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Saga überzeugte in Saarbrücken trotz kleinem Publikum

Saga in Saarbrücken : Großer Name, kleines Publikum: Saga in Saarbrücken

Das E-Werk war beim Konzert der kanadischen Rockpop-Veteranen eher spärlich gefüllt – wohl auch eine Folge von Corona.

Saga im E-Werk in Saarbrücken: Ob das vielleicht das letzte größere Konzert für lange Zeit war? Ein bisschen Wehmut schwingt da mit. Wobei man sicher erst definieren müsste, was ein größeres Konzert ist.

Saga hat einen großen Namen und spielte in einer großen Halle, aber der Publikumszuspruch war alles andere als groß. 450 Karten habe er im Vorverkauf wegbekommen, sagte Veranstalter Mehmet Bulut. Ein Drittel davon, so schätzte er, sei wegen des Coronavirus’ zuhause geblieben. An der Abendkasse sei keine einzige Karte mehr weggegangen. Die schwache Resonanz machte das Konzert wiederum erst möglich: Bei über 1000 Gästen wäre es wohl abgesagt worden. Das Publikum verlor sich somit ein wenig vor der riesigen Bühne. So hatte man aber auch wenig Probleme, voneinander Abstand zu halten: vielleicht ein Konzept für künftige Veranstaltungen in diesen Tagen?

Zum musikalischen Geschehen: Das begann mit der südfranzösischen Band Lazuli, die vor allem dadurch in Erinnerung bleib, dass die sechs Musiker am Ende ein Marimbaphon bedienten und dabei ein Medley aus bekannten Melodien spielten: Von „99 Luftballons“ ging das bis zum markanten Riff des größten Saga-Hits „Wind him up“. Das kam natürlich später noch in voller Länge. Saga, das Sextett aus Kanada, kam mit einem neuen Bassisten: Mitgründer Jim Crichton, Bruder des Gitarristen Ian Crichton, hatte wohl genug vom ewigen Touren und daher dem weitaus jüngeren Dusty Chesterfield Platz gemacht. Neben Schlagzeuger Mike Thorne standen aber immerhin drei Saga-Urgesteine auf der Bühne: Ian Crichton, Jim Gilmour an den Keyboards und natürlich Sänger Michael Sadler, der auch mal die Keyboards oder den E-Bass bediente. Dem überaus sympathischen und gut aufgelegten Frontmann fiel erst gegen Ende des Konzerts ein, dass er ja auch mal in Saarbrücken gewohnt hat – Dibbelabbes sei sogar seine Lieblingsspeise gewesen.

Ein im Publikum anwesender Besitzer eines Schallplattenladens erzählte dies: Sadler sei ein paar Mal an seinem Geschäft vorbeigelaufen und habe sich das Schaufenster betrachtet. Doch sei er leider nie reingekommen. Jedenfalls zeigte der Sänger sich jetzt in stimmlich wirklich guter Form. Er gehört wohl zu jenen, denen Reife gut tut. Auch noch fingerfertig wie früher präsentierte sich Ian Crichton. Die schnellen Staccato-Läufe auf der Gitarre, häufig parallel mitgespielt vom Keyboard, gehören zu Sagas Markenzeichen wie auch die eher sterilen Synthesizer-Sounds der Achtziger. Tastenmann Jim Gilmour, der auch mal den Gesang übernahm, offenbarte an zwei, drei Stellen minimale rhythmische Schwankungen, was aber nicht weiter ins Gewicht fiel.

Witzig war die Idee, ein altes Live-Video der Band relativ synchron zum aktuellen Live-Geschehen einzuspielen: Da spielten auf der Leinwand die junge Saga-Truppe – und unten auf der Bühne stand die optisch doch stark veränderte Formation. Fast alle großen Hits waren zu hören: „On the loose“, „Humble stance“ und das schon erwähnte „Wind him up“. Gut, die Band hätte noch „The Flyer“ spielen können. Aber insgesamt machten Saga einen frischen und vitalen Eindruck und stellten ihre Fans mehr als zufrieden.