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Violinist Joshua Epstein lehrt weiter an der HfM Saar und stellt sich auch mit 80 in den Dienst der Musik

Saarbrücken : Der Weltbürger an seinem idealen Wohnort

Keine Lust auf Pension: Violinist Joshua Epstein wird 80 Jahre und lehrt weiter an der HfM Saar, damit sich Jungtalente in den Dienst des Werks stellen.

„Je mehr Erfahrung man hat, desto besser wird man!“ Das sagt der Violinist Joshua Epstein übers Musizieren an sich und übers Unterrichten im Besonderen. Und so denkt er gar nicht daran, sich „zwangspensionieren“ zu lassen, obwohl er an diesem Samstag seinen 80. Geburtstag feiert. Seit rund 20 Jahren ist Epstein künstlerischer Leiter der Internationalen Sommerakademie Schwetzingen-Worms; just saß er wiederholt in der Jury eines Internationalen Wettbewerbs in Italien und startete noch vor dem Lockdown mit seiner amerikanischen Frau Heather, einer Pianistin, eine Reihe von Benefizkonzerten mit Beethoven-Sonaten zugunsten psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher. Und an der Hochschule für Musik Saar (HfM) unterrichtet der engagierte Pädagoge aktuell immer noch acht internationale Studenten und Studentinnen.

Auf ausdrückliches Bitten seiner Schäfchen sei er an der HfM geblieben, erzählt Epstein, und immer noch meldeten sich junge Leute aus aller Welt, die bei ihm studieren wollten. Kann man als Dozent ein schöneres Kompliment bekommen? Große Wertschätzung erfahre er auch von Seiten der HfM: „Die Kollegen sind wirklich klasse“, freut sich der Violinist, „eine wunderbare Atmosphäre!“

Geboren wurde Epstein 1940 in Tel Aviv, wo er ab acht Jahren Geigenstunden nahm. Nach musiktheoretischem Unterricht und Abitur studierte er zunächst Mathematik und Physik an der Universität Jerusalem. „Um Geige zu studieren, musste ich raus aus Israel“, sagt Epstein. Amerika war zu weit, daher ging er 1959 zu Arthur Grumiaux, den er bei einem Konzert in Tel Aviv kennen gelernt hatte, ans Königliche Musikkonservatorium Brüssel. Drei Jahre später wechselte er zu André Gertler an die Chapelle Musicale Reine Elisabeth, eine Brüsseler Einrichtung für Hochbegabte, und folgte seinem Lehrer 1966 als dessen Assistent und Dozent an die Hochschule für Musik und Theater Hannover. Ab 1974 leitete er eine Geigenklasse an der Musikhochschule Würzburg und wurde vier Jahre später als Professor an die HfM berufen.

Parallel leitete Epstein zahlreiche Meisterklassen in verschiedenen Ländern mit Studenten aus mehr als 20 Nationen. Daneben verfolgte er diverse Aktivitäten als Solist und Kammermusiker, so als Primarius des Bartholdy-Quartetts (1972-78) oder als Gründer und musikalischer Leiter der Saarbrücker Kammermusiktage, und spielte mehrere LPs und CDs ein. Orchesterkonzerte, Fernseh- und Rundfunkaufnahmen führten ihn in viele Länder Europas sowie unter anderem in die USA, nach Kanada und Israel. Außerdem ist Epstein Preisträger internationaler Wettbewerbe, und das teils sogar mehrfach.

Er hätte sich also auch auf eine Solokarriere konzentrieren können, blieb aber im Saarland. Warum? Epstein, der privat liebend gerne die Reisekoffer packt, verweist auf die Strapazen und frustrierenden Aspekte internationaler Tourneen: „Vom jeweiligen Land habe ich nie etwas gesehen.“ Saarbrücken sei für ihn einfach ideal: „Mit meiner Mutter habe ich Französisch gesprochen, mit meinem Vater Deutsch, ansonsten hebräisch – Saarbrücken bot sich an, wegen der Nähe zu Frankreich und Belgien, wo die meisten meiner Freunde wohnten.“ Schelmisch setzt er hinzu: „Meine Klassen waren ja ohnehin international, dafür musste ich nicht verreisen.“

Seinen Studenten und Studentinnen versucht der Violinist, dem Lampenfieber selbst fremd ist, Gelassenheit zu vermitteln – nicht zuletzt, um Haltungsschäden vorzubeugen. Epstein: „Ich lege Wert darauf, dass die Leute wirklich entspannt sind, körperlich wie innerlich.“ Das erreicht er über die physiotherapeutische Methode seines israelischen Landsmannes Moshé Feldenkrais, den er persönlich kennen lernte, und bedient sich außerdem gern der Violin-Etüden von Rodolphe Kreutzer, weil sich damit alle erdenklichen motorischen Probleme gezielt behandeln ließen. „Die rechte Hand ist die schwierigere“, sagt Epstein: „Sie ist verantwortlich für Phrasierung und Artikulation. Das ist wie eine Sprache: Jede Note kann ein Buchstabe sein.“ Auch fordert er eine werkgetreue Interpretation; in dem Sinne, dass der Interpret sich in den Dienst des Werkes stellt und nicht umgekehrt. Bewusst zu leben ist ihm wichtig, und Epstein ist der beste Beweis, dass eine Änderung von Gewohnheiten keine Frage des Alters ist: Seit einigen Jahren ernähren er und seine Gattin sich vegan, wenn auch nicht streng orthodox – der Umwelt, den Tieren und der Gesundheit zuliebe. „Wussten Sie, dass Tel Aviv die Hauptstadt der Veganer ist?“, fragt Epstein. Für Deutschland, an dem er und seine Frau die „weltweit einzigartige“ Objektivität von Presse und Medien schätzen, hofft Epstein auf weniger Bürokratie, mehr kritisches Denken und mehr Akzente auf Bildung, Kunst und Wissenschaft. „Ich bin Fußballfan“, sagt Epstein. „Trotzdem wünsche ich mir, dass mindestens ein Zehntel des Geldes, das dafür ausgegeben wird, in die Kultur fließt!“

Ein sehr frühes Album von Joshua Epstein. Foto: Deutsche Grammophon

Weitere Informationen unter www.violin-joshuaepstein.com