Zeltpalast Merzig: Musical-Drama "End of the Rainbow" ab 21. August 2019.

Kostenpflichtiger Inhalt: Zeltpalast Merzig : Tödliche Überdosis an Talent und Drogen

Das preisgekrönte Musical-Drama „End of the Rainbow“, das kommenden Mittwoch Premiere im Zeltpalast Merzig hat, dreht sich um die dramatischen letzten Monate im Leben des Weltstars Judy Garland.

„Ich hab’ die letzte Szene einfach noch nicht im Hirn!“, flucht Vasiliki Roussi. „Und dann auch noch der neue Song...“. Regisseur Andreas Gergen legt seiner Judy Garland-Hauptdarstellerin beruhigend die Hand auf die Schulter. Die kratzt ganz professionell ihre Reserven zusammen, steckt sich – wie einst die Garland – eine Kippe an, steigt wieder auf die Bühne des Merziger Zeltpalastes und probt mit ihren beiden Kollegen Alexander Lutz als Judy Garlands Pianist Anthony und Peter Lewys Preston als ihr 15 Jahre jüngerer Verlobter weiter. „When you’re smiling...“, singt die in Griechenland geborene Sängerin und Schauspielerin, die schon andere große, wie Judy Garland gescheiterte Diven verkörpert hat, zum Beispiel Edith Piaf in Trier und ganz aktuell auch am Renaissance Theater in Berlin. „When you’re smiling...“ ist einer von unzähligen Evergreens aus den 1930er, 40er und 50er Jahren, die sich in „End of the Rainbow“ musikalisch und textlich einfügen in die dramatische Handlung um die letzten Monate der Judy Garland auf ihrer Comeback-Tour in London 1969.

Mittlerweile ist es in Merzig Abend, alle sind erschöpft und doch hochkonzentriert bei der Sache. Schließlich ist schon am kommenden Mittwoch Premiere des musikalischen Dramas „End of the Rainbow“, dessen Titel auf Garlands berühmtes Lied „Over the Rainbow“ aus dem Musical „Wizard of Oz“ anspielt. Andreas Gergen, der renommierte, in Saarlouis geborene Regisseur und Schauspieler, der bis 2017 Operndirektor am Salzburger Landestheater war, kommt immer wieder gerne zurück ins Saarland, wo seine Karriere als Sohn Stefan in der Fernsehserie „Heinz Becker“ begann. Der 46-Jährige arbeitet nun bereits zum fünften Mal mit Joachim Arnold in dessen Zeltpalast zusammen, vergangenes Jahr inszenierte er dort Mozarts „Entführung aus dem Serail“

„Das intensive Proben hat etwas Selbstzerstörerisches und passt insofern ganz gut zur Geschichte von Judy Garland“, scherzt Gergen. Die wurde 1939 mit 16 Jahren als süß-naive kleine Dorothy im Musical-Film „Der Zauberer von Oz“ weltberühmt. Doch der Ruhm brachte ihr kein Glück. Garlands vier Ehen scheiterten, sie war tabletten- und alkoholabhängig und am Ende ihres Lebens. hoch verschuldet und schwer depressiv. Mit nur 47 Jahren stirbt sie 1969 völlig ausgebrannt an einer Überdosis, nachdem sie mit einer Serie von Shows im „Talk of the Town“-Nachtclub in London ein Comeback versucht hatte. Es ist dieses menschliche Drama über das Leid und die Zerrissenheit dieser kaputten Diva, die Vasiliki Roussi mit beeindruckender Intensität und einer umwerfenden Stimme auf die Bühne bringt. Die Proben geben einen Vorgeschmack.

„Wir proben seit zwei Wochen“, erzählt Regisseur Gergen, der die  weltweit gefeierte Produktion basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück von Peter Quilter hier auf die Bühne bringt. Erstmals 2005 in Sydney aufgeführt, wurde „End of the Rainbow“ unter anderem im Londoner West End und am New Yorker Broadway gespielt und erhielt viele Preise. Es ist ein besonderes Format, das das Publikum ab Mittwoch zu sehen bekommt. „Das Stück ist kein klassisches Musical, sondern ein Kammerspiel mit Musik“, erläutert Regisseur Gergen. „So was gibt es an deutschen Bühnen gar nicht“, ergänzt der musikalische Leiter Ferdinand von Seebach, der für die sechsköpfige Band, die zu Judys/Vasilikis Auftritten auf die Bühne gefahren wird, verantwortlich zeichnet.

Gergen arbeitet in Merzig mit reduziertem Glamour. Ein Lametta-Vorhang, ein schwarzer Flügel und ein je nach Spielort (Bühne, Hotelsuite oder Garderobe) eingesetzter und mit Projektionen bespielter LED-Bogen geben den Darstellern viel Raum. Der ist wichtig, denn in diesem Stück wird viel gesprochen, es ist ein Theaterstück mit viel Musik, kein Musikstück mit ein bisschen Theater. Packend wird es mit Sicherheit werden, weil mit Vasiliki Roussi, dem Jazz-Pianisten und Schauspieler Alexander Lutz und dem jungen Peter Lewys Preston drei erfahrene Profis auf der Bühne stehen, die zum Teil bereits vorher miteinander gearbeitet haben.

Am Ende dieses Probentages zieht Vasiliki Roussi als Judy Garland die hohen Schuhe aus. „Ich bin ausgesungen“, sagt sie – als Judy. „Mein Lieblingssatz in dem Stück“, bemerkt sie – als Vasiliki. Wie sehr die Judy-Garland-Story die Höhen und Tiefen, das Leben und Leiden auf der Bühne und dahinter spiegelt, das habe eben viel mit ihrem Beruf als Schauspieler, Musiker oder Sänger zu tun. Da ist sich das Team um Andreas Gergen einig.

Regisseur und Schauspieler Andreas Gergen arbeitet wieder im Zeltpalast Merzig. Foto: Andrea Peller

Die Premiere von „End of the Rainbow“ ist am 21. August. Bis 8. September läuft das Stück 14 Mal im Merziger Zeltpalast. Karten: www.musik-theater.de

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