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Saarbücker Theater Überzwerg trotz Corona mit Premieren, Wanderbühne und mobilen Stücken

Saisonstart mit „Das Tagebuch der Anne Frank“ : „Das Publikum ist dankbar“

Das Saarbrücker Theater Überzwerg will der Corona-Krise mit vier Premieren, einer Wanderbühne und mobilen Stücken trotzen.

Dreigleisig wollen Leiter Bob Ziegenbalg und sein Team vom Theater Überzwerg die Herausforderungen meistern, vor welche die Gesundheitskrise auch die darstellende Kunst stellt. Mit einer Mischung aus Spielbetrieb im eigenen Haus am Saarbrücker Kästnerplatz, mobilem Theater in Kitas und Schulen und Wandertheater – am liebsten in allen Landkreisen – will das Theater die Saison 2020/21 bestreiten. Auf dem Spielplan stehen neben drei Premieren und einer Uraufführung auch 13 Wiederaufnahmen. Natürlich corona-konform: rein praktisch unter strenger Wahrung der Abstands- und Hygieneregeln und einer extra umgerüsteten Klimaanlage, die nur mit Frischluft arbeitet; künstlerisch mit der Konzentration auf Ein- oder Zweipersonenstücke in den ersten Monaten.

Allerdings passen in den Saal des Theaters, abgesehen von Schulvorstellungen unter der Woche, bei denen Kinder und Jugendliche einer Jahrgangsstufe näher beieinander sitzen dürfen, derzeit maximal 28 Personen. Für Rentabilität zu wenig. Um sein Publikum besser zu erreichen, will das Team zwischen November und Januar als Wandertheater durch das Saarland ziehen. „Unsere Idee gestaltet sich aufgrund bürokratischer Hürden aber schwieriger als wir dachten“, sagt Ziegenbalg. Größte Hürde: Gemeinden können Säle und Hallen nicht gratis überlassen, das Theater hat keine Mittel für Mieten. Eine Möglichkeit wäre, die Aufführungen als Kooperationen zu organisieren. „Mit unserem Klassiker ,Ox & Esel’ wollen wir den Leuten wenigstens ein Weihnachtsmärchen bringen, denn sonst wird nicht viel stattfinden“, sagt Ziegenbalg. Bisher konnte man in den Gemeinden Illingen und Bous Partner finden, Gespräche mit anderen Gemeinden laufen. Je nach Erfolg bei der Suche nach alternativen Spielstätten werden die Vorstellungstermine sukzessive bekanntgegeben. „Die Gemeinden hätten die Möglichkeit, die Bühne abends für andere Künstler zu öffnen, das Publikum ist für Live-Acts dankbar“, sagt Ziegenbalg, auch mit Blick auf das eigene Sommertheater, bei dem man viel Erfahrung mit Hygienekonzepten gesammelt hat. Und zwar positive: „Das Publikum hat sich bei uns sicher gefühlt.“

Eingeläutet wird die Saison mit der ersten Premiere, „Das Tagebuch der Anne Frank“, am 18. September im Schlosstheater Ottweiler. Das berühmteste Tagebuch der Welt und tiefbewegende Zeugnis des jüdischen Mädchens, das sich während des Zweiten Weltkriegs mit seiner Familie in einem Hinterhof verstecken muss und Alltagssorgen und Liebeskummer dem Papier anvertraut, wird als Lesetheater für Zuschauer ab der Klassenstufe acht umgesetzt. Mit „Klein“, das ab dem 1. November gespielt wird, gibt es ein Ein-Personen-Stück nach dem gleichnamigen preisgekrönten, schwedischen Kinderbuch. „Es ist ein Mutmacher für Kinder, sich Rat und Hilfe zu holen“, fasst Ziegenbalg das Stück zusammen. „Klein“ ist für Kinder ab vier Jahren und erlebt am Theater Überzwerg seine Uraufführung.

Ebenfalls neu auf dem Spielplan ist das Stück „Shut up“, das von drei vermeintlichen Problemkindern erzählt – Becky, Damien und François ecken sowohl in ihrer Schule als auch in ihren Familien an, aber sie haben sich und ihre Freundschaft. Die Premiere des Stückes, das auf einem preisgekrönten Kinderbuch der belgischen Autoren Jan Sobrie und Raven Ruëll basiert, soll im Frühjahr 2021 stattfinden.

Hat die Mehrheit recht, oder vertraut man den eigenen Augen? Wenn im Frühsommer „Des Kaisers neue Kleider“ nach dem Märchen von Hans Christian Andersen aufgeführt wird, ist ein Stück nachgeholt, das aufgrund seiner Besetzung mit fünf Personen dem Ausbruch der Pandemie weichen musste. Noch ohne Termin sind im Programm mehrere Stücke, die auf die Bühne kommen sollen, wenn die Darsteller wieder im Theater beziehungsweise in einem normalen Spielbetrieb auftreten können. Dann kann sich das Publikum auf „Die Werkstatt der Schmetterlinge“, „Die Zertrennlichen“ oder „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ freuen.

Dann sind vielleicht auch die Einnahmeverluste der Covid-19-Phase weniger präsent. „Mit einer Auslastung von 83 Prozent waren wir bis zum 13. März auf einem sehr guten Weg“, bilanziert Geschäftsführer Christoph Dewes den Beginn der Pandemie. Angesichts eines vorher kalkulierten Einspielergebnisses von 115 000 Euro rechnet er bis Jahresende mit einem Einnahmeverlust von 50 000 bis 60 000 Euro. Der Gesamtetat liegt bei einer Million, 840 000 Euro kommen als Zuschuss vom Land. Angesichts der Ausfälle heißt es sparen. „Wir sparen in den Sachkosten, und sind gut im Wirtschaften“, zeigt sich Dewes zuversichtlich.

Die Premiere von „Das Tagebuch der Anne Frank“ läutet am kommenden Freitag, 18. September, mit einer Schulvorstellung die neue Saison ein.
Für die Vorstellung am Samstag,
26. September
, 19.30 Uhr im Theater Überzwerg gibt es freien Kartenverkauf, kontaktlos unter Tel. (06 81) 9 58 28 30 oder über das Online-Formular unter
www.ueberzwerg.de