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Warten auf „Mon Trésor“ im Weltkulturerbe und auf die „Brücke“ in der Modernen Galerie

Wegen des zweiten Lockdowns : Saar-Top-Museums-Projekte 2020 sind ausgebremst

Das Publikum muss auf „Mon Trésor“ im Weltkulturerbe und auf die „Brücke“-Ausstellung in der Modernen Galerie warten.

Saarbrücken Gerade erst wurden die Einladungen zur Ausstellung „Mon Trésor“ im Völklinger Weltkulturerbe verschickt – es ist dies die erste größere Unternehmung des neuen Generaldirektors Ralf Beil sowie überhaupt das einzige Ausstellungs-Großprojekt des Jahres 2020 in der Hütte. Am Samstag nächster Woche (7. November) sollte Corona-bedingt eine „stille Eröffnung“ stattfinden. Ob der Schirmherr, Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), dazu überhaupt angereist wäre, ist nicht mehr wichtig. Denn der Termin entfällt wohl ganz – sicher war das bis Donnerstagnachmittag noch nicht. Selbst die Staatskanzlei konnte und wollte vor der Kabinetts-Sitzung am Freitag in Saarbrücken nicht für Klarheit sorgen, ob Museen zu den Lockdown-betroffenen Kultureinrichtungen zählen, die schließen sollen.

Der Deutsche Museumsverband ging derweil davon aus, rechnet gar mit einem vierwöchigen Stopp. Betroffen wären dann im Saarland ausgerechnet die zwei wichtigsten Ausstellungen des Jahres 2020, beider Eröffnungstermin fällt in den November: Neben „Mon Trésor. Europas Schatz im Saarland“ in der Völklinger Gebläsehalle ist dies auch die „Brücke“-Ausstellung in der Modernen Galerie. Freilich hingen die Museumsleiter am Donnerstag noch in der Luft. Die Chefin der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Andrea Jahn, rechnete am Vormittag allerdings fest mit einer Schließungsperiode. Und versicherte, sie werde mit ihrem Team nun noch intensiver als zuvor darüber nachdenken, für die „Brücke“-Schau, die am 13. November starten sollte, andere Wege zum Publikum zu finden – digitale Formate. Auch für Jahn ist die Ausstellung „Welt – Bühne – Traum. Die ‚Brücke’ im Atelier“ das erste große Projekt nach ihrer Amtsübernahme, also eine Art Visitenkarte für den Zukunftskurs der Stiftungs-Museen. Zudem schätzte die Stiftung die Präsentation von über 100 Werken expressionistischer Künstler als Publikums-Magnet ein.

Die Vorbereitungen für „Die Brücke“ werden laut Jahn jedoch nicht gestoppt, sondern so weitergeführt, als fände die Eröffnung statt. „Alles läuft regulär weiter. Wir werden die Präsentation so vorbereiten, dass wir jeder Zeit wieder öffnen können“, so die Museums-Chefin. Eine Verschiebung des Starts verkürze die Laufzeit nicht, eine Verlängerungsoption habe man vertraglich abgesichert. Jahn ist die Fertigstellung und Komplettierung unabhängig von einer Eröffnung auch deshalb wichtig, weil sie die Ausstellung auch im Netz und in den sozialen Medien präsent halten will: „Wir werden den Menschen Lust darauf machen, sich alles vor Ort anzuschauen.“

Jahn hat Verständnis dafür, dass die Politik – sollte sich die Lockdown-Vermutung bestätigen – auch die Museen in die Regelung einbezogen hat, obwohl dort ein „sehr diszipliniertes Publikum“ verkehre und bisher bundesweit kein einziges Haus als Corona-Hotspot aufgefallen sei. „Man wollte wohl konsequent sein“, meint die Saarbrücker Museums-Chefin. Sie hofft darauf, dass in 14 Tagen, bei der Überprüfung der Maßnahmen, womöglich wieder „differenzierter“ auf die Kultureinrichtungen geschaut werde. Gerade weil die Pandemie-Situation vermutlich noch lange anhalte und ein gänzlich risikofreies Miteinander nicht möglich sei, sollte man sehr genau überlegen, „welche Freizeit-Angebote man den Menschen überhaupt noch machen kann“. Lange und ganz auf „geistigen Austausch“ zu verzichten, hält Jahn der individuellen wie auch der sozialen Gesundheit für nicht zuträglich.

 Wie das Weltkulturerbe Völklinger Hütte mit „Mon Trésor“ verfahren wird, ist noch offen. Anfragen wurden nicht beantwortet. Mutmaßlich wird aber auch in der Gebläsehalle die Ausstellung fertig eingerichtet und für einen sofortigen Publikumsstart – wann auch immer – startklar gemacht. Es herrscht also ein Standby-Modus. Für das Saarbrücker Historische Museum nicht. Dessen nächstes großes Ausstellungsprojekt „Monumente des Krieges“ wurde vor geraumer Zeit schon auf Februar 2021 verschoben.