1. Saarland
  2. Saar-Kultur

"Zick Zack Gang" und Absolventinnen-Ausstellung in HBK Saar

Hochschule der Bildenden Künste Saar : Eine Werbekampagne für die Menstruation

Die HBK verwandelte sich zwei Tage lang in eine Galerie junger Kreativität. Die Studenten zeigten, womit sie sich 2020 beschäftigten.

Einmal im Jahr präsentieren die Studierenden der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) all das, was in ihren Ateliers entstanden ist. Und einmal im Jahr werden die Arbeiten der Absolventen und Absolventinnen der HBK gezeigt. Da aufgrund von Corona im Winter kein Rundgang stattfinden konnte, wurden am letzten Wochenende daher gleich zwei Ausstellungen präsentiert. Einmal die „Absolvent:innenausstellung“ des Wintersemesters 2020/21 und Sommersemesters 2021, bei der die Abschlussarbeiten vorgestellt wurden, aber auch der „Zick-Zack-Gang“, bei dem alle Studierende der Hochschule die Möglichkeit hatten, ihre im letzten Jahr entstanden Werke zu zeigen. Auf dem Campus in Saarbrücken, aber auch in Völklingen, der Innenstadt und sogar im Deutsch-Französischen-Garten konnte man die Ergebnisse der künstlerischen Auseinandersetzung erleben aus den Studiengängen Freie Kunst, Produkt- und Kommunikationsdesign, Media Art & Design, Kunsterziehung, Experimental Media, Kuratieren, Museumspädagogik, sowie Public Art/Public Design und Kulturmanagement.

Oft standen die Studierenden gleich parat, um ihre Ideen und ihre Werke zu erläutern und Fragen der Gäste zu beantworten. So erklärte im Foyer der HBK Felix Bronke Noll seine Diplomarbeit. „Ich habe als Abschlussarbeit ein Magazin zum Thema Queerness erstellt“. Dafür hat er mit acht Menschen, die schwul, lesbisch oder transsexuell sind, gesprochen, sie fotografiert. Seine Diplomarbeit besteht aus Fotografien und den Interviews. „Wegen der Coronapandemie konnte ich nicht alle vor Ort fotografieren. Daher habe ich aus der Not heraus gebeten, dass sie sich selbst fotografieren. Und das hat als Gestaltungsmittel überraschend gut funktioniert“, erzählt er. Er ist einer der Diplomanten, der die Probleme, die die Pandemie für alle mit sich gebracht hat, bewältigen konnte. „Corona hat bestimmt viele der Studierenden beeinflusst“, erklärt Professor Gabriele Langendorf, die noch amtierende Rektorin der Hochschule. Trotzdem ist Corona nur ein Randthema in den Kunstwerken.

Osama Sayed hat sich dagegen mit Künstlicher Intelligenz auseinandergesetzt, hat mit schwarzer Tusche große, expressive Zeichnungen angefertigt. Diese Skizzen hat er auch als Zeitung drucken lassen. „Meine Masterarbeit beleuchtet die Frage eines Menschseins in einer immer technisierteren Welt“, erklärt er. Der Kontrast seiner Masterarbeit, ein technologisches Thema gegenüber seinen kraftvollen Zeichnungen, ist dabei sehr reizvoll. Im Dachatelier, in dessen Mitte ein gemachtes Bett stand, das über und über beschriftet ist, hat auch Marius Menz seine Diplomarbeit „Threeds of Life“ in Media Art & Design präsentiert. Er musste dafür seinen Arbeitsplatz mit Computer und Monitor aufbauen, große Ausdrucke sind alles, was man auf Anhieb erkennt. „Ich habe einen interaktiven Film gestaltet, in dem man mit einem Virtuell Reality Headset den Tod auf seiner Arbeit begleiten kann“. Das, was sich so gruselig anhört, entpuppt sich beim Mitmachen dank VR Headset aber als witzig und humorvoll. Dazu hat Marius Menz seinen interaktiven Film komplett am PC erstellt, gemalt, animiert und sogar vertont. Dabei herausgekommen ist ein beeindruckendes Werk, wie bei so vielen anderen Kunststudierenden auch.

So steht im Innenhof der HBK eine Art Foodtruck von Yuanyu Lin. Auch ihre Arbeit begeistert, weil sie mit einem Augenzwinkern auf ein wichtiges Thema aufmerksam macht. In „Hey Hey Period“ hat sie eine komplette Werbekampagne für die Menstruation geschaffen. Auf T-Shirts, Flyern, Plakaten und Broschüren macht sie auf das Thema aufmerksam, hat aber zusätzlich auch Lebensmittel gebacken – die aussehen wie Tampons oder Binden. „Ich will das Thema enttabuisieren“, erklärt Yuanyu Lin. „Und mit dem Essen will ich Interesse wecken und auch Männer ansprechen“, sagt sie lachend. Denn tatsächlich ähnelt ihr Häuschen einem Essensbus auf einem Festival.

Tischtennis als Kunst

 Osama Sayed und Yuanyu Lin präsentieren ihre Arbeiten in Kommunikationsdesign bei der zweitägigen Veranstaltung in der HBK Saar.
Osama Sayed und Yuanyu Lin präsentieren ihre Arbeiten in Kommunikationsdesign bei der zweitägigen Veranstaltung in der HBK Saar. Foto: Iris Maria Maurer

Im Innenhof zeigt auch Hannes Brischke seine Bachelorarbeit. Das Vorstandsmitglied des Neuen Saarbrücker Kunstvereins hat eine Tischtennisplatte gestaltet und aufgebaut. „Die Platte ist vom Sperrmüll. Die mussten Florian Budke und ich erstmal restaurieren. Und dann hat jeder von uns eine Seite gestaltet“. Seine Seite zeigt dabei eine ganz neue Schriftform, die Hannes Brischke für den Neuen Saarbrücker Kunstverein entwickelt hat. Mit der Tischtennisplatte hat er auf eine Spielform des jungen, frischen Kunstvereins zurückgegriffen, denn seit jeher spielt man dort Tischtennis - mit Büchern.

Überraschend, kreativ, humorvoll, unkonventionell, experimentell und auch im besten Sinne abgedreht zeigten zwei Tage lang die Kunststudentinnen und –studenten die Ergebnisse ihres Studiums und des letzten Jahres. Eigentlich viel zu kurz.

https://www.hbksaar.de/news/reader/absolventen-2021">