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Saarlandmuseum feiert ab 12. April den Arte Povera-Künstler Giuseppe Penone

Ausstellungsvorschau : Das freigelegte Gesicht der Bäume

Kommenden Freitag eröffnet das Saarlandmuseum eine Ausstellung mit Werken des Arte-Povera-Künstlers Giuseppe Penone. Erste Einblicke in eine Schau, die sich als Zeitreise in die Natur lesen lässt und das Prozesshafte künstlerischer Arbeit offenlegt.

Als Giuseppe Penones „Idee di Pietra“, der einen gewaltigen Granitfindling tragende Bronzeabguss eines Haselnussbaumes, 2012 nach dem Finale der letzten Documenta 13 in Kassel aus der Karlsaue wieder verschwinden sollte, formierte sich dort eine Bürgerinitiative zu ihrem Erhalt. Mit Erfolg. Die längst in „Penone-Baum“ umgetaufte Natur­skulptur blieb. Wenn das mal kein Omen ist. Und so kommt Roland Mönig, künstlerischer Vorstand des Saarlandmuseums, im Schönecker-Café irgendwann denn auch darauf zu sprechen.

Mönig weiß, dass das künstlerische Werk Penones, das nicht von ungefähr der Arte Povera zugeschrieben wird, auch wenn es zugleich darüber hinausweist, seinen Betrachtern viel Einfühlungsvermögen und Ab­straktionskraft abverlangt. Gleichen Penones Arbeiten doch philosophischen Manifestationen, die existenzielle Fragen aufwerfen. Zugleich sind dies Werke, die in ihrer Tragweite erst wirklich zu begreifen und zu würdigen sind, wenn man zugleich ihren Herstellungsprozess mitbedenkt. Im Erweiterungsbau des Saarlandmuseums, als Vierter Pavillon hierzulande allen ein Begriff, wird Mönig kommenden Freitag im Beisein des italienischen Künstlers – Träger des Premium Imperiale, eine Art Nobelpreis der Bildenden Kunst, und vierfacher Documenta-Teilnehmer – eine Penone-Ausstellung eröffnen. Verteilt auf zwei Räume, wird sie Einblick in dessen reiches Werk geben. Und nach dem Auftakt mit Pae White aufs Neue Zeugnis davon ablegen, welches Potenzial der Vierte Pavillon als Herberge großformatiger Kunst besitzt.

Eine erste Stippvisite zeigt: 20 bis zu neun Meter lange Edeltannenbalken – jeder bis zu 400 Kilo schwer – hängen von der 14 Meter hohen Decke herunter. Aus jedem der industriell zugeschnittenen Balken hat Penone ein Stück des verborgenen Astwerks freigelegt und so den darin schlummernden Baum reanimiert. Die Individualität jedes Baums, seine Wachstumsrichtung und Kontur, wird von Penone (72) nicht etwa moduliert und damit imaginiert, vielmehr zeichnet er exakt ihren tatsächlichen Wuchs nach. Mönig spricht denn auch von einer „archäologischen Rekonstruktion“. Fürwahr. In Penones Arbeit mit dem treffenden Titel „Den Wald zurückholen“ materialisiert sich so auf bestechende Weise das Vergehen von Zeit.

Mit zwei Tiefladern wurden die riesigen Balken aus Penones Turiner Atelier nach Saarbrücken angeliefert und dann mit zwei Scherenbühnen 14 Meter hoch unter das Dach gehievt, wo sie an mehreren Traversen verankert wurden und nun in unterschiedlicher Tiefe in den Ausstellungsraum hineinragen. Blickt man Richtung Fenster, erblickt man davor einen Haufen Buchsbaumlaub, in dem sich Penones Körperabdruck abzeichnet. Seitlich der Mulde des Kopfes findet sich eine keulenförmige zweite Vertiefung, die der Atem des im Laubbett Liegenden schuf. Das Aufsichtspersonal wird alle Hände voll zu tun haben, um nicht nur diese Arbeit zu schützen. Auch die filigranen Bronzeäste daneben, Abgüsse von Astformen und jede für sich eine hinreißende Holz-Mimikry, könnten leicht zu Stolperfallen werden – zumal einem diese zweiten Naturen durchaus leicht den Kopf verdrehen.

Inmitten all dieser alchimistischen Penone-Verwandlungen stehend, wirkt Mönig elektrisiert. Penone habe seit langem auf seiner „Shortlist“ gestanden, sagt er. Ihn nun hier zeigen zu dürfen, empfinde er „als eine große Auszeichnung für unser Haus“.

Ausstellungseröffnung am kommenden Freitag (19 Uhr) im Saarlandmuseum.