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Saarlandmuseum zeigt Schätze italienischer Malerei aus Lindenau-Museum

Botticelli & Co. : Alles Gold, was glänzt

Die Alte Sammlung des Saarlandmuseums zeigt Schätze italienischer Malerei aus dem Lindenau-Museum in Altenburg.

Für Roland Mönig ist die neue Ausstellung „...Lorenzetti, Perugino, Botticelli…“ im Saarlandmuseum ein „großes Geschenk“. Tatsächlich ist die Schau mit italienischer Malerei des Spätmittelalters und der Renaissance ein Glücksfall.

Das Lindenau-Museum in Altenburg und das Saarlandmuseum arbeiten schon länger eng zusammen. Seit Anfang des Jahres ist das thüringische Museum nun wegen Sanierungsmaßnahmen geschlossen und das Saarlandmuseum durfte sich aus der reichen Sammlung italienischer Meister nahezu uneingeschränkt bedienen. Nur wenige Stücke waren aus konservatorischer Sicht tabu, denn die empfindlichen Werke sind mit Temperafarben auf dünnes Pappelholz gemalt.

Bis heute ist das Museum in Altenburg ein Geheimtipp. Gründer und Mäzen der Sammlung war der sächsische Minister und Kunstliebhaber Bernhard August von Lindenau (1779 bis 1854). Neben Malerei sammelte Lindenau antike Keramik, Abgüsse antiker Statuen und Bücher. Seine Bedeutung schöpft das Haus in Thüringen aber aus seiner herausragenden Sammlung von 180 Tafelbildern italienischer Malerei des Spätmittelalters und der Renaissance. Sie ist für Mönig „in dieser Dichte nördlich der Alpen einzigartig“.

In der Alten Sammlung des Saarlandmuseums ist eine Schau mit 60 Werken entstanden, die mehr Gold zu vereinen scheint, als das Depot der Deutschen Bundesbank. Wohin man auch schaut, glänzt es golden. Mit einem kleinen Kniff haben die Kuratoren Stefan Heinlein und Thomas Martin das Funkeln noch verstärkt. Die Bilder hängen an violetten Wänden und werden im Halbdunkel sanft angestrahlt. Wunderbar kommen so auch die Temperafarben zur Geltung, deren Rot und Blau zu leuchten scheint.

In Altenburg werden die Werke eher konservativ nach Malerschulen gezeigt, wie dies auch Lindenau vorgesehen hatte. Eine solche Sammlungspräsentation wird allerdings schnell langweilig. Umso interessanter ist die Hängung in thematischen Abschnitten im Saarlandmuseum. So lässt sich die bahnbrechende Entwicklung der Malerei vom Übergang des späten Mittelalters in die frühe Neuzeit nachvollziehen.

Im 14. und frühen 15. Jahrhundert herrschte der Goldgrund als abstraktes Symbol der überirdischen Sphäre vor. Heiligendarstellungen, Madonnenbilder und Passionsszenen waren wesentliche Bildinhalte. Mit der aufkommenden Renaissance wandelt sich dann aber das Bild. Es tauchen erste Hintergründe auf, anfangs noch flächig, dann ermöglicht die Perspektive Raum und Tiefe, und die Landschaften im Hintergrund gewinnen an Detailreichtum. Körper werden plastischer, die statischen Figurenensembles werden in Bewegung und Dynamik aufgelöst. Die Gemälde sind keine Heiligendarstellungen mehr, sondern erzählen Geschichten.

Neben diesen neuen künstlerischen Ideen veränderte aber auch das Selbstverständnis des Menschen die Malerei. Die ausschließlich religiösen Themen verloren in der Renaissance an Bedeutung und die Darstellung des Menschen als Gottes Schöpfung wurde immer wichtiger.

Versammelt sind in der Ausstellung allerlei Preziosen von großen Namen wie Sandro Botticelli, Filippo Lippi, Pietro Perugino und Luca Signorelli. Beim Spaziergang durch die Ausstellung kann man sich kaum sattsehen. Schon eines der ersten Gemälde ist ein Höhepunkt. Da sitzt in Fra Angelicos „Feuerprobe des Heiligen Franziskus beim Sultan“ der osmanische Herrscher auf seinem Thron und verfolgt Franziskus‘ Angebot zum Gang durch das Feuer als Glaubensbeweis. Es dürfte eine der ersten westlichen Darstellungen eines Sultans sein. Einen Schatz stellt auch die kleine dreiteilige Altartafel für den Hausgebrauch von Bernardo Daddi dar. Sie zeigt am Rahmen noch Reste spätgotischer Ornamentik.

Wunderbar auch die beiden Tafeln im zweiten Saal aus dem Hochaltar der Florentiner Kirche Santissima Annunziata von Perugino mit Darstellungen des Franziskus von Siena und Margarethe von Antiochia. Eigens für diese beiden Bilder musste ein Klimaschrank gebaut werden, wie Museumsleiter Mönig betont.

Im dritten Saal schließlich darf Botticelli groß auftrumpfen mit seiner „Madonna mit Kind und Engeln“ und dem „Bildnis einer Dame“. Den Raum überstrahlt aber Domenico Beccafumis „Heilige Familie mit Johannes dem Täufer“, das auch den Abschluss der Ausstellung bildet. Das Kunstwerk gehört bereits zum Manierismus, dessen Vertreter sich von den Meistern der Renaissance absetzen wollten. Das Rundbild sitzt in einem goldenen Prachtrahmen aus dem 16. Jahrhundert. Ein würdiger Ausklang also für eine Ausstellung zum „goldenen“ Zeitalter italienischer Malerei.

Mit „Bildnis einer Dame“ malte Sandro Botticelli im Jahr 1475 einen Klassiker. Foto: Lindenau-Museum Altenburg/Foto: Lindenau-Museum Altenburg
Von der Sienesischen Schule stammt dieser „Christus am Kreuz“ (um 1370 bis 1380). Foto: Foto: Lindenau-Museum Altenburg
Luca Signorelli, der als Hauptmeister der Florentinischen Schule auch Aufträge von Lorenzo de’ Medici erhielt, und vermutlich sein Schüler Girolamo Genga schufen um 1507 diese „Geißelung Christi“. Foto: Luca Signorelli und vermutlich Girolamo Genga, Geißelung Christi, um 1507, Lindenau- Museum Altenburg

Die Ausstellung „...Lorenzetti, Perugino, Botticelli... Italienische Meister aus dem Lindenau-Museum Altenburg“ beginnt am heutigen Freitagabend um 19 Uhr und ist bis 15. November in der Alten Sammlung des Saarlandmuseums in Saarbrücken zu sehen. Zur Schau erscheint ein Katalog zum Preis von 19 Euro.