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Tatort-Schauspieler Manfred Heidmann ist tot

Fast 100 Jahre alt geworden : Erster „Tatort“- Kommissar des SR gestorben

Unaufgeregtheit war sein Markenzeichen als Kommissar: Als man 1970 in Saarbrücken den Bühnen-Routinier Manfred Heidmann, der jetzt im Alter von 96 Jahren gestorben ist, für eine Hauptrolle im zweiten „Tatort“ der ARD überhaupt verpflichtete, ahnte niemand, dass dieses Format mal zusammen mit der „Tagesschau“ zum Markenkern des Ersten zählen würde.

Und es war gewiss auch nicht Heidmanns Kommissar Schäfermann, der trotz stolzer 14 Saarbrücker „Tatort“-Jahre, zu den herausragenden Ermittlern der Reihe zählte. Dazu gab es beim kleinen Sender SR einfach zu wenig Einsätze. Und oberflächlich betrachtet sah man da auch vor allem einen Musterbeamten. Dienstauffassung und Krawattenknoten stets akkurat. Nur seine Nerven lagen manchmal blank.

Tatsächlich war der Typus Schäfermann fast schon ein ideales Feindbild für den damals höchst vitalen Oppositionsgeist, der dank der 68er endlich die lethargische Republik durchlüftete. Seine Wirkungsmacht bezog er von und durch seinen Antipoden, dem forschen Kommissar Liersdahl (Heinz Dieter Eppler), der Gesetzestreue merklich legerer buchstabierte. Just dieses konträre Doppel brachte die frühen SR-Krimis dramaturgisch durchaus auf Spannungstemperatur. Ansonsten glichen sie aber meist lauwarmen Kammerspielen im grauen Fernsehstudio, mit überlangen Dialogen der Ermittler. Action war noch ein Fremdwort.

Nach seinem letzten „Tatort“ 1984 ließ Manfred Heidmann mit Anfang 60 auch seine Schauspielkarriere ausklingen. Das Kino, auch das Fernsehen verlangten nach anderen Gesichtern; nicht nur Heidmann erging es so. Zuvor hatte er allerdings ja seine großen Momente gehabt. Der gebürtige Lübecker stand bereits als Kind in „Emil und die Detektive“ in seiner Heimatstadt auf der Theaterbühne. Und als junger Mann spielte er 1941 mit Heinz Rühmann im legendären UfA-Streifen „Quax der Bruchpilot“. Heidmann stimmte darin das zuckrige Liedchen „Heimat, Deine Sterne“ an. Was später noch so manche und so mancher nachsangen. Im immer furchtbarer wütenden Krieg, den Nazi-Deutschland angezettelt hatte, war das vielen Balsam für die Seele.

Nach dem Krieg behauptete sich Manfred Heidmann als Synchronsprecher und Bühnen-Schauspieler, in den 50ern etwa im Ensemble des Schauspielhauses Bochum, das später mit seinen Intendanten Peter Zadek und Leander Haußmann zu den aufregendsten Häusern der Republik gehörte. Die Ära Zadek aber war schon nicht mehr Heidmanns Zeit. Da spielte der einen Musterbeamten in Saarbrücken. Allerdings heute, da auch der „Tatort“ schon ein halbes Jahrhundert zählt, sieht man vielleicht auch die Unaufgeregten wieder mit anderen Augen. Auch sie schrieben ja den „Tatort“ mit.