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So ist die neue "Star Wars"-Streamingserie „Andor“ bei Disney

Streaming auf Disney+ : Neue „Star Wars“-Serie: Ist „Andor“ wirklich langweilig? (mit Bildergalerie)

„Andor“ ist die jüngste Serie aus der weit verzweigten „Star Wars“-Saga. Wer galaktische Dauer-Action und Nostalgie braucht, wird enttäuscht sein – was nicht gegen die Serie spricht.

Ist der Start von „Andor“ nun langweilig? Oder bloß mit Ruhe und erfreulich sorgfältig erzählt? Es wird wohl an der eigenen Aufmerksamkeitsspanne liegen, wie man die jüngste „Star Wars“-Serie empfindet. Für jene Anhänger der weitverzweigten Weltraum-Saga, die nicht immer dasselbe sehen, nicht ständig mit wohliger Nostalgie sediert werden wollen, ist „Andor“ – mindestens die drei ersten Episoden, die jetzt zu sehen sind – eine Wohltat: ein frischer Wind, der vielleicht etwas langsam weht, aber eben frisch ist.

Die titelgebende Figur Cassian Andor ist ein alter Bekannter: Im „Star Wars“-Kinofilm „Rogue One“ (2016) war er ein Offizier der Rebellen-Allianz, die gegen das faschistische Regime des Imperiums kämpft; die Serie „Andor“ erzählt nun dessen persönliche Vorgeschichte, setzt fünf Jahre vor „Rogue One“ ein, als Andor noch kein Rebell ist, sondern ein Dieb, der sich mit Gaunereien durchschlägt. Zu Beginn sucht er nach seiner vor Jahren verschleppten Schwester; dort wird er überfallen, tötet einen Dieb in Notwehr (beim zweiten ist es Mord) und flieht auf den Planeten Ferrix. Doch ein Polizist aus einem galaktischen Sicherheitskonzern will die Tat aufklären und bläst zur Jagd auf Andor.

So viel Regen und Matsch

Diesen überschaubaren Plot erzählen die drei Episoden à 40 Minuten in aller Ruhe, mit Konzentrationen auf Figuren und auf Atmosphäre, auf die Schaffung einer nachvollziehbaren Welt. Die ist etwa auf dem Mond Morlana Vier, der wie ein industrieller Moloch wirkt, betont trostlos – so viel Regen und Matsch gab es selten in der Sternensaga. Die Welt von Ferrix ist kaum anheimelnder, hier lebt man in Mischungen aus Western- und Wüstenstadt. In Rückblenden blättert sich Andors Vergangenheit auf, auf einem urwüchsigen Planeten, dessen Bodenschätze längst das Ziel von Ausbeutern sind, die mit Raumschiffen einschweben.

Kappen wie bei der SA

Andor ist in den ersten drei Episoden keine übliche Heldenfigur, sondern ein Dieb und Mörder; Schauspieler Diego Luna gibt ihm etwas Gehetztes, Unstetes. Ihm gegenüber steht ein Weltraumpolizist (Kyle Soller) mit energischem Kinn und brennendem Ehrgeiz; er jagt Andor mit einem Trupp sichtlich lustloser Polizisten, die seine Motivationsrede mit müdem und ironischem Applaus quittieren. Eine interessante Bösewichts-Konstellation; überhaupt gibt es ein paar Schlenker, durch die dieses Universum dem unsrigen ganz nah erscheint: Da gibt es jenen Mann, der einem im öffentlichen Nahverkehr (hier in Form eines wunderbar nostalgisch designten Raumschiff-Busses) ungefragt seine Lebensgeschichte erzählt; ein Chef verdreht Fakten, um beim Ober-Chef – in diesem Fall das Imperium – gut dazustehen; auch unbezahlte Überstunden sind ein Thema. Ein Untergebener des ehrgeizigen Ermittlers stachelt ihn mit einer Rede an über „die harte Hand“, über Führung und Unterdrückung – ist es da Zufall, dass die Kappen der Polizisten an jene der SA im NS-Regime erinnern?

Klobige Technik wie in Tschernobyl

Die Serie erschafft da eine bedrohliche, oft trostlose Welt, selbst die Technik ist klobig und staubig – Computerbildschirme und Schaltpulte scheinen wie von gestern, als habe das Ausstattungsteam sich im Kommandoraum des Reaktors von Tschernobyl bedient. Das alles – ausgedacht und produziert von Tony Gilroy („Jason Bourne“) – ist ambitioniert. Aber man versteht Anbieter Disney+, dass er gleich die ersten drei Folgen auf einen Schlag veröffentlicht hat und nicht einzeln wöchentlich hintereinander; so hofft der Konzern vielleicht jene Zuschauer noch mitzunehmen, denen das alles etwas zu langsam ist und die nach bloß der ersten Folge ausgestiegen wären.

In der dritten Episode nämlich schwebt  ein mysteriöser Mann ein (gespielt von Stellan Skarsgard), der weniger an Andors Diebesgut interessiert ist als an ihm selbst. Da legt die Serie an Tempo zu, mit einer Schießerei in einer alten Maschinenhalle – man hätte das auch gut in der Völklinger Hütte drehen können. Da krachen Stahlteile von der Decke, Menschen verfangen sich in Ketten und werden mitgeschleift. Und Andor flieht mit dem großen Unbekannten auf einem schwebenden Motorrad (in der einzigen nicht exzellent getricksten Szene) in eine neue Zukunft – und zu weiteren neun Episoden. Halten die die Qualität, ist „Andor“ die beste „Star Wars“-Serie seit „The Mandalorian“.

Zu sehen bei Disney+. Eine neue Folge jeweils ab mittwochs.   

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neue „Star Wars“-Serie „Andor“