Jubiläumsfeier am 21. April Sie hilft seit 20 Jahren Frauen im Saarpfalz-Kreis, wieder in den Beruf zurückzufinden

Saarpfalz-Kreis · Vor 20 Jahren nahm die Koordinierungsstelle „Frau und Beruf“ ihre Arbeit auf. Seitdem haben viele Frauen mit Hilfe des Saarpfalz-Kreises wieder in den Beruf zurückgefunden. Das Jubiläum wird groß gefeiert.

Die Frauenbeauftragte Birgit Rudolf hat in ihrer Zeit als Frauenbeauftragte viel auf die Beine gestellt. Aber es gibt trotzdem noch viel zu tun.

Die Frauenbeauftragte Birgit Rudolf hat in ihrer Zeit als Frauenbeauftragte viel auf die Beine gestellt. Aber es gibt trotzdem noch viel zu tun.

Foto: Sandra Brettar/Saarpfalz-Kreis

Wenn Birgit Rudolf zurückblickt, dann hat sich viel getan in ihrer Zeit als Frauenbeauftragte des Saarpfalz-Kreises. Die von ihr ins Leben gerufene „Koordinierungsstelle Frauen und Beruf“ wird nun 20 Jahre alt. Grund genug, Bilanz zu ziehen: „Als ich mit meiner Aufgabe beim Kreis anfing, habe ich festgestellt, dass es kaum Angebote gab für Frauen, die wieder in den Beruf zurückwollten“, erklärt Birgit Rudolf, die zu Gast in unserer Redaktion war.

Das waren einmal die Frauen aus der Babyboomer-Generation, die nach dem Erziehungsurlaub wieder arbeiten wollten, aber auch viele Frauen, die sich aus der Arbeitslosigkeit frei strampeln wollten, ebenso auch viele geschiedene oder alleinerziehende Frauen, die sich eine neue Perspektive schaffen wollten, waren dabei.

„Da habe ich mir gedacht, dass es sinnvoll wäre, eine Koordinierungsstelle zu schaffen, wo wir diese Probleme gebündelt angehen konnten.“ Und so kam es, dass der Saarpfalz-Kreis vor 20 Jahren Vorreiter wurde für diese Art der Unterstützung, die zum Modell für andere Landkreise wurde. „Es war für uns ein toller Erfolg, dass wir auch von der EU finanziell unterstützt wurden.“ Daran hat sich bislang auch nichts geändert, die Tätigkeit von Birgit Rudolf, vor allem auch für ihr Mentoring-Programm, wurden immer wieder von der EU evaluiert und für gut befunden. „Die EU-Zuschüsse, die 60 Prozent der Kosten tragen, sind bis 2027 gesichert“, so Rudolf. Die fehlenden 40 Prozent kommen vom Land.

Was sich innerhalb der vergangenen 20 Jahre noch getan hat, spiegelt auch den gesellschaftlichen Prozess im Land wider: „Wir haben sehr viele Migrantinnen, die unsere Angebote gerne annehmen“, so Rudolf. Aber oft scheitere der Wunsch nach Berufstätigkeit in Deutschland an der Sprache: „So haben wir auch Sprachkurse aufgelegt“.

Und es werden zusätzliche Kurse angeboten, in denen man lernt, wie in Deutschland ein Bewerbungsprozess abläuft, „da gibt es sehr viel Unsicherheit, deshalb üben wir das, vom äußeren Auftritt bis zum Gespräch“. Beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht Birgit Rudolf die Gesellschaft noch nicht in gerechten Lebensverhältnissen angekommen: „Aufgrund fehlender Kinderbetreuungsplätze sind noch viele Frauen gezwungen, beruflich zurückzustecken, was sich auf die Einkommenssituation auswirkt.“ Das sei vor allem bei Migrantinnen aus Syrien der Fall, „wir haben bei unseren Beratungsterminen immer eine Kinderbetreuung mit organisiert, weil die Frauen sonst nicht hätten kommen können“.

 Heute wird viel Zeit investiert, um Migrantinnen in den Arbeitsmarkt zu bringen. Hier die Teilnehmerinnen, rechts Birgit Rudolf.

Heute wird viel Zeit investiert, um Migrantinnen in den Arbeitsmarkt zu bringen. Hier die Teilnehmerinnen, rechts Birgit Rudolf.

Foto: Sandra Brettar​

Hinzu traten im Laufe der Jahre weitere Angebote, die sich aus dem sich wandelnden Arbeitsmarkt und den Bedürfnissen der Frauen ergaben: EDV-Schulungen, Kompetenzanalysen, Weiterbildungsseminare und auch niedrigschwellige Sprachkurse, da der Anteil der Beratungskundinnen mit Migrationsgeschichte ständig wuchs. Zahlreichen Teilnehmerinnen gelang es mit Unterstützung der Koordinierungsstelle, endlich wieder in den Beruf einzusteigen, sich selbstständig zu machen oder sich beruflich umzuorientieren.

Aufgrund der durchweg positiven Bilanz beschloss man 2018 im Wirtschaftsministerium des Saarlandes, das erfolgreiche Beratungsangebot in die Breite zu tragen. Um die im Saarland noch immer sehr niedrige Frauenerwerbsquote zu steigern, wurde das Landesprogramm „Frauen in Arbeit“ aufgelegt und in jedem Landkreis Beratungsstellen „Frau & Beruf“ etabliert, die nach dem Vorbild der Homburger Koordinierungsstelle funktionieren.

 In einem Coachingkurs des Frauenbüros werden Frauen auch äußerlich auf ihr Bewerbungsgespräch vorbereitet.

In einem Coachingkurs des Frauenbüros werden Frauen auch äußerlich auf ihr Bewerbungsgespräch vorbereitet.

Foto: Christine Maack

Erfolgreich läuft auch das Mentorinnen-Programm, das zehn Monate lang Frauen begleitet, egal, ob sie sich selbstständig machen, eine berufliche Neuorientierung oder eine Sprosse auf der Karriereleiter erklimmen wollen. „Die Mentorinnen machen diese Beratung ehrenamtlich“, betont Birgit Rudolf, „doch die Organisation und Durchführung der Seminare erforderten die Einstellung und Finanzierung des notwendigen Personals.“

Im Rahmen dieses Programms wird am Sonntag, 21. April, das Jubiläum der Koordinierungsstelle beim Bildungszentrum der Arbeitskammer im Rahmen eines „Karrierefrühstücks“ gefeiert. Die Schirmherrschaft der Jubiläumsveranstaltung übernimmt Sozialminister Magnus Jung.

Aus Anlass der Jubiläumsveranstaltung wird nach dem Frühstücksbüfett Maike van den Boom einen Vortrag mit dem Titel „No risk, no luck“ halten. Die Referentin ist regelmäßig als Expertin zu den Themen Glück und Zukunft der Arbeit zu sehen und möchte Werte wie Vertrauen, Verantwortung, Freiheit und Füreinander in die Arbeitswelt tragen.

Eintrittskarten sind zum Preis von 25 Euro im Vorverkauf im Frauenbüro des Saarpfalz-Kreises erhältlich unter der Telefonnummer (0 68 41) 1 04 71 38 oder per E-Mail: frauenbuero@saarpfalz-kreis.de. Der Preis für das Ticket an der Tageskasse beträgt 30 Euro.

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