Sommer Szene: "Schwarze Grütze" muss wegen Wetter in Brebacher Kirche auftreten

Spontaner Bühnenwechsel bei Sommer Szene : Kirchenasyl für die bösen Barden von „Schwarze Grütze“

 Kirchenasyl für Straßentheater? Das hat die „Sommer Szene“ in 34 Jahren auch noch nicht erlebt! Damit der Abend auf dem Brebacher Kirchplatz nicht ins Wasser fallen musste, bot die angrenzende katholische Pfarrkirche Maria Hilf dem Festival am Freitagabend spontan Obdach.

Kurioser Begleiteffekt: Die traditionelle Hutsammlung erfolgte unter diesen Umständen tatsächlich als Kollekte. Drinnen war‘s zwar schwül wie in einem subtropischen Aquarium, dennoch waren alle Bänke besetzt – immer wieder bewundernswert, wie nibelungentreu das Publikum mitgeht, wie fix die Helfer umdisponieren und mit welcher Verve die Künstler sich auch unter widrigsten Umständen ins Zeug legen.

Dem lieben Gott mochte es aber nicht recht frommen, was das fleißig vor sich hin schwitzende Potsdamer Comedy-Duo „Schwarze Grütze“ in seinem Hause trieb. Ob‘s die sarkastischen Texte waren? Oder die Tatsache, dass ein Keyboard (nicht als Opfergabe) auf dem Altar landete?

Erst fiel ein Mikro aus, dann um; schließlich flackerte auch noch ein Scheinwerfer nervös vor sich hin. Als das Licht einmal gar zu grell zuckte, hauten die beiden Jungs sofort schlagfertig einen raus: „Ups, wir haben zu schnell geredet, wir sind geblitzt worden!“ Das ist typisch Schwarze Grütze – maulflink, situationsangepasst und nie um einen flapsigen Kommentar verlegen. Um bei der aktuellen und letzten „Sommer Szene“ dabei sein zu können, hatten Dirk Pursche (Bass, Gesang) und Stefan Klucke (E-Gitarre, Keyboard, Gesang) eigens ihren Urlaub verschoben.

Seit 20 Jahren kombinieren die beiden bösen Barden spontane Stand-Up-Comedy mit virtuosen Wortspielereien, flachen Kalauern, witzigen Gedichten und fiesen Liedern – für letztere fleddern die zwei auch gern mal einschlägige Hits und setzen einzelne Song-Bausteine neu zusammen. Das Ergebnis ist alles andere als nett, aber literarisch wertvoll und rasend komisch zugleich. Kein Wunder, dass die beiden verhinderten Lehrer – fast wären sie im Rotstiftmilieu gelandet – mit Kleinkunstpreisen überhäuft werden.

Auch bei ihrem aktuellen Programm „Notaufnahme“, bei dem sie unter anderem über alte Mütter, ADHS-Kinder und Künstler-Bohemiens lästern (und außerdem mit seelenvollen Blues begeistern), drohten vor Lachen Erstickungsanfälle und Zwerchfellbrüche – aber die Festivalleiter Charlie Bick und Marion Künster hatten ja vorsorglich einen Spielort mit angegliedertem Krankenhaus gewählt: Die SHG-Klinik Halberg liegt gleich nebenan.

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