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Vier Konzert-Termine sollen den Beschränkungen trotzen.

Deutsche Radio Philharmonie : Durchs Dunkel zum Licht: Die erste Matinée der DRP

Die Corona-Pandemie hat vieles verändert. Auch bei der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) und ihrer 1. Sonntags-Matinée. Angepasstes Programm, auseinandergezogene Orchester-Sitzweise, gerade mal 150 Zuhörer, auf Einzelplätzen in der Congresshalle verteilt.

Mit vier Konzerten wurde gegengesteuert, um mehr Zuhörer zu erreichen. Einstimmung mit einer „Fanfare“: „Valoa Kohti“- „dem Licht entgegen“ von Olli Mustonen für fünf Blechbläser, die die DRP zur Saisoneröffnung in Auftrag gegeben hatte. Sie reflektiert in dieser schwierigen Zeit ein „Empor“ durch Chaos und Dunkelheit zum Licht. Vorzüglich interpretiert durch die Bläser Hofmann, Zaiser, Schröder, Garfitt und Polkinhorn.

Dann Mustonen als Solist in Beethovens zweitem Klavierkonzert, mit einer sehr persönlichen, eigenartigen, gegen den Strich gebürsteten Interpretation. Dass die Bläser hinter Acrylwänden saßen, war akustisch nicht relevant. Aber das fehlende, sonst dämpfende Publikum machte die akustischen Qualitäten der Congresshalle mit brillantem, klarem Klang und einer organischen  Nachhallzeit deutlich.

Mustonen packte mit herzhaftem, oft metallischem Anschlag viel in seinen Part, was nicht in den Noten auf seinem Pult stand: eruptive Dynamik, Akzente, Staccati, Manierismen. Mit Armschwüngen schien er den Dirigenten Pietari Inkinen unterstützen zu wollen, der sich auf Mustonens exzessive Dynamik einließ und durchweg kraftvoll musizierte. Als Zugabe ließ Mustonen den „harmonischen Grobschmied“, Variationen von Händel folgen. Wie passend.

Belá Bartóks „Divertimento“ für Streicher beendete mit seiner freundlichen Grundstimmung das Konzert. Inkinen gestaltete dynamisch sehr differenziert, rhythmische Genauigkeit gelang trotz der auseinandergezogenen Sitzweise der Musiker vorzüglich. Die Ecksätze hatten fabelhaften Biss, der Mittelsatz harmonisches Dunkel und grelle Kontraste. Die DRP-Streicher war in Hochform und es gab endlich wieder Orchestermusik „live“. Herrlich.

Das nächste Saarbrücker Konzert mit der DRP am 2. Oktober in der Congresshalle ist bereits ausverkauft.
Informationen und Spielplan:
www.drp-orchester.de