Konzert: Bewegung in die Musik gebracht

Konzert : Bewegung in die Musik gebracht

Im Saalbau hatte das Homburger Sinfonieorchester zum Familienkonzert mit Musik von Camille Saint-Saëns eingeladen.

Wenn man das Familienkonzert des Homburger Sinfonieorchesters vom vergangenen Samstagnachmittag mit einem einzigen Wort beschreiben wollte, dann wäre „liebevoll“ ein brauchbarer Kandidat. Denn genau ebenso vermittelten das Orchester unter der Leitung von Jonathan Kaell, die Bewegungstheater-AG des Homburger Mannlich-Gymnasiums und Johanna Schatke, als Konzert- und Musiktheaterpädagogin am saarländischen Staatstheater verantwortlich für Moderation und pädagogische Konzeption, die „Suite algérienne“ von Camille Saint-Saëns vor allem den kleinen und ganz kleinen Gästen im Kulturzentrum Saalbau.

Dass das Familienkonzert unter dem Stichwort „kindgerecht“ nicht nur auf Musik setzt, das ist eine der grundlegenden konzeptionellen Ideen, so hatte in der Vergangenheit schon die Homburger Narrenzunft mit ihrer Ballett-Abteilung für eine visuelle Begleitung und Interpretation des Hörbaren gesorgt, nun war es die Bewegungstheater-AG des Mannlich. Gleich elf Mädchen – Samira Scharley, Sarah-Marie Brenner, Jennifer Streitbürger, Julia Janik, Anna-Maria Marx, Jana Stark, Selina Eisel, Fenja Presser, Katharina Schreiner, Alina Klöwer, Melina Matzenbacher – sorgten unter der Leitung von Mannlich-Schulleiter Wolfram Peters dafür, dass Saint-Saëns Hommage an Algier nicht nur ein akustisches, sondern auch ein visuelles Erlebnis wurden. Doch wie verbindet man einen Klassiker der Klassik mit Bewegungstheater? Und was ist eigentlich Bewegungstheater? Letzteres ist leicht zu beantworten: Bewegungstheater umfasst eine Form des Theaters mit Schwerpunkt in darstellendem Spiel. Das heißt, als Ausdrucksmittel dient der Körper und nicht die Sprache. Hier grenzt sich das Bewegungstheater vom klassischen Sprechtheater ab. Als darstellende Mittel zur Körpersprache dienen Mimik, Pantomime, Gestik und tänzerische Bewegungsmöglichkeiten. Und wie leicht oder schwer bekommt man das in Einklang mit einem klassischen Werk?

„Für uns war es ungewohnt, es war etwas Neues, weil wir bisher noch nicht wirklich mit klassischer Musik gearbeitet haben“, erläuterte Samira Scharley. „Bislang haben wir hauptsächlich Rock- und Popmusik genutzt. Bei Klassik wussten wir zuerst nicht, wie wir das umsetzen wollen – immerhin wollten wir ja eine Geschichte erzählen.“ Und die drehte sich körperkünstlerisch um das Leben im Orient, vor dem Hintergrund der Geschichte Camille Saint-Saëns. Für Jonathan Kaell, den Leiter des Homburger Sinfonieorchesters, gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der Bewegungstheater-AG nach eigenem Bekunden völlig entspannt. „Für mich ist das Ganze unglaublich dankbar, weil die Bewegungstheater-AG völlig autonom agiert. Die Mädchen haben sich die Musik angehört und haben ihre eigenen Ideen entwickelt. Dabei haben sie sich immer an der Musik orientiert. Dass bedeutet, dass ich mit dem Orchester nicht auf das Bewegungstheater regiere, sondern das Bewegungstheater auf die Musik. Ich kenne natürlich die Stellen, an denen ich nicht zu langsam oder zu schnell sein darf, damit es bei der Choreografie keine Probleme gibt. Aber im Prinzip mache ich mein Ding. Deswegen ist das für mich heute vergleichsweise entspannt.“

Diese Haltung Kaells übertrug sich auf den ganzen Nachmittag: Das Sinfonieorchester spielte sich unaufgeregt und stimmig durch die Klang-Welt von Camille Saint-Saëns, die Bewegungstheater-Künstlerinnen gaben dem Orient mit ihrer Geschichte gleich elf Gesichter – und Johanna Schatke als Dritte im Bunde lieferte mit ihren Erläuterungen zur „Suite algérienne“ altersgerecht alles, was man zu diesem durchaus lautmalerischen Werk wissen musste. Dass das Konzept auch in diesem Jahr wieder aufging, das bewies die Reaktion gerade des jungen Publikums auf das Familienkonzert - da wurde aufmerksam zugehört und der Geschichte gefolgt, mit den Ohren und mit den Augen.

Teil des Familienkonzerts war in diesem Jahr auch ein Malwettbewerb für Schülerinnen, Schüler und Familien. Die Jury aus Mitgliedern des Homburger Sinfonieorchesters vergab die Preise in den unterschiedlichen Kategorien an Marlon und Saphira von der Laan, Luise Branz, Louisa Klein, Marisa Stegner, Sevde Karatas, Evelyn Omlor, Katharina Heinz, die Familie Gronwald, die Kunst-AG der Klassenstufe 6 des Johanneums und an Julie Corigan. Den Publikumspreis, der am Samstag durch die Gäste des Familienkonzertes vergeben wurde, ging an Ruben Sester.

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