Saar-Linke ruft zu mehr Miteinander auf

Gebläsehalle in Neunkirchen : Lutze ruft zu mehr Miteinander auf

Der saarländische Linken-Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze hat beim politischen Aschermittwoch der Saar-Linken in der Gebläsehalle in Neunkirchen seine Partei aufgefordert, wieder mehr inhaltliche Debatten zu führen und die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen – sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene.

Der 49-Jährige war der Hauptredner des Abends, da der ehemalige Parteivorsitzende Gregor Gysi krankheitsbedingt kurzfristig absagen musste (wir berichteten).

Lutze wollte – wie er den rund 150 Zuhörern in der Gebläsehalle erklärte – dass sich seine Rede vom Aschermittwochs-Ritual „Wir hauen auf alle anderen Parteien drauf und gucken mal, was übrigbleibt“ unterscheidet. Stattdessen richtete er den Fokus auf die eigene Partei. Die Linke müsse sich überlegen, was sie anders und besser machen könnte, um bei den anstehenden Wahlen erfolgreich zu sein, mahnte er an. Sachliche Kritik sei immer auch die Möglichkeit, besser zu werden. „Links sein kann Spaß machen und auch erfolgreich sein.“ Den Bundestagsabgeordneten treibt vor allem die Frage um, warum sich die SPD in Wahlergebnissen und Umfragen halbiert und die Linke davon nicht profitieren kann. Bei bestimmten Themen wie „Keine Auslandseinsätze der Bundeswehr“ oder „Gerechte Rentenpolitik“ habe die Linke sogar Mehrheitspositionen, werde dafür aber nicht so gewählt wie erhofft, beklagt Lutze. Seine Erklärung dafür: Die Partei beschäftige sich viel zu sehr mit sich selbst, spreche zu viel über Personal, Parteilager und Rituale.

„Die Linke muss wieder eine Protestpartei werden“, sagte Lutze und erhielt dafür den größten Applaus. Doch derzeit sieht er eher ein Nebeneinander als ein Miteinander. Zu den Ausführungen passte auch, dass Oskar Lafontaine, Fraktionschef der Linken im Saar-Landtag, der Veranstaltung wie schon im vergangenen Jahr fernblieb.

Darüber hinaus äußerte sich Lutze besorgt über den Automobilstandort Saarland: „Es hat sich erledigt mit der Autoindustrie, wenn die Entwicklung so weitergeht – wir brauchen Alternativen.“ Und über die werde zu wenig diskutiert; das werfe er allen politischen Akteuren im Saarland vor. Das Problem löse sich nicht, indem man hoffe, dass sich irgendetwas bei der Dieseltechnologie verbessere. Möglichst lange an dem festzuhalten, was sich seit Jahrzehnten bewährt hat, ist in seinen Augen ein Fehler. Lutze befürchtet massive Konsequenzen auf dem Arbeitsmarkt.

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