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Staatstheater und Völklinger Weltkulturerbe wollen Zusammenarbeit stärken

Staatstheater und Weltkulturrerbe : Der große Traum von einer Saar-Triennale

Das Staatstheater zu Gast in der Völklinger Hütte: Allein die Ankündigung hat schon eine Riesen-Nachfrage ausgelöst. Theaterchef Busse und Welterbe-Direktor Beil träumen prompt von gemeinsamen Taten – in Form eines neuen Festivals, einer Saar-Triennale.

Die beiden Herren sparen nicht an großen Worten (auch wenn die Pressekonferenz im Stuhlkreis auf dem Freigelände der Alten Völklinger Hütte eher an eine VHS-Senioren-Sitztanzgruppe erinnert). Staatstheater-Indentant Bodo Busse jedenfalls zitiert Hölderlin: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Und Weltkulturerbe-Chef Ralf Beil fabuliert im Gegenzug über ein „Best Practice Pandemic Theatre“. Was doch ein bisschen nach Monty Pythons Flying Circus klingt, Britanniens nach wie vor bestem Humor-Export. Man könnte jetzt noch den ewigen Hesse, mit seinem Zauber des Anfangs, hinzutun. Und ahnt halbwegs, wie hochgestimmt die zwei größten Kulturinstitutionen des Saarlandes ihre neue Zusammenarbeit angehen.

„Staatstheater goes Völklinger Hütte!“ heißt es nächsten wie übernächsten Sonntag. Am 23. August, von 14 bis 18 Uhr, präsentiert sich die Saarbrücker Bühne auf und mittenmang im stets aufs Neue faszinierenden Areal der Alten Hütte (wir berichteten). Mit ihren Hochöfen, den Winderhitzern, dem Schrägaufzug – dieser Kulisse einer erloschenen Welt wie kein Theater sie je schaffen könnte. Schauspieler werden dort am Sonntag mehr als einmal eine Szene machen – aus diversen Stücken der kommenden Saison. Denn die Exkursion in die Hüttenstadt zählt ja quasi auch als Ersatz für das Corona-wegen gestrichene Theaterfest. Musikalische Intermezzi werden ertönen, Percussion auf rostigen Röhren und ein duftiges Mozart Horn-Quartett dazwischen, Tänzer trippeln auf Sinterkühlern und und und. Wobei der Theaterboss am Mittwoch bewusst bloß Appetithäppchen servierte, aber kein fixes Programm. Denn, um in Corona-Zeiten den Publikumsstrom zu kanalisieren, haben Bühne und Hütte einen rund drei Kilometer langen Parcours über das Gelände gelegt, „mit 18 Spielorten und 49 Events“, erläutert Busse. Für die Besucher gilt also: Immer schön in Bewegung bleiben! Bei drohenden Stauungen im Publikumsfluss werden Beil und sein Team sofort eingreifen. So bekomme auch jeder, der sich bereits per Mail angemeldet habe, noch elektronische Post mit Instruktionen, wann genau man sich am Eröffnungssonntag einfinden soll. Doch auch, wer erst um 15 oder 16 Uhr kommt, werde bei seinem Rundgang nicht weniger Kultur erleben, versprechen B & B, Beil und Busse. Theater-Dramaturgin Frederike Krüger habe das Ganze nämlich so mit diversen Stationen und Walking Acts getaktet, dass auf der Strecke reichlich Theater ist. Ganz zu schweigen von den Entdeckungen, die man an diversen Orten der Hütte machen kann.

Am 30. August lädt dann das Staatsorchester in Völklingen zum rund einstündigen Open-Air-Konzert ein – u.a. mit Beethovens Siebter und Auszügen aus „Nabucco“. Ursprünglich war dafür der Roheisenkanal vorgesehen. Doch weil auch hier die Anmeldungen nur so prasselten, zieht man auf den Erzplatz um. Beim Electro-Magnetic-Festival drängten sich in Vor-Covid-19-Jahren dort Tausende, nun sollen immerhin 600 Gäste luftig Platz finden. „Mehr geht auch hier leider nicht“, sagt Welterbe-Chef Ralf Beil. Deshalb gilt für das Konzert bereits ein Anmeldestopp. Und für den kommenden Sonntag gibt es nur noch ein winziges Rest-Kontingent. 1200 Gäste haben sich für den ersten Termin bereits angemeldet, so Beil. Wobei das aktuelle Limit für Großveranstaltungen niedriger liegt. Durch die Form des Parcours aber  könne man mehr Leuten etwas anbieten. „Wir nehmen die Risiken sehr ernst, aber wir wollen auch Kultur wieder für viele möglich machen“, betont Beil. Ein Erlebnis, dessen man sich in Pandemie-Zeiten ja fast schon entwöhnt hatte.

Wie ausgehungert nach den veranstaltungslosen Wochen das Publikum aber nach Kultur ist, zeigt da exemplarisch der Riesen-Andrang auch beim Vorverkaufsstart für Theater-Abonnenten. Obwohl es ein anderes Theater sein wird – mit Opern, bei denen kammermusikalisches Musizieren Tugend und Notwendigkeit sein wird und einer Bühnenästhetik auch der Leerräume, mit Sängern und Schauspielern auf Abstand. Bodo Busse aber freut es, dass das Publikum die Treue hält. Und, dass die Kooperation mit dem Weltkulturerbe so rasch zustande kam, nachdem Ralf Beil im Mai sein Amt antrat. Stimmt, das ist nicht die erste Zusammenarbeit der Kulturtanker. 2013 schon schafften die damalige Theaterchefin Dagmar Schlingmann und Beils Vorgänger Meinrad Maria Grewenig mit „Rigoletto“ in der Gebläsehalle einen derartigen Publikumshit, dass man sich seither ständig fragte: Warum gab’s nie eine Fortsetzung?

Doch jetzt bahnt sich mit Busse und Beil endlich Neues an. Eigentlich, berichtet Beil, war er im Mai, mitten im Lockdown, nur zu einer Kennenlern-Visite bei Busse. Ruckzuck aber hatten die beiden erste gemeinsame Termine fürs Teamwork gefunden, eben die beiden kommenden Sonntage. Wirkt da Corona am Ende als Kooperations-Katalysator? Darauf antwortend kann Busse richtig fuchsig werden: „Corona hat überhaupt nichts Gutes, das ist furchtbar, wir brauchen Corona nicht, um zusammenzuarbeiten.“ Genau das aber wollen Hütte und Bühne künftig mehr tun. „Das Ganze ist eine Art Generalprobe für vielleicht Weiteres“, sagt Busse. Und Beil zählt flugs auf, wie viele Hallen er allein auf dem Hüttenareal hat – reichlich Platz zum Spielen. Und so spekuliert er über eine Saar-Triennale nach dem Vorbild der Ruhr-Triennale, die an und in alten Montan-Orten Top-Kultur bietet. Mit reichlich Ausstrahlung. Wäre das nicht in mehrfacher Hinsicht eine Blaupause fürs Saarland?

Fix ist allerdings noch nix, Intendant wie Generaldirektor aber betonen, dass es nicht nur Hirngespinste sind, sondern eine Idee, die sie beflügelt, die sie konkretisieren wollen. „Im Festivalkalender des Landes wäre sicher noch Platz für eine Saar-Triennale“, sagt Beil – mit aller Euphorie seiner Amtsfrische. Womit wir dann wieder beim Hesse vom Anfang wären...