"Was ich von mir weiß", Doku von Nora Mazurek, läuft am 18. November.

Saarländischer Dokumentarfilm „Was ich von mir weiß“ : Mit gutem Gespür für Glück durchs Leben

Die Dokumentation „Was ich von mir weiß“ der Saarbrücker Filmerin Nora Mazurek begleitet drei Jugendliche mit Down-Syndrom ein Stück auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden. Er läuft am 18. November bei der Filmschau der Großregion in Saarbrücken.

„Als ich Luise kennengelernt habe, um mit ihr über mein Filmprojekt zu sprechen, ist es damit geendet, dass wir in ihrem Zimmer getanzt haben“, berichtet Nora Mazurek  lachend über ihre erste Begegnung mit einer ihrer drei Protagonisten für ihren Film „Was ich von mir weiß“. Von August 2017 bis Februar 2018 begleitete die Saarbrücker Regisseurin drei Jugendliche mit Down-Syndrom für ihre filmische Abschlussarbeit an der Saar-Kunsthochschule (HBK), die die Saarland Medien mit 6000 Euro förderten. Für einen anderen ihrer Filme, „Sommer im Garten”,  gab es 2018 den „Preis für den gesellschaftlich relevantesten Film” beim „Créajeune – Videowettbewerb der Großregion“ sowie den Filmpreis BDFA bei den Deutschen  Filmfestspielen Wiesbaden.

Von Menschen erzählen, das ist  Mazureks Talent und Leidenschaft. „Was ich von mir weiß“  ist ein einfühlsames, anrührendes, aber immer wieder auch witziges 42-Minuten-Feature über drei Teenager, die nicht nur die Herausforderungen der Pubertät meistern müssen, sondern auch ihr Leben mit den besonderen Einschränkungen, die ihr Gendefekt Trisomie 21 mit sich bringt. Neben Luise Rohrer aus Homburg werden Christof Junge  und Henriette  Zaske aus Saarbrücken portraitiert. Luise und Christof, damals 14 und 15 Jahre alt, besuchen die Montessori-Gemeinschaftsschule in Friedrichsthal. Henriette war bei den Dreharbeiten ebenfalls 15 und noch auf der Gemeinschaftsschule Bruchwiese.

Da ist Luise, die Temperamentvolle, die am liebsten mit Mikro auf der Bühne steht und die Sau rauslässt. Im Film sehen wir das quirlige Mädchen bei der „Woche der Herausforderung“ ihrer Schule, bei der sie sich für das Band-Projekt entschieden hatte – und am Ende einen fulminanten, rockigen Auftritt hinlegte. Den Fußball- und Boule-Fan Christof begleitete Mazurek unter anderem beim Theaterprojekt seiner Schule und auf den Saarbrücker Stadtbauernhof, wo er ein Praktikum absolvierte. Mit Henriette ging sie zum Schwimmen und auf den Reiterhof.

In einfühlsamen Gesprächen kommen die Jugendlichen zu Wort, erzählen von ihren Träumen, wie sie sich das Erwachsensein vorstellen, was sie beruflich machen möchten.  Dass Tierärztin und Rockstar ausfallen, werden sie womöglich ahnen, den Traum aufzugeben kommt aber erst Mal nicht in Frage. „Diese Kinder haben aufgrund ihres ,Andersseins’ früh gelernt, gegen den Strom zu schwimmen“, sagt Nora Mazurek, die vor allem von der „Leichtigkeit“ dieser drei Menschen beeindruckt war, deren Emotionalität aber immer wieder auch die Gefahr seelischer Abstürze berge. „Sie haben allerdings die Gabe, Glück auch in ganz kleinen Dingen zu finden.“ Wie das geht, zeigt Mazurek in ihrem Film. Da quietscht Luise vor Vergnügen beim Singen und Tanzen,  und Christof flippt aus, weil  er einen guten Boule-Wurf hingekriegt hat.

Wie eng diese drei mit ihren Familien leben, auf deren Hilfe und Liebe sie auch als Erwachsene angewiesen sein werden, zeigt die Regisseurin, die mit einem sechsköpfigen Team arbeitete, ebenfalls: Sie lässt  Eltern und Geschwister zu Wort kommen, man erfährt, wie anstrengend das Leben mit einem eingeschränkten Menschen sein kann. „Das war so eigentlich gar nicht geplant“, erzählt sie. Und dann doch eine zwangsläufige Entwicklung bei den monatelangen Dreharbeiten, in denen die Filmemacherin oft sehr nah dran war an den Familien.

Regisseurin Nora Mazurek. Foto: Julia Valentini/JULIA VALENTINI

„Es war mir wichtig, die Kinder mit ihrem kreativen Potenzial und ihrer Individualität in den Vordergrund zu stellen“, erklärt Mazurek. Ihr Film sei „ein Plädoyer dafür, das Leben in seiner Vielfältigkeit und Buntheit anzunehmen und das Beste daraus zu machen“.