Saarbrücker Dichter und Uni-Professor Klaus Martens wird 75

Literatur : „Machmal gelingt mir ein Gedicht“

Der Saarbrücker Lyriker, Übersetzer, Essayist und Amerikanist Klaus Martens wird am Samstag 75 – und feiert das auch mit einem neuen Gedichtband.

Klar ist diese Handschrift. Schnörkellos, so sagt man wohl. Auf- und Abstriche stets mit einem Ziel, jede Linie will Bedeutung sein und nicht Zierrat. Ja, es ist ein Gewinn, nicht nur lesen zu können, was Klaus Martens schreibt, sondern auch sehen zu können, wie er es schreibt.

Morgen, zum 75. Geburtstag des Saarbrücker Autors, Übersetzers, Essayisten und Amerikanisten, wird sein Verleger Traian Pop aus Ludwigsburg auch einen auf schwerem „Caribic sandbraunen“ Papier geradezu kostbar fabrizierten neuen Band mitbringen: „Stachelbeergärten“. Der versammelt rund 40 Gedichte: Jedes fein säuberlich gedruckt, aber jedes auch als Faksimile in Martens’ Handschrift. Zudem 24 „Nachschriften“, diese allerdings ausschließlich im normalen Druck.

Seit seiner Emeritierung, von 1990 bis 2019 lehrte der gebürtige Niedersachse Nordamerikanische Literatur und Kultur in Saarbrücken, war zudem Gründer und Leiter des Zentrums für kanadische und angloamerikanische Kulturen an der Saar-Uni, ist das Dichten so etwas wie sein Tagwerk geworden. Seit 2010 erschien jedes Jahr mindestens ein Buch. „Drei bis vier Gedichte“, gibt PEN-Mitglied Martens via Internet Einblick in sein Tun, entstünden pro Tag. Was ahnen lässt, dass er für „Stachelbeergärten“ aus beachtlicher Fülle auswählen konnte. Wobei man bei diesem Titel eben nicht an das Naheliegendste, an Naturlyrik, denken sollte.

Martens’ neuer Band reiht, fast einem Tagebuch gleich, unterschiedlichste Eindrücke, Themen, Situationen, das, was das Leben an den Dichter (noch) heranträgt. Kaum überraschend aber für einen Menschen im achten Lebensjahrzehnt, herrschen Vergehen, das Bilanzieren wie die Lebenszweifel, das Abschied nehmen und zuletzt auch der Tod vor. Dem Nachbarn, mit dem man hin und wieder plauderte, der plötzlich aber nicht mehr ist, sind Zeilen zugedacht. Aber auch einer verloschenen Liebe ruft er ein „Angedenken“ nach. Selbst im Schreiben fühlt sich das Dichter-Ich gelegentlich, als sei’s dem Ende nah: „Du sieht es wieder ein: Es ist alles gesagt...“ heißt es in „Alles gesagt“. Und: „Sie brauchen dich nicht,/ sie sagen, was sie wollen,/ auf ihre verwechselbare Weise,/ wie du, der du längst heiser bist.“ Ein Dichter vor dem Verstummen? Taugt das Schreiben nicht mehr als Überlebensmittel?

Nein, das ist dann wohl doch nicht zu befürchten. Denn, mal leise, mal lauter, fast schon parodistisch, mischen sich in die Resignation auch Ironie, Schärfe, Witz, entlarvt Martens genaue Beobachtung wie auch die kühne Formulierung, die alltägliche Abstumpfung im Denken wie im Sagen. „Sonne und Mond nehmen ab/ abends, morgens –/ die Sehkraft nimmt ab, das Hörvermögen/ Die Kraft in Arm und Nein verebbt, selbst das Gesicht schrumpft...“ fokussiert Martens in „Abnehmende Seele“ vielleicht ja sein eigenes Spiegelbild. Um aber zwei Strophen weiter zu fragen: „hat sie abgenommen, deine Seele? „Nein, tot bist du noch nicht–“ lautet die trotzige Replik.

Am besten seien Gedichte, die schnell in einem Wurf entstünden, nicht professoral klängen, sagt Martens, der Herr Professor. Nicht, weil sich der umfassend Gelehrte seiner Gelehrsamkeit genierte. Aber Martens drängt sich damit nicht auf, man spürt sie, genießt beglückt, wie er mit seinen Worten, die keinerlei Form einzwängt, die eher von Musik durchpulst werden, Rhythmus tragen, den Horizont des Lesers weiten. Martens, der auch Werke von großen Dichterkollegen wie Elizabeth Bishop und Literaturnobelpreisträger Derek Walcott übersetzte (den Martens übrigens auch schon an die Saarbrücker Uni holte), ist eben ein Meister des en passant, des weisen Nebenbei, der bescheidenen Klugheit. Bisweilen wundert man sich allerdings, welche Sprachpirouetten manche Rezensenten angesichts seiner Gedichte schon drehten, um mit Wortnebeln seiner Klarheit beizukommen. Dabei dichtet Klaus Martens doch so, wie er mit der Hand schreibt, so einfach schön. Oder wie sagt er es in „Mehr nicht“: „Manchmal gelingt mir ein Gedicht – mehr nicht“. Aber gerade das ist doch schon unglaublich!

Prof. Klaus  Martens: Dichter, Essayist, Übersetzer, Amerikanist und noch vieles mehr. Foto: Klaus Martens

Klaus Martens: „Stachelbeergärten“, Gedichte, POP-Verlag, 105 Seiten. Die Exemplare, von 1 bis 75 nummeriert, sind vom Autor signiert, 49,50 Euro. 

Mehr von Saarbrücker Zeitung