Neues Album von Eisel & Jem: Spanische Sonne und ein Hauch Melancholie

Neues Album von Eisel & Jem : Spanische Sonne und ein Hauch Melancholie

Mit einem neuen Album feiern Helmut Eisel & Jem jetzt ihren Dreißigsten. Am Freitag spielen sie in der Saarbrücker Bel Etage.

„Talking Clarinet“ nennt Helmut Eisel sein Instrument. Weil sie lachen, jubeln, weinen, wimmern, klagen kann. Weil sie selbst aus fernsten Zeiten zu erzählen weiß. Sogar von Menschen, die längst vergangen sind, aber deren Geschichten doch bleiben.

Im Grunde aber ist das mit der sprechenden Klarinette eine der charmantesten Untertreibungen überhaupt. Wie das von einem im Zweifelsfall Bescheidenen wie Helmut Eisel ja auch kaum anders zu erwarten ist. Doch in seinen Händen kann die Klarinette noch so viel mehr als reden. So wie Oper dort beginnt, worüber man nicht mehr zu sprechen vermag, überschütten uns manchmal zwei, drei Töne aus diesem kleinen schwarzen Schalltrichter mit Gefühlen, Erinnerungen, Bildern. Was ist das etwa für eine eigenartig-federnde Melodie? Als ob eine junge Frau lässig an einem Sommerabend durch eine südliche Großstadt schlendert, wenn die Hitze noch in den Straßen hängt, doch das Abenteuer der Nacht lockt schon. Musik wie ein großes Versprechen. „As gentle as a Tiger“ hat Eisel sie genannt.

Und das ist bloß eine von 15 Perlen auf dem neuem Album „¡KlezFiesta!“, mit dem Helmut Eisel und Jem jetzt ihren Dreißigsten feiern (auch mit einem Konzert am Freitag in der Saarbücker Bel Etage). Was, drei Jahrzehnte schon? Ja, stimmt. Auch, wenn man’s partout nicht glauben will, so jung, so unverbraucht, so ideenfrisch ist das, was Eisel, Michael Marx (bewährt grandios an der Gitarre und auch sporadisch scattend) wie auch der virtuose Bassmann Stefan Engelmann da im Trio geschaffen haben.

Zwischen Klezmer und Swing, zwischen klassischem Formensinn und praller Daseinslust tanzen all diese Titel um eine Mitte, in der lustvoll das Leben pulst. Ja, es ist ein Feieralbum geworden – wie es sich für ein Geburtstagsalbum gehört. Auch wenn sich hin und wieder unvermutet ein Schatten auf diese Sonnenmelodien legt, der das Heitere dann umrankt. Das lässt Schwere ahnen, just dann, wenn die Stücke (meist von Eisel selbst) die reiche musikalische Tradition der sephardischen Juden aufnehmen. Ein Album, dass einem gerade jetzt im Herbst die spanische Sonne zurückbringt. Bisweilen aber auch mit unergründlicher Melancholie irritiert.

„¡KlezFiesta!“ von Helmut Eisel & jem, erschienen bei Neuklang.
Am Freitag, 18. Oktober, 20 Uhr, feiern Helmut & Jem ihr 30-jähriges Jubiläum mit dem neuen Album in der Saarbrücker Bel Etage.

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