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Völklinger Hütte öffnet nach Corona-Pause mit anderem Blick auf Afrika

Erste Schau in Völklinger Hütte nach Zwangspause : Jenseits vom gängigen Afrika

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte an diesem Freitag nach der Corona-Pause mit der neuen Ausstellung „Afrika – Im Blick der Fotografen“.

Eine Frau, mit Öl überzogen und mit einem Kleid aus Müll – kein exotisch-romantisches Strandbild, sondern Tatsache. „Hätte ein westlicher Fotograf dieses Foto gemacht, wäre es zynisch, aber Fabrice Monteiro liefert uns eine andere Perspektive, die des trotzigen Sarkasmus“, sagt Ralf Beil, der neue Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, anlässlich der neuen Schau „Afrika im Blick der Fotografen“. Mit der Ausstellung begeht das Ausstellungszentrum am morgigen Freitag seine Wiedereröffnung.

 Bis zum 1. November will man die Innenperspektive afrikanischer Fotografen vorstellen, fernab von Afropessimismus und Klischees. 43 großformatige Werke von acht Männern und einer Frau aus sieben Ländern, die ein neues Bild von einem noch immer zu einseitig betrachteten Kontinent liefern: ein Kontinent, auf dem ein Sechstel der Weltbevölkerung lebt und dessen 54 Länder sonst in dem dreisilbigen Begriff Afrika über einen Kamm geschoren werden.

Kibuuka Mukisa Oscar hält in seiner Serie „Breaking Uganda“ Hiphop-Tänzer bei ihren akrobatischen Übungen fest. Foto: Kibuuka_Mukisa_Oscar_Bboy_Denis

„Afrikanische Fotografie ist Ausdruck einer besonderen Kreativität und international sehr stark gefragt“, erklärt Kurator Frank Krämer, der gut ein Jahr an der Ausstellung gearbeitet hat. „Viele renommierte Preise wurden an afrikanische Fotografen verliehen“, ergänzt er und verweist etwa auf die Biennale von Venedig, die Lens Culture Street Photography Awards oder den World Press Photo Wettbewerb. Für ihn sind die Fotos auch eine Einladung, sich mit anderen Kulturen zu beschäftigen, eine Möglichkeit, einen anderen Zugang zu diesen Ländern zu finden. 

Die neun Fotografen, die Krämer ausgewählt hat, sind Talente in ihren Zwanzigern bis Vierzigern und in ihren jeweiligen Heimatländern bereits bekannt. Yoriyas, 1984 in Marokko geboren und in der Schau mit Werken seiner Serie „Casablanca Not The Movie“ vertreten, nahm im Januar an der Eröffnungsausstellung des neuen nationalen Fotografiemuseums in Rabat teil. Osborne Macharia aus Kenia arbeitete an dem Superheldenfilm „Black Panther“ mit und ist mit Porträts der Kawangware Defence Force zu sehen – Aids-Waisen eines Wissenschaftsclubs, die mit selbstgebauter Überwachungstechnik der örtlichen Polizei aushelfen.

Die Fotografen setzen sich mal künstlerisch, mal dokumentarisch mit Sport, Popkultur oder Alltagsleben auseinander, hinterfragen Klischees und betrachten etwa das globale Problem der Umweltverschmutzung aus einem anderen Blickwinkel. „Es ging vor allem darum, spannende Statements zu zeigen“, erklärt Krämer. Auffällig ist, dass unter den acht Fotografen mit Alice Mann nur eine Dame vertreten ist. „Ich hätte gerne mehr Werke von Frauen gezeigt, aber es gibt einfach mehr Fotografen, und viele Fotografinnen haben auch abgesagt“, berichtet Krämer. Mann porträtiert in ihrer Serie „Drummies“ Tambourmajoretten in Kapstadt, eine Art südafrikanische Cheerleadertruppe, in der die Mädchen Selbstvertrauen vermittelt bekommen.

Aufgrund der Weitläufigkeit des Geländes will man nach der Corona-Zwangspause zunächst von einer Beschränkung der Besucherzahlen absehen. „Wir haben sieben Kilometer Besucherweg“, erklärt Beil und gibt zu Bedenken, dass man zum einen nicht davon ausgehe, „überrannt“ zu werden, und zum anderen wisse, dass die Gäste die Sicherheitsmaßnahmen verinnerlicht hätten. Bis die Besucher aber die persönliche Handschrift des neuen Generaldirektors erkennen werden, wird es noch dauern. Natürlich gebe er für die folgende Schau „Mon Trésor“ (siehe Infobox) Hinweise, aber eine von ihm konzipierte Ausstellung sei erst im Frühjahr oder im Herbst 2021 geplant. An Ideen mangele es nicht. „Ich habe mehrere Pferde im Stall, ich weiß nur noch nicht, welches ich ins Rennen schicke.“ Zunächst freue er sich aber, von seinem neuen Team mit der Eröffnung der Afrika-Schau und ihrem „starken Statement jenseits von Afropessimismus“ begrüßt zu werden.