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Streichquartett „Quatour Arod“ reizt im Merziger Zeltpalast Extreme virtuos und spannend aus

Sonntagsmatinée im Merziger Zeltpalast : Streichquartett „Quatour Arod“ reizt Extreme virtuos und spannend aus

Was für eine Sonntagsmatinée im Merziger Zeltpalast! Streichquartett der besonderen Art mit dem „Quatour Arod“ aus Frankreich. Was Jordan Victoria und Alexandre Vu (Violinen), Tanguy Parisot (Viola) und Samy Rachid (Violoncello) mit faszinierender Selbstverständlichkeit an Zusammenspiel, weiter Dynamik und virtuoser Technik auf die Bühne brachten, war begeisternd.

Joseph Haydn beklagte, dass er für seine Quartette opus 76 das Feuer mit „Mühe und Anstrengung hervorsuchen“ musste. Die „Laune und der Witz“ des Fünften der Reihe wurde von den vier Musikern aber so federleicht, feinsinnig und filigran, mit so klangvollem, extremen Piano in Szenen gesetzt, dass man die musikantische Empathie mit jeder Note spürte. Dass sie auch „Biss“ haben, bewiesen die Vier in Béla Bartóks viertem Quartett, das aus einem kleinen Motiv gespeist wird. „Voller Härten und Geheimnisse“ ist es, ungarische Klagegesänge klingen an, gesteigerte Dramatik und komplexe Harmonik erschweren das Verständnis. In der extrovertierten Interpretation des Quartetts wurde dies fassbar.

Ludwig van Beethovens erstes Quartett aus opus 51 gehört zu den sogenannten „Rasumowsky-Quartetten“. Ein Zeitgenosse bescheinigte ihnen „Schwierigkeiten, besser gesagt Hindernisse, an denen die geschicktesten Virtuosen mehr oder weniger scheitern“. Davon war wirklich nichts zu verspüren, so unangestrengt und doch spannungsvoll gelang die Interpretation. Ganz wie zuvor in Haydnscher Manier wurden die Themen und Motive gesponnen, die Kontrapunktik ziseliert. Hinzu kam dann ein kraftvoller Zugriff, der mögliche dynamische und tempomäßige Extreme ausreizte und so Kontraste erzielte, die fesselten. Begeisterter Beifall und eine Zugabe, die verinnerlichter kaum sein konnte: Robert Schumanns „Träumerei“, für einen besinnlichen Sonntag-Nachmittag.