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Abitur in Corona-Zeiten in Homburg

Bitte kein Notabitur mehr : Daumen hoch fürs Corona-Abi

Als ich im Saarland mein Abitur machte, galten die Hessen als die Dünnbrettbohrer der Nation. Angeblich hatten sie weder Geschichts- noch Geographie-Unterricht, vermutlich auch kein Deutsch und kein Mathe.

Höchstens Sport, so vermuteten wir damals. Unser Mathelehrer pflegte stets zu sagen: „Geht doch nach Hessen, dann hättet ihr jetzt alle eine Eins.“ Als dann auch noch ein hessischer Taxifahrer ohne Abitur Karriere als grüner Außenminister machte, kam mir die Idee, dass Bildungsabschlüsse am Ende gar nicht so nützlich seien.  Trotzdem tun die Erwachsenen immer so, als sei ein reguläres Abitur wirklich wichtig. Außer, es herrschte Krieg. Dann fanden die Alten, dass die Jungen auf dem Schlachtfeld nützlicher waren als in einer höheren Bildungsanstalt. Und dann bekamen sie auch, husch, husch, ganz schnell ein Notabitur hinterher geworfen. Ein gewaltiger Spaß sei 1914 ein solches Abitur gewesen, schreibt der Autor Carl Zuckmayer, es wurden nur die leichtesten Fragen gestellt, die man vermutlich auch in Hessen hätte beantworten können. Das Abitur, „der Schreckenstraum vieler Jugendjahre, ist zum Familienfest geworden“. Nur, dass man danach blind, verkrüppelt oder tot war. Dasselbe Horrorszenario wiederholte sich ab 1939. Auch hier verteilten großzügige Prüfer schnelle Noten, ab 1942 gab’s gar keine schriftlichen Prüfungen mehr. Schule war nichts mehr wert. Dieses Jahr, 2020, wäre nach 1944 wieder das erste „Notabitur-Jahr“ geworden. Es gab durchaus gute Gründe, es auszusetzen. Aber, gemessen an üblen deutschen Notabitur-Traditionen, ist es super, dass es stattfindet. Dass man sich trotz Corona durchbeißt und es schafft. Dass man danach nicht in den Krieg muss. Nur Mundschutz und Abstand. Das ist verkraftbar. Alles Gute für das Corona-Abitur 2020!