Nächste Saarlandmeisterschaft unklar Saarlands bester Poetry Slammer ist süchtig nach Applaus

Saarbrücken · Poetry Slam ist ja nicht nur Kunst, sondern auch Wettbewerb. Bei einer Veranstaltung treten verschiedene Poeten, auch Slammer genannt, mit siebenminütigen Textvorträgen gegeneinander an, das Publikum entscheidet dann über den Sieger.

 Den 25-jährigen Johannes Warnke hat das Bühnenfieber während seiner Ausbildung zum Erzieher gepackt.

Den 25-jährigen Johannes Warnke hat das Bühnenfieber während seiner Ausbildung zum Erzieher gepackt.

Foto: Foto: Sebastian Dingler

Und wo hierzulande ein sportlicher Wettkampf ist, da gibt es auch eine Saarlandmeisterschaft. Aktueller Saarlandmeister im Poetry Slam ist Johannes Warnke aus St. Wendel.

Dieses Jahr hätte eigentlich die nächste Saarlandmeisterschaft stattfinden sollen — das steht jetzt natürlich in den Sternen, ob es dazu kommt. Jedenfalls wird dann der 25-Jährige die Moderation übernehmen: „Als Slam-Master darf man mit dem Meister nach Berlin zur deutschen Meisterschaft fahren, da freue ich mich drauf.“

In der Bundeshauptstadt hatte Warnke einst das Saarland vertreten. „Dort habe ich viele meiner Idole getroffen, Patrick Salmen, Philipp Herold, Friedrich Hermann oder Jule Weber.“ Bei letzterer hatte der Saarländer auch schon einen Workshop gemacht. „Das war richtig toll, die mal wiederzusehen. Ich sagte zu ihr: ‚Hey, ich bin jetzt hier, voll cool‘ — und sie so: ‚Krass! Wer bist du?‘.“

Im Gespräch ist Warnke ein witziger Typ mit viel Selbstironie. Seine Texte seien aber eher ernsthaft, meint er. Themen seien Optimismus, Reiselust oder einfach das Gefühl, bei einem Slam auf der Bühne zu stehen. Zu dieser Kunstform gekommen war Warnke über seine Ausbildung als Erzieher. „Wir haben in diesem Rahmen einen Slam besucht, da dachte ich, das kann ich auch“, erklärt er lapidar. Vor etwas mehr als vier Jahren sei das gewesen. Dann meldete er sich bei dem schon erwähnten Workshop bei Jule Weber an. Zum ersten Mal auf die Bühne traute Warnke sich in Mannheim, das Datum weiß er heute noch. „Das war am 31. Januar 2016, bei einem Newcomer-Slam.“ Er ging damals nämlich als Gewinner von der Bühne. „Das hat mich angefixt, mich süchtig gemacht. Der Applaus war eine physische Luftdruckwelle, die mir da entgegenballerte — unvergleichlich!“

Danach ging die Slammer-Karriere los mit Auftritten unter anderem in Frankfurt, Stuttgart und Heidelberg. Was ihm aber noch fehlt, ist ein gutes Video von einem seiner Auftritte – „das hat noch zu kommen“, meint er. In vergangener Zeit war Warnke damit beschäftigt, selbst Poetry Slams auf die Beine zu stellen. Er ist mit anderen in der Saarbrücker Vereinigung Dichterdschungel organisiert (daraus soll bald ein Verein werden), die regelmäßig Slams im Kino Camera Zwo veranstaltet.

Den bislang letzten Slam moderierte er zusammen mit der wohl einzigen saarländischen Profi-Slammerin und Warnkes Vorgängerin als Saarlandmeister, Andrea Maria Fahrenkampf. „Andrea hat mich hier großgemacht, dafür bin ich ihr dankbar“, sagt Warnke. In seiner Heimatstadt St. Wendel hat er jüngst auch einen Slam zuwege gebracht. Außerdem will der Saarlandmeister Workshops in Poetry Slam anbieten. Fürs Saarland sieht er gute Chancen: „Das Getreide ist da, man muss es nur noch ernten. Wir ziehen uns den Nachwuchs ran und stopfen das Saarland mit Slammern zu, die dann qualitativ so hochwertig werden, dass…“ Den Satz bringt er nicht zu Ende – aber warum soll Slam-technisch nicht gelingen, was fußballerisch möglich ist? Und letztlich hieß es in beiden Fällen vor der Corona-Krise: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

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