Zweiter Wettbewerbsabend der St. Ingberter Pfanne Nichts destotrotz noch ein Vivat!

St Ingbert · Die aus Bielefeld stammende Musikkabarettistin Melanie Haupt dominierte klar den zweiten Wettbewerbsabend der St. Ingberter Pfanne.

Überfliegerin des zweiten Wettbewerbsabends : Musikkabarettistin Melanie Haupt (Gesang, Ukulele) mit Jonathan Bratoëff (an Gitarre und Bass).

Überfliegerin des zweiten Wettbewerbsabends : Musikkabarettistin Melanie Haupt (Gesang, Ukulele) mit Jonathan Bratoëff (an Gitarre und Bass).

Foto: Kerstin Krämer

„Der beste Ort der Welt“? Das ist für Melanie Haupt generell das Theater, weshalb sie ihm gleich einen ganzen Liederabend gewidmet hat. Am Sonntag war‘s speziell die Industriekathedrale Alte Schmelz, wo die gebürtige Bielefelderin den zweiten Wettbewerbsabend der St. Ingberter Pfanne eröffnete und klar dominierte: Haupt macht intelligentes Musikkabarett, bei dem qualitativ einfach alles stimmt – Texte, Musik, Präsentation. Bühnenerfahrung und eine solide handwerkliche Ausbildung sind halt nicht zu unterschätzen.

Dass die Frau auch eine hervorragende Schauspielerin ist, weiß etwa, wer sie zusammen mit ihrem langjährigen Bühnenpartner Bodo Wartke in „Antigone“ gesehen hat, wo die beiden das komplette Stück nur zu zweit spielen. Jedenfalls zupft Haupt nicht nur einen kessen Nylondarm auf der Ukulele, sondern bläst einen auch als Sängerin schlicht um. Mit ihrer kräftigen, souligen Stimme kann sie süffisant in ätherischen Höhen zwitschern, um dann wieder rauchig zu shouten und zu knödeln wie eine zentnerschwere Bluesmama.

Dabei waren Haupt und ihr Begleiter Jonathan Bratoëff, der das Ganze abwechselnd mit groovendem E-Bass oder beseelter Gitarre garnierte, gern in flottem Swingtempo unterwegs, inklusive diverser Tempo- und Rhythmuswechsel. Und inhaltlich? Da liefert Haupt jede Menge Stoff zum Nachdenken. Nicht nur übers Theater, das sie als Ort des Austauschs ebenso vom Aussterben bedroht wähnt wie das Phänomen der kontroversen Diskussion.

Haupt singt über Chancengleichheit und kulturelle Aneignung; sie räumt mit dem Märchen von der einen Wahrheit auf und hat gegen die Verrohung der Menschheit in den asozialen Medien eine entschleunigende Lösung parat: „Stellen Sie sich mal vor, die ganze Welt würde sich ihre Hasskommentare faxen!“

Dieses Szenario deklinierte sie hier wunderbar theatralisch durch, bis zum Kollaps durch Papierstau. Künstliche Intelligenz? „Wer keinen Frontallappen hat, sollte nicht mitreden dürfen!“, forderte Haupt und stellte zum Abschluss eine sehr wichtige Frage: „Was für eine Gesellschaft wollen wir eigentlich sein?“ Tja.

„Ich kann nichts Sinnvolles zu anderer Leute Leben beitragen“, hatte am deutlich besser besuchten Vortag die Stand-Up-Comedienne Lara Ermer bekannt. Ihr Kollege Hinnerk Köhn, Jahrgang 1993 und gelernter Kaufmann, konnte ebenfalls nichts wirklich Substanzielles beisteuern. In seinem Programm „Bitter“ gab sich das junge Nordlicht aus Eckernförde noch privater als Ermer, plauderte vorrangig aus dem eigenen Leben und testete provokationsfreudig die Toleranzschwelle des Publikums. Hypochondrie, Impfangst, von Alkohol umnebelte Jugenderinnerungen, norddeutsche Trinkbräuche, verkorkste Familienfeiern, Auftritte in der Provinz und ein Rap über „fragile Männlichkeit“ – Köhn trat die Flucht nach vorn an und war früher fertig, als es das Wettbewerbsreglement vorsieht.

Dass man ihn daraufhin erst eine Weile auf der Bühne verhungern ließ und nach seinem ratlosen Abgang nochmal raus nötigte, damit er die 45 Minuten voll macht, war allerdings fragwürdig und schuf eine Situation, die für den Künstler wie die Zuschauer gleichermaßen unangenehm war. Dafür schlug Köhn sich noch erstaunlich wacker – sein Wettern gegen Sexismus im Schlager würde Roland Kaiser nicht gefallen haben.

Der Abend endete betulich skurril: Beim beswingt in eigenen Nummern oder Coverversionen à la „Comedian Harmonists“ schwelgenden „Huub Dutch Duo“ wusste man nicht recht, ob man sich auf eine Karnevalsveranstaltung oder einen Seniorennachmittag verirrt hatte. Dabei kann der holländische Charmeur und Musik-Entertainer Huub Dutch im flotten Duckwalk übers Podium hoppen wie weiland Chuck Berry, während sein zum schweigenden Stoizismus verurteilter Partner Chris Oettinger am Flügel sich als stilistisch versierter Pianist entpuppte, der hier insbesondere mit Blues und Boogie Woogie punktete.

Doch leider wurde das fingierte Spannungsverhältnis „romantisch veranlagter, intellektueller Sanguiniker trifft rustikal strukturierten Sauertopf“ nicht ausgereizt. Und Zutaten wie Animationstalent, beherzter Gesang plus ein originelles Instrumentarium aus „holländischer Vuvuzela“, einem Teekistenbass alias „Wäscheleinophon“, Trompete und Percussion machen noch lange kein knackiges Pfannengericht. Nett – aber ginge es um Brot, wäre altbacken das richtige Wort.

Auch für den vierten Wettbewerbsabend gibt es noch Karten: Am Mittwoch wetteifern Rena Schwarz (Comedy), FALK und Miss Allie (beide Musik-Kabarett). Jeweils 19.30 Uhr, Alte Schmelz