten ,,Frevel mit dem Bagger " informiert. Immerhin habe der Bauabteilungsleiter und für das Friedhofswesen zuständige Sachbearbeiter Heinz-Jürgen Kilian einen Tag vorher darauf hingewiesen, dass man vorhabe, die Schwesterngräber einzuebnen zwecks einer Neugestaltung der Anlage vor dem Kreuz. Am darauffolgenden Tag seien dann schon vollendete Tatsachen geschaffen worden.

Eine Nachfrage unserer Zeitung bei der Stadt Bexbach ergab, dass die katholische Kirche auf Beschluss ihres Verwaltungsrates das kleine Grundstück der Stadt zum Nulltarif übertragen und nichts gegen die Einebnung der Schwesterngräber einzuwenden hatte. "Die Kirche wollte das so", betonte Hans-Jürgen Kilian, "wir ebnen nicht willkürlich Gräber ein." Dieser Wunsch sei ihm nicht ungewöhnlich vorgekommen: "Wir ebnen pro Jahr bis zu 300 Gräber ein." Dass das Andenken an die Schwestern damit ausgelöscht würde, sei nicht der Fall: "So viel ich weiß, wird als Ersatz für die Gräber eine Gedenktafel für die Schwestern an der Kirche St. Martin in Bexbach angebracht."

Den Hinweis bekamen wir von Josef Britz aus Bexbach . Für Sprachnachrichten aufs Band nutzen Sie die Telefonnummer (06 81) 5 95 98 00, oder schicken Sie alles an unsere E-Mail-Adresse: leser-reporter@sol.de oder unser Onlineformular.

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