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Theaterfestival Perspectives startet am 20. Mai digital

Deutsch-französisches Theaterfestival stellt Programm vor : Perspectives sind digital im Mai, analog im Juli

Die Bundesnotbremse zwingt das deutsch-französische Theaterfestival Perspectives in seinem 43. Jahr zu einer abgespeckten digitalen Ausgabe – als Prolog zu einem zweiten Block Ende Juli mit Präsenzveranstaltungen auf beiden Seiten der Grenze.

Lockdown, kein Lockdown, Teil-Schließungen, Halb-Öffnungen, im Saarland so, in Frankreich anders – dem Perspectives-Team  haben die Unwägbarkeiten durch die Pandemie ein Höchstmaß an Flexibilität, kreativer Festival-Planung, Nervenstärke und Widerstandsfähigkeit abverlangt. Mit Tränen in den Augen dankte Festivalleiterin Sylvie Hamard gestern ihren Mitarbeiterinnen für ihre Unterstützung bei der digitalen Pressekonferenz zur Vorstellung des Programmes des  deutsch-französischen Festivals der Bühnenkunst.

Das wird es erstmals nicht am Stück und in seinem ersten Teil Ende Mai nur digital geben. „Bis vor kurzem glaubten wir daran, dass eine hybride Form möglich ist“, so Sylvie Hamard. Das Virus hat ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber auf Nähe, Präsenz, echten (analogen) Austausch – kurzum auf den von den Fans so geschätzten emotionalen, verbindenden Teil des grenzüberschreitenden Festivals wollte das Team nicht verzichten. Und so plant man für Ende Juli (29. Juli bis 1. August) einen zweiten Perspectives-Block. „Dann sehen wir uns in Parks und Gärten, um die Bühnenkunst zu feiern“, zeigt sich die Festivalleiterin optimistisch – und hält sich gleichzeitg alles offen.

Und so wirkt der erste Block  Ende Mai wie eine Art Prolog. Vom 20. bis 29. Mai präsentiert das Festival vier explizit digitale Stücke. Man habe sich bewusst gegen Livestreams und Video-Produktionen von Bühnenstücken entschieden und für völlig neue, künstlerische Formen.  „Tanz, Theater und Zirkus muss man live erleben“, findet Hamard. Vor allem deutsche Künstlerkollektive hätten Neues gewagt, das  Internet für sich entdeckt, die sozialen Netzwerke oder auch Messenger-Apps. „Es ist unser Autftrag, diesen neuartigen Formen eine Bühne zu bieten“, sagt die Festivalmacherin.  Und vielleicht könne man so auch neues Publikum gewinnen – im Prinzip weltweit.

Eröffnet werden die digitalen Perspectives mit dem interaktiven Netztheaterstück „Werther.live“ des Kollektivs punktlive (20. und 25. Mai). Es verbindet Theaterelemente, Videos, Chats, und soziale Medien zu einem neuen digitalen Raum, in der der von Goethe inspirierte Werther seine Lotte bei Ebay kennenlernt und sich via Whatsapp und Co. in sie verliebt. Die Protagonisten agieren live in ihren jeweiligen Wohnungen und interagieren miteinander und mit dem Publikum per  Facebook und Instagram. Das Stück wurde mehrfach ausgezeichnet und für das Berliner Theatertreffen nominiert. Sogar in der New York Times  fand es Erwähnung.

„Kooperatives Wohnzimmer Game“ nennt das Kollektiv Machina EX sein Stück „Lockdown“ an der Schnittstelle von Theater und Computerspiel. 30 Personen können live an einer Art digitaler Schnitzeljagd über die Messenger-App Telegram teilnehmen (22. und 23. Mai).

„Twin Speaks“  vom Kollektiv Vorschlaghammer wiederum ist eine fürs Digitale adaptierte Bühneninszenierung und dreht sich um einen fiktiven Mordfall in der schweizerischen Kleinstadt Birsfelden. Einige Einwohner wirken als Laiendarsteller mit. Das Publikum erlebt live eine Mischung aus Dokufiktion und Mystery-Thriller (28./29. Mai).

In „Lob des Vergessens – Teil 2“ geht Oliver Zahn der kollektiven Erinnerung auf den Grund in Form einer Desktop-Arbeit auf Zoom. Seine Basis ist ein Volkslied, das von der Vertreibung Deutscher im Zweiten Weltkrieg erzählt (28./29. Mai). 

  Doku-Szene aus  „Der Schwarm – Die Compagnie XY im Höhenflug“ über deren Probenarbeit.
Doku-Szene aus  „Der Schwarm – Die Compagnie XY im Höhenflug“ über deren Probenarbeit. Foto: Ilka Franzmann

Das Festival kooperiert schon länger mit dem Sender Arte. Dort läuft  am 4. Juli der Dokumentarfilm „Der Schwarm“ über die Akrobatik-Compagnie XY. Die Truppe hatte 2016 schon einmal in Saarbrücken gastiert mit ihrer spektakulären Show und hätte eigentlich mit ihrem neuen Stück „Möbius“ die Perspectives eröffnen sollen. Das ist nun für 2022 geplant. Als kleiner Trost läuft nun bereits am 20. und 21. Mai online diese Arte-Doku über die Probearbeiten zu „Möbius“, die im Sommer 2020 kurzfristig in Barcelona stattfinden konnten. Außerdem stellt sich der Jongleur Kolja Huneck in einer Online-Dokumentation vor (26. Mai).  Nach jeder Vorstellung wird es ein Publikumsgespräch geben.