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Veranstalter „Saarevent“ in der Corona-Krise

Allein "Garage" kostet 300 000 im Jahr : „Saarevent“ kämpft mit null Einnahmen und hohen Kosten

Wie viele andere Veranstalter hat die Corona-Krise auch „Saarevent“ hart getroffen. Wobei die Saarbrücker Firma eine besondere Rolle in der Branche einnimmt: „Wir sind der einzige große Konzert-Veranstalter im Saarland, der mit der Garage einen eigenen Club betreibt“, sagt Geschäftsführer Heiko Renno.

Dort steigen neben Live-Shows auch Party- und Discoabende.

So komme die Firma auf jährlich rund 250 Veranstaltungen und habe „einen wesentlich größeren Geschäftsbetrieb mit höheren Fixkosten.“ Das fange schon beim Personal an: Das Team bestehe momentan aus zehn Festangestellten, acht Azubis und zirka 60 geringfügig Beschäftigten. Vom kaufmännischen Bereich über die Künstlerakquise und der Technik bis zur Gastronomie kommen die Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Bereichen. Doch nun ist der Betrieb geschlossen und alle sind in Kurzarbeit. Während die meisten Kollegen der Branche nur ein Büro oder Ähnliches benötigen, habe seine Firma mit der Garage aber einen ganz anderen „Brocken zu stemmen“, sagt Renno. Denn die Fixkosten für die Halle inklusive den Nebenkosten für Strom, Wasser, Heizung & Co. belaufen sich nach seinen Angaben auf zirka 300 000 Euro im Jahr. Und die muss die Firma auch zahlen, wenn keine Veranstaltungen stattfinden (dürfen).

Heiko Renno, Geschäftsführer von Saarevent, hofft auf Hilfe. Foto: Marko Völke

Im Gegensatz dazu habe man in der Saarland- und Congresshalle dank der „sehr guten Zusammenarbeit“ mit dem Betreiber, der Congress Centrum Saar, keine Stornokosten zahlen müssen, da die Shows fast alle nachgeholt werden.

Das Unternehmen fühlt sich von der Politik in Stich gelassen. Renno: „Es gibt zwar genügend Hilfen, die aber für unsere Branche und die besondere Situation nicht wirklich passend sind.“ Der Leitsatz sei „First in – last out“. Als erste betroffen, würden die Klubs landesweit die letzten sein, die ihre Pforten wieder öffnen dürften. Obwohl die Eventbranche wie etwa Automobilindustrie und Pharmawesen riesig sei und Milliardenumsätze tätige, habe sie keine große Lobby, so Renno. Bisher habe man keine Krisen bewältigen müssen und den Staat nie um Hilfen gebeten. Doch nun müsse dieser seiner Verantwortung nachkommen sie gezielt unterstützen. „Denn auch die Freizeit- und Eventbranche ist ein großer Bestandteil des Lebens in Deutschland – obwohl wir nach Ansicht einiger Politiker nicht systemrelevant sind“, sagt Renno. Die Garage sei zudem ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens im Saarland. Seit Mitte der 80er Jahre sind dort mehr als 3 000 Konzerte mit Größen von Daft Punk und Billy Talent über Clueso und Silbermond bis Sido über die Bühne gegangen. Viele nationale und internationale Künstler hätten Ambiente, technische Ausstattung und Betreuung schätzen und lieben gelernt.

Wann seine Firma wieder im „Normalbetrieb“ arbeiten könne, sei „die große Frage, die sich die ganze Branche stellt und die bisher von der Politik nicht ansatzweise beantwortet wurde“, sagt Renno. Zumindest kleinere Live-Gigs zu veranstalten, hält er nicht für sinnvoll: „Kleiner bedeutet ja nicht, dass man die Vorschriften besser einhalten kann.“ In der großen Halle der Garage eine Show mit nur 200 Besuchern zu geben sei „aus wirtschaftlicher Sicht völlig abwegig.“ Im Prinzip könne man nur unter „Vollbetrieb“ arbeiten. Derzeit hat „Saarevent“ gut 80 Veranstaltungen, davon viele verschoben, im Vorverkauf. Dieser sei seit dem Ausbruch der Pandemie jedoch „fast total zum Erliegen gekommen“, sagt der Geschäftsführer. Die Einnahmen gehen gegen Null. Die geplante Gutscheinlösung der Bundesregierung für abgesagte Shows hält er für „eine sehr gute Sache“, da sie Liquidität beschere: „Viele der Ticketgelder sind schon in Form von Werbung, Vorkassen, Mieten und so weiter in zukünftige Projekte investiert wurden.“

Zudem haben die Hallen-Betreiber eine Crowdfunding-Kampagne gestartet (wir berichteten). Bereits kurz nach deren Start habe er festgestellt, dass „es scheinbar sehr viele Menschen gibt, denen die Garage am Herzen liegt“, freut sich Renno. Die „Gegenleistungen“ für die Geldgeber reichen von T-Shirts bis hin zur Überlassung der Halle. Mit den Spenden möchte die Firma auch ihre langjährigen Partner aus den unterschiedlichen Bereichen, vom DJ bis zum Techniker, unterstützen.