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Staatstheater Saarbrücken: Ein Theaterglücksabend und zwei gute Vorsätze

Nur 50 Gäste im Staatstheater : Ein Theaterglücksabend und zwei gute Vorsätze

Großes Haus und kleines Publikum: Das wird denen, die da auf der Bühne singen, spielen, tanzen, für uns ackern, einfach nicht gerecht. Sie hätten am Samstagabend Beifall von Hunderten verdient – und nicht bloß von 50. Mehr aber ließ die strenge Corona-Verordnung für die Wiedereröffnung des Saarbrücker Theaters bislang nicht zu.

Erster Vorsatz also für die nächste, die Ausnahme-Spielzeit des Saarländischen Staatstheaters: reichlich Armtraining während der Sommerzeit – des lautstärkeren Applauses wegen. Immerhin, von dieser Woche an, dürfen es 150 Gäste sein im Großen Haus. Kleiner Lichtblick für die nächsten Soireen, mit denen sich das Staatstheater nach der Corona-Zwangspause zurückmeldet.

Man könnte dem viel gescholtenen Virus aber auch mal dankbar sein. Warum? Weil es akustisch Purismus befiehlt. Kaum (schallschluckendes) Publikum im Saal, die Sänger vorn an der Bühnenkante mit dem Eisernen Vorhang als Reflektor im Rücken: Da tönt Pauliina Linnossaris Wucht-Sopran rein wie Kristall bei Elisabeths Hallen-Arie aus dem „Tannhäuser“. Zusätzlich schmeichelt uns Marie Smolkas die Rosen-Arie aus dem „Figaro“ so mo-zart ins Ohr wie nie zuvor. Ja, herrlich ist‘s, sie alle wieder zu sehen, wieder zu hören: Angelos Samartzis in glühender „Bohème“-Leidenschaft und Algirdas Drevinskas, der sich mit Vergnügen auf die Operette stürzt. Natürlich vermisst man dabei das Staatsorchester. Erstaunlich aber, was ein Mann (Nathan Blair) und sein Klavier alles ausrichten können. Nicht zu vergessen die vielen, manchmal störrischen Notenblätter. Blair aber meistert Blätterwald und Tastensprint souverän mit luzidem Spiel. Wenn sich dann noch Ausnahme-Tenor Sung Min Song an Schuberts „Winterreise“ wagt, um mit den Tänzern Nobel Lakaev und Hope Dougherty schon mal ein Ausrufezeichen für Stijn Celis nächstes Ballettprojekt zu setzen, ist eines schon mal klar: Sung Min Song will man unbedingt mit Schuberts Liederzyklus in Gänze hören.

Aber auch das Schauspiel ist mit viel Spiellust retour, wie Anne Rieckhof, Ali Berber, Bernd Geiling, Silvio Kretschmer, Thorsten Rodenberg und Michael Wischniowski mit Texten von Robert Gernhardt und Tschechow (den der moderierende Intendant Bodo Busse kurz mal in Tucholsky umtauft) beweisen. Gewitzt, rührend und klangschön dieses anderthalbstündige Wiedersehen im Staatstheater, das so viel Vorfreude auf die neue Saison entfacht. Also, zweiter guter Vorsatz für die Ferien: ein paar Stimmlippen-Kehlkopf-Zwerchfell-Triathlons zur Stärkung, damit die Bravo-Rufe noch überzeugender kommen. Man wird es brauchen können in der nächsten Saison.