Saar-Staatstheater integriert "Fridays for Future" in dem Stück "Hoffnung".

Neues Stück am Saarländischen Staatstheater : „Unsere Leidenschaft wird die Welt verändern!“

Das Staatstheater holt die „Fridays for Future“-Bewegung ins Rampenlicht und integriert junge saarländische Aktivisten in das Stück „Hoffnung“, das am 7. September Premiere in der Alten Feuerwache hat. Ein Probenbesuch.

Es wird ungemütlich in der Alten Feuerwache in Saarbrücken. Denn dort ist nun auch die „Fridays for Future“-Bewegung eingezogen. In dem preisgekrönten Stück „Hoffnung“ des Belgiers Stijn Devillé treten zehn saarländische Aktivisten und Aktivistinnen als mahnender Chor auf, zusammen mit acht Schauspielern. Die jungen Leute spielen sich quasi selbst – und sie haben einiges zu sagen, denn sie sind wütend.

„Die Interessen der Bürger müssen über den Interessen der Lobbyisten stehen!“ fordern sie im Chor – noch etwas holprig – bei der Probe zu dem Stück. Viermal hintereinander wiederholen sie diesen Satz. „Wir sind die Zukunft, wir sind die Revolution!“ zischen sie. „Unsere Leidenschaft wird die Politik und die Welt verändern!“ geht es weiter. Und da ist sie, die Hoffnung, dass es die Menschheit doch noch schafft, den Klimawandel aufzuhalten und den Konsumwahnsinn zu beenden.

„Hoffnung“ hat am Samstag, 7. September, Premiere. Das Stück ist der letzte Teil von Devillés Trilogie „Habgier, Angst und Hoffnung“, die im Jahr 2008 mit der globalen Finanzkrise beginnt, deren katastrophale Auswirkungen in den Jahren danach beschreibt und schließlich mit „Hoffnung“ endet. Letzteres schrieb Devillé im Jahr 2015 – und platzierte die Handlung ins Jahr 2018 in eine Stadt in Mitteleuropa in einem sehr heißen Sommer. Wie treffend. Dort streikt die Müllabfuhr seit Monaten. „Entscheidungsträger“ aus Wirtschaft und Politik kämpfen nicht nur mit der Hitze durch den offensichtlichen Klimawandel, sondern mit einem drohenden Zusammenbruch der Stromversorgung und bröckelnden sozialen Strukturen. Es geht um Macht, Korruption und die Unfähigkeit des Establishments, endlich etwas grundlegend zu verändern. Kommt Ihnen bekannt vor? Nun ja, es ist die Realität. Und so  geht es hier um nichts weniger als um die Rettung der Erde.

Fridays-for-Future-Aktivisten nach der Probe in der Feuerwache: v.l. Giulia Schubert, Paul Blickle, SZ-Redakteurin Esther Brenner, Simon Ohl, Lea Ehrmann, Livingsten Amalanathan,Emilie Wahl und David Tran. Foto: Monika Liegmann

2018 entstand die „Fridays for Future“-Bewegung. 2019 ist sie fest etabliert – und wird in Saarbrücken zum Teil des Stückes in seiner deutschen Fassung, einer Erstaufführung, wie die Dramaturgin Corinna Popp erläutert. Nicht nur das: Die Umwelt-Aktivisten haben die Texte, die sie sprechen mitverfasst. Authentischer geht es nicht. Und es wird unbequem fürs Publikum.

„Müsst ihr eigentlich so viel Fleisch fressen?“ fragen die jungen Leute provokativ. „Warum zerstört ihr unsere Zukunft?“ wollen sie wissen und zeichnen ein bedrohliches Bild globaler Umweltzerstörung. „Baller mal Apokalypse rein, Susanne“, bittet Regisseur Krzysztof seine Assistentin, die daraufhin per Laptop die passende Töne einspielt. „Spielt das mit Haltung, aber bleibt cool“, weist er das Aktivisten-Ensemble an. „Noch apokalyptischer!“, fordert er. Und in der Tat, es wird einem schon bei der Probe mulmig, denn das hier ist Theater mit der Realismus-Keule. Man kann es gar nicht missverstehen.

„Wir haben erstmal Ideen gesammelt und ein Brainstorming gemacht“, erzählt Paul Blickle, einer der zehn Aktivisten. „Es ist toll, dass wir hier unsere Energie von der Straße auf die Bühne bringen können“, findet Lea Ehrmann, die in ihrer Heimatstadt „Fridays for Future“-Demos mitorganisiert. Alle der 14- bis 18-Jährigen sind aktiv in der Bewegung, zum Teil gehören sie den Organisations-Teams an. „Hier können wir dem Publikum unsere Meinung sagen, ohne dass es weglaufen kann. Es ist uns ja ausgeliefert“, freut sich Simon Ohl. Quasi nebenbei wird so der ganz reale Protest in Theaterform gegossen – und eine Neufassung geschaffen. Wenn Autor Stijn Devillé am Samstag nächster Woche zur Premiere nach Saarbrücken kommt, wird er also eine weiterentwickelte Fassung seines Stückes mit neuem Schluss erleben.

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