Saar-DJane Lea Lindner legt am Samstag erstmals bei Electro Magnetic auf

Electro Magnetic : „Techno ist für mich Entspannung“

Von der Uni direkt ans Mischpult: Am Samstag wird aus Jura-Studentin Lea Schreiner DJane Lea Lindner. Am Samstag legt die 26-Jährige erstmals vor großem Publikum bei Electro Magnetic in Völklingen auf.

Jura und Techno: Geht nicht zusammen? Geht. Elegantes schwarzes Kleid und Sneakers – geht auch nicht? Doch, geht auch. Und Frauen hinterm Mischpult? Erst recht. Das alles kriegt Lea mehr als nur gut hin. Sie nennt sich selbst Lea Lindner. Dabei heißt sie eigentlich Schreiner. Warum dann Lindner? „Bleibt ein Geheimnis“, sagt sie.

Lea kommt aus Urexweiler. Geboren ist sie in Neunkirchen, eine Saarländerin also. Ab und zu hört man das auch – ganz zart. Die Jura-Studentin wird am Samstag, um 17 Uhr, bei Electro Magnetic im Weltkulturerbe Völklinger Hütte zum ersten Mal auf großer Bühne auflegen. Vor bis zu 10 000 Leuten, bei einem der größten Electro-Festivals im Südwesten. Für Newcomer wie Lea eine echte Chance. „Für mich kam das alles sehr überraschend.“ Erst im Mai hatte sie sich als DJane, „just for fun“, wie sie sagt, für den Auftritt in Völklingen beworben und wurde prompt von der Jury des saarländischen Poprats unter rund 40 anderen ausgewählt, um bei der achten Auflage des Festivals neben nationalen und internationalen Größen aufzulegen. „Dass ich dann von der Jury ausgewählt wurde war unfassbar. Ich war selbst einfach so geflasht.“

Trotzdem sieht sie ihrem ersten großen Auftritt entspannt entgegen. Sagt sie. Die plötzliche Aufmerksamkeit scheint sie aber doch unter Druck zu setzen. Bedacht antwortet sie auf Fragen zu sich selbst oder zu Themen wie Umweltschutz und Alkohol, korrigiert sich: „Das müsst ihr aber nicht so schreiben.“ Bisher war die 26-Jährige nicht auf Facebook oder Instagram vertreten. Privat schon, aber nicht als DJane. Die meisten ihrer Freunde wussten nicht mal, dass sie überhaupt selbst Musik macht, auch nichts von der Ausschreibung beim Poprat. Umso begeisterter sind sie jetzt, dass sie jetzt, statt wie sonst als begeisterte Zuschauerin, selbst bei Electro Magnetic in Völklingen auflegen wird. Normalerweise studiert Lea Jura. In Münster. Von einer Freundin hat sie sich für Münster begeistern lassen. Auch von der dortigen Techno-Szene.

Zu Techno hat sie übrigens ihre Mutter gebracht. „Wart’ mal ab, irgendwann…“, hat sie Lea früher prophezeit, während sie im Autoradio der Tochter ihren Musikgeschmack näher brachte. Ihre Mutter sollte Recht behalten. Vor etwa einem Jahr fing Lea an, selbst Techno zu machen. Heute hat sie das fest in ihren Alltag integriert, „ist das nicht mehr wegzudenken“. Für Lea ist ihr neues Hobby fast zur Sucht geworden. Auch wenn das Jura-Studium viel Zeit in Anspruch nehme, „ist die Anlage jeden Abend an, wenn auch nur 15 Minuten“. Und jetzt steht sie nach nicht mal einem Jahr auf der Bühne bei Electro Magnetic in der Völklinger Hütte.

Dass die Szene von Männern dominiert ist, stört sie kein bisschen. Zu ihren Vorbildern zählt sie sowohl weibliche als auch männliche Techno-Künstler. Was Lea als DJane besonders macht? Schwer zu sagen. „Ich brauche einfach die Musik. Sie ist ein ganz großer und wichtiger Aspekt in meinem Leben.“ Klingt wenig überraschend. Doch sie lasse sich eben ganz und gar auf Techno ein: „Hauptsache, ich habe oben auf der Bühne Spaß und die Leute unten im Publikum auch.“ Vielleicht genau das richtige Rezept. Aber auch als Ausgleich zum stressigen Jura-Studium braucht sie einfach Musik: „Techno ist für mich Entspannung, einfach genau mein Element.“

Das Mixen der Tracks hat Lea sich selbst beigebracht. „Videos und Bedienungsanleitungen der Geräte haben mir da auch geholfen.“ Früher hat sie auch Gesangsunterricht genommen und Klavier gespielt. Das gefällt ihr zwar immer noch, aber „bei Techno bin ich einfach hängengeblieben.“

Zur dritten Auflage des Electro Magnetic Festivals, verwandeln am Samstag (19.07.2014) tausende Partyfans , das Weltkulturerbe V“lklinger H¸tte in eine riesige Tanzflache. Auf vier unterschiedlichen Floors, wird bis in die fr¸hen Morgenstunden gefeiert. Foto: Becker&Bredel. Foto: BeckerBredel

Trotz Techno, ihr Studium ist ihr sehr wichtig. Das Künstler-Dasein sei eben immer etwas ungewiss, meint sie. Abschließen will sie ihr Jura-Studium darum unbedingt. Welche Rolle Techno für sie künftig spielt, weiß Lea Schreiner alias Lindner noch nicht. „Ich lasse das alles auf mich zukommen.“

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