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| 20:36 Uhr

Ministerium zählt wenig Wechsel in andere Bundesländer
Saar-Lehrer verlassen selten die Heimat

Wie viele junge Lehrer nach dem Referendariat das Saarland verlassen, erfasst das Ministerium nicht.
Wie viele junge Lehrer nach dem Referendariat das Saarland verlassen, erfasst das Ministerium nicht. FOTO: Julian Stratenschulte / dpa
Saarbrücken/Mainz. Wenn Lehrer entscheiden, in einem anderen Bundesland zu arbeiten, können persönliche Gründe eine Rolle spielen. Oft ist aber auch das bessere Gehalt entscheidend. Von Dietmar Klostermann

() Lehrer sind in Deutschland zu einem raren Gut geworden. Steigende Geburtenraten und die Zunahme der Zahl der Flüchtlinge haben dazu geführt, dass die Kürzungspolitik der Länderregierungen bei Lehrerstellen und Studienplätzen als gescheitert anzusehen ist. So suchen alle Länder in Deutschland nach Lehrern, was auch zu Abwanderungen in die Bundesländer führt, die ihre Lehrer besser bezahlen.

So berichtete jetzt die Mainzer Landesregierung im Landtag von Rheinland-Pfalz, dass mindestens 265 Lehrer im vergangenen Schuljahr 2016/17 in andere Bundesländer gewechselt seien. Gleichzeitig kamen demnach 183 Lehrer nach Rheinland-Pfalz. Der negative Saldo aus Zu- und Abwanderung betrug im vergangenen Schuljahr also 82 – 2014 waren es minus 44 Lehrer gewesen. Der größte Teil der Wechsel entfällt auf das sogenannte Lehreraustauschverfahren aus familiären oder sozialen Gründen. „Irgendwann müssen wir sie ziehen lassen, es gibt keine Leibeigenschaft bei Lehrkräften“, sagte der zuständige Abteilungsleiter des Mainzer Bildungsministeriums, Michael Thews.

Gemessen an mehr als 40 000 Lehrern in Rheinland-Pfalz sei der Umfang dieser Wechsel sehr gering, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). „Nichtsdestotrotz ist es richtig, dass wir angesichts eines bundesweit aufziehenden Fachkräftemangels an Grund- und Förderschulen auch in Konkurrenz zu den angrenzenden Bundesländern stehen.“

Die Versetzungsanträge im Austauschverfahren sind weit höher als die tatsächlichen Versetzungen – im vergangenen Jahr waren es 443 Anträge bei 106 tatsächlich vollzogenen Versetzungen. Die meisten Lehrer beantragen einen Wechsel nach Baden-Württemberg (143), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (98), Hessen (92), Bayern (32) und dem Saarland (29). Nach Schulformen kamen die meisten Anträge von Lehrern an Gymnasien (185) und Grundschulen (139). Bei bewilligten Versetzungen war diese Rangfolge umgekehrt: 53 von Lehrern an Grundschulen und 27 aus Gymnasien.

Vor allem in grenznahen Regionen zu Hessen und Nordrhein-Westfalen gebe es die Tendenz zur Abwanderung von Lehrern, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus-Peter Hammer. Im Westerwald oder auch in Mainz sei dies deutlich erkennbar. „Hessen und Nordrhein-Westfalen zahlen eindeutig besser als Rheinland-Pfalz“, sagte Hammer. Die Abwanderung sei kein Massenproblem, müsse aber in Zeiten des Lehrkräftemangels genau beobachtet werden. Daher habe der DGB Rheinland-Pfalz das Finanzministerium aufgefordert, bei der Beamtenbesoldung deutlich nachzubessern.

Seit der Föderalismusreform von 2006 regeln die Bundesländer die Vergütung ihrer Lehrer selbst. Beamte werden nach den Besoldungstabellen des Landes vergütet, angestellte Lehrer meist nach dem Tarifvertrag der Länder. In der GEW-Liste der Brutto-Einstiegsgehälter für Lehrkräfte nach dem zweiten Staatsexamen liegt Rheinland-Pfalz sowohl bei Lehrern an Grundschulen als auch bei Studienräten an Gymnasien teilweise deutlich hinter den anderen Bundesländern.

Die Zahl der Lehrer, die aus dem Saarland in andere Bundesländer wechseln, ist im Vergleich zum Nachbarland bedeutend kleiner. Seit Beginn des Jahres 2018 waren es zwei, im vergangenen Jahr 14, 16 Lehrer im Jahr 2016 und 14 Lehrer im Jahr 2015, wie Marija Herceg, Sprecherin von Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD), der SZ mitteilte. Es gelte das Lehreraustauschverfahren der Kultusministerkonferenz. „Dabei ist jedes Land grundsätzlich bereit, ebenso viele Lehrkräfte aus anderen Ländern zu übernehmen, wie in andere Länder abgegeben werden“, sagte Herceg. Das heiße, dass in gleichem Maße, wie Lehrer das Saarland verlassen hätten, auch neue Lehrer aus anderen Bundesländern ins Saarland kommen müssen. Herceg räumte allerdings ein, dass das Bildungsministerium keine Statistik darüber führt, wie viele Lehrkräfte, die ihr Referendariat im Saarland vollendet haben, sich direkt nach ihrer Ausbildung in anderen Bundesländern bewerben und dort eine Einstellung erhalten.