Saarlandmuseum zeigt ab 20. September Werke von Rodin und Bruce Nauman.

Neue Schau im Saarlandmuseum : Zwei radikale Künstler für Saarbrücken

Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums rüstet sich für ein Großprojekt: Sie konfrontiert Werke von Auguste Rodin mit denen von Bruce Nauman. Am 20. September ist Eröffnung.

Der aggressiv gellende Ruf des Kahlköpfigen von 1992 hallt noch in den Ohren, dieses „Feed me, help me, eat me“ der Video-Installation „Anthro/Socio“ von Bruce Nauman auf der documenta IX, durch die der Amerikaner schlagartig auch in Deutschland bekannter wurde. Roland Mönig hat sich damals in Kassel wie alle die Ohren zugehalten. Heute holt er den Helden der Konzept- und Performance-Szene Bruce Nauman in sein Haus, in die Moderne Galerie.

Als pragmatisch-relaxed beschreibt Mönig die Zusammenarbeit mit dem 77-Jährigen beziehungsweise mit dessen Studio, denn zu direkten Kontakten kam es bisher nicht. Vor dreieinhalb Jahren schrieb Mönig den ersten Brief, an die Düsseldorfer Galerie Konrad Fischer, die Nauman vertritt, unterbreitete seine Ausstellungsidee und bekam das Okay. Anfang 2019 wollte Nauman dann das Raumkonzept für die Saarbrücker Ausstellung sehen. „Er hatte keinerlei Korrekturen“, sagt Mönig. Was wohl gar nicht so selbstverständlich ist, muss sich Nauman die rund 1000 Quadratmeter in der Modernen Galerie doch mit einem anderen Giganten der Kunstgeschichte teilen, mit Auguste Rodin (1840-1917). Diese beiden Radikalen und Impulsgeber für ein neues Kunstverständnis lässt Mönig erstmals weltweit in einem Projekt aufeinander treffen. 2016 hatte die Frankfurter Schirn eine ähnliche Gegenüberstellungs-Idee, sie packte Giacometti und Nauman zusammen. Den – fraglos intelligenten – Saarbrücker Ansatz freilich hielt die Kulturstiftung der Länder wie auch die des Bundes für so markant und innovativ, dass sie den Löwenanteil am Gesamtetat von 500 000 Euro übernahmen.

Rodin/Nauman, für Mönig lag diese Paarung auf der Hand. Denn beide Künstler machen die Körperlichkeit menschlicher Existenz zum zentralen Thema, Rodin noch als klassischer, wenn auch die Konventionen sprengender Bildhauer, Nauman mit Mitteln der Aktionskunst und der Body Art. „Beide konfrontieren uns mit verstörender Härte mit der Conditio humana“, sagt Mönig. Aus seiner Sicht gibt es kaum Künstler, die so eng beieinander liegen, obwohl sie historisch so weit voneinander entfernt sind. Genau das will er als Kurator zeigen, in zwei Trakten der Modernen Galerie, in gemischten, offenen Räumen für beide Künstler soll sich ein möglichst dynamisches Erkenntnis- und Dialogfeld entwickeln. Im Mittelpunkt stehen thematische Parallelitäten und Leitmotive, etwa das Schreiten und die Hände, die krasse Anti-Ästhetik,die die beiden pflegten, ihr Verzicht auf Perfektion, die Betonung des Eigenwertes des Fragmentarischen. Rodin steht in der Kunstgeschichte für die Aufwertung des Torsos, für das Unvollendete, er schälte viele Skulpturen nur unvollständig aus dem Steinblock heraus. Zudem vertrat er als einer der ersten die Auffassung, die Idee sei, unabhängig von der Ausführung, ein Wert an sich. 1865 reichte er eine Büste ohne Hinterkopf am Pariser Salon ein (Der Mann mit der gebrochenen Nase). Naumans Werk wiederum umkreist das Thema Dekonstruktion und transportiert diese Grundhaltung ins Heute.

Trotzdem fragt Mönig in der Ausstellung nicht nach Ursache und Wirkung, nicht danach „wie hat Rodin Nauman beeinflusst? Welches Motiv übernimmt er von ihm? Sondern eher, wie verändern beide unsere Sicht auf die Welt?“ 140 Exponate werden versammelt, Skulpturen, Fotografien, Installationen, Zeichnungen, Neon- und Videoarbeiten. Hauptleihgeber ist mit 70 Werken das Musée Rodin in Paris. Die Basis bilden eigene Rodin-Bestände.

Das Saarlandmuseum startet nach Meinung seines Chefs Mönig mit Projekten wie „Rodin/Nauman“ in eine „neue Internationalität“ und vereine einmal mehr die beiden Profil gebenden Sammlungs-Schwerpunkte klassische Moderne und zeitgenössische Kunst. Man wolle zukünftig noch offensiver Richtung französisches Publikum agieren. „Wir wollen Angebote machen, die auf beiden Seiten der Grenze funktionieren“, sagt Mönig. Dem Namen Rodin traut er da eine ganze Menge PR-Kraft zu. Und Nauman liefert elektrisierende Kunst, so steht es in nicht wenigen Rezensionen. Der Künstler selbst schätzt es, wenn die Kunst die Menschen „kalt erwischt, wie ein Schlag ins Genick“. Rodin hätte es kaum anders ausgedrückt.

Ein Model von Auguste Rodins berühmter Denker-Skulptur (1880). Foto: Foto: Musée Rodin – Christian Baraja

Eröffnung in der Modernen Galerie: 20. September, 19 Uhr. Läuft bis 26. Januar 2020, geöffnet Di-So 10 bis 18 Uhr, Mi bis 20 Uhr.

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