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Neues Saar-Drogenhilfezentrum geplant
Saar-Drogenbeauftragter Kolling kritisiert Ärzteschaft

 Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU) ist Landesdrogenbeauftragter.
Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU) ist Landesdrogenbeauftragter. FOTO: Iris Maurer
Saarbrücken . Der Landesdrogenbeauftragte der CDU/SPD-Landesregierung, Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU), hat gestern gegenüber der SZ die hohe Verordnungsquote von Cannabis durch saarländische Ärzte beklagt. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Im Jahr 2017 hätten Saar-Ärzte 209 Mal pro 100 000 Einwohnern Cannabis aus medizinischen Gründen verordnet, wie aus einer Studie der Techniker Krankenkasse hervorgehe. „In Mecklenburg-Vorpommern waren es 52, in Sachsen 96 Verordnungen“, sagte Kolling. Damit belege das Saarland einen Spitzenplatz. „Die Saar-Ärzteschaft verordnet zu großzügig“, erklärte Kolling. Das liege auch daran, dass die Kriterien für einen medizinischen Einsatz des Rauschmittels nicht klar genug definiert seien.


Kolling kündigte vor dem Hintergrund der nach 2017 erneut hohen Zahl von Drogentoten im Saarland die Errichtung eines neues Drogenhilfezentrums in Saarbrücken an. 2017 waren 28 Menschen infolge von Drogenkonsum gestorben, letztes Jahr waren es 26. Kolling sagte, dass derzeit noch über den Ort des neuen Drogenhilfezentrums (DHZ) in Saarbrücken mit den Kommunen, Ärzten und Hilfsorganisationen verhandelt werde. Das bisherige DHZ in der Brauerstraße entspreche nicht mehr den Anforderungen. So sollen in dem neuen DHZ auch die Ärzte angesiedelt werden, die Drogenersatzpräparate verabreichen. Einige dieser Substitutionsärzte gingen in Kürze in Rente. Zudem fehle es im DHZ an Schutzräumen für Kinder und Familien von Drogenabhängigen. „Das jetzige Drogenhilfezentrum ist nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen im neuen Zentrum mehr Hilfen, Schutzräume und sozialpädagogische Hilfen anbieten“, betonte Kolling. Ende 2020 solle mit der Realisierung des neuen Zentrums begonnen werden. Kolling sagte, er sei sich im Klaren darüber, dass nach der Veröffentlichung des neuen DHZ-Standorts eine heftige Diskussion mit den Anliegern zu erwarten sei.

Kolling sagte, er gehe davon aus, dass sich Saar-Strafverfolgungsbehörden auf die Freigabe des Cannabiskonsums und -verkaufs in Luxemburg einstellen werden. Experten rechnen zum einen damit, dass saarländische Cannabis-Konsumenten die neue Freiheit in Luxemburg nutzen werden. Zudem wird erwartet, dass aus ganz Deutschland viele Cannabis-Konsumenten über das Saarland nach Luxemburg reisen, um an den Stoff zu kommen. Es ist bereits die Rede von einem kommenden „Cannabis-Tourismus“, ähnlich dem „Tank-Tourismus“ wegen der niedrigen Kraftstoffpreise in Luxemburg.