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Saar-Autorin schreibt Liebesgeschichte über Zeit des deutsch-französischen Kriegs

Geschichte der Region : In Krieg, Liebe und Literatur ist alles erlaubt

Herz, Schmerz und viel Historie: Diese Zutaten melangiert Maria W. Peter aus Schiffweiler in ihren Büchern, in denen Literatur und Leidenschaft heftig miteinander ringen. Jetzt hat sich die Bestseller-Autorin den Deutsch-Französischen Krieg vor 150 Jahren vorgenommen – auch eine Art Heimatroman.

Passgenauer kann frau ja kaum dichten. Zudem war alles bereits so fein arrangiert: Zum Auftakt des (ursprünglich für dieser Tage geplanten) Gedenkreigens anlässlich des Deutsch-Französischen Krieges vor 150 Jahren sollte Maria W. Peter aus ihrem druckfrischen Werk lesen. Hier, an historischem Ort, an der Grenze, wo auf den Spicherer Höhen am 6. August 1870, zu Beginn des Krieges, preußische und französische Truppen gleich furchtbar aufeinander rasselten. Darüber (und noch einiges mehr) hat die saarländische Autorin nämlich ein 600-Seiten-Opus verfasst.

„Eine Liebe zwischen den Fronten“ heißt es. Was auch, in Leib, Leiden und Lieben des preußischen Militärarztes Paul von Gerlau und der Tochter aus bestem Metzer Hause, Madeleine Tellier, schon die Fixpunkte ihres Schreibens markiert – eben zwischen ganz großem Gefühl und großer Geschichte. Ob sie nun „nur“ bis zu Preußens Gräuel und Gloria zurückmarschiert (ihr voriger Roman, „Die Festung am Rhein“, hatte das Bollwerk Ehrenbreitstein anno 1822 zum Schauplatz) oder die Zeit sogar 2000 Jahre bis zu den alten Römern zurückdreht: Peters Spezialität liegt in der Emotionalisierung von Historischem. Was viele bloß noch als trockenen Schulstoff rekapitulieren können, wandelt die Autorin, die Geschichte und Sprachen in Saarbrücken und Metz studiert hat, zum schillernden Theater ihrer historischen Liebes- und Kriminalromanen. „Geschichte erlebbar machen“, nennt sie das selbst – fast schon zu bescheiden. Jedenfalls hat sie sich damit beim Lübbe-Verlag und in den Bestsellerlisten etabliert.

Nicht aber genug damit. Peter blickt, was bei vielen Saarländern, Lothringern und Elsässern in den Genen liegt, auch auf eine immer wieder durch Kriege erschütterte deutsch-französische Familiengeschichte zurück. Ein Grenzlandkind eben. Bei ihr freilich mit einem äußerst prominenten Ahnen: Maréchal Ney, Napoléons Feldherrn aus Saarlouis. Eigentlich hatte sie da gar keine andere Wahl, meint sie lachend, als sich für Geschichte zu interessieren.

Kein Wunder, dass Maria W. Peter dieser Buch-Premiere besonders entgegen fieberte. Doch dann kam der dicke Corona-Strich durch die Rechnung. Alle Lesungen und Veranstaltungen sind vorerst abgesagt, bedauert sie. Nun muss sie nicht nicht nur das Feedback ihres Publikums entbehren, auch ihren Lesern entgeht der Bonus zum Buch. Sonst liest Peter, die mit ihrer Familie in Schiffweiler und Bonn (des Berufes ihres Mannes wegen) lebt, gern assistiert von Darstellern im Kostüm, zur Musik der jeweiligen Zeit, in der ihre Geschichten spielen, auch mal mit Essen nach alten Rezepten. Ihr alle Sinne umfassender Ansatz, „Geschichte an die Menschen zu bringen“, erläutert sie.

Dabei treibt sie auch die Lust, vieles von dem, was sie bei ihren Recherchen aufstöbert, weiterzugeben, „Wissen auf unterhaltsame Weise zu teilen“. Bei ihrem aktuellen Buch gehören dazu auch die „Turcos“, algerische und tunesische Soldaten, die für Frankreich in den Krieg zogen, gleichwohl sie in ihrer Heimat von den Franzosen blutig niedergehalten wurden, sie also sozusagen für ihre Feinde kämpfen mussten. Peter hat diese unrühmlichen Kolonialgeschichte in den beiden starken Figuren des Soldaten Karim und seiner Schwester Djamila, Hausmädchen bei den Telliers in Metz, personalisiert.

Nicht weniger, ergänzt Peter, habe sie die Rolle der Frauen damals interessiert. Zu Friedenszeiten steckten sie eingeschnürt im Korsett, tatsächlich wie gesellschaftlich, sollten sich als Anhängsel der Männer fügen. Doch der Krieg befreite auch. In Lazaretten versorgten Frauen Verwundete, nahmen das Überleben in die Hand. Sie brachten Soldaten Wasser und Essen – wie die berühmte Katharine Weißgerber. Die „Heilige“ der Spicherer Schlacht, hat denn auch in Maria W. Peters Roman einen Auftritt. Auch Madeleine nutzt diese Spielräume, die ihr die Männer-Gesellschaft des 19. Jahrhunderts sonst kaum ließe und wirkt als Romanfigur wie eine moderne Frau. Ahistorisch modern vielleicht? „So wie sie agiert, fällt sie nicht aus dem Rahmen ihrer Zeit“, entgegnet die Autorin, „Katharine Weißgerber war kein Einzelfall, es gab durchaus etliche Frauen wie sie“.

Schon lange bevor sie sich an dieses Buch machte, erzählt Peter, klang ihr immer wieder ein Satz ihrer Großmutter aus Kindertagen im Ohr: „’70 war’s schlimmer“. Das sagte die Oma, wenn’s mal dicke kam. Als Teenager fragte sich Peter: „Was war 1970 denn so schlimm, außer dass die Beatles auseinander gingen?“ Bis ihr irgendwann aufging, dass sich da sprichwörtlich über Generationen ein kollektives Trauma verfestigt hatte. Auch das war ihr Ansporn, auf ihre Art dieser „Keimzelle“ für die Jahrzehnte der deutsch-französischen Auseinandersetzungen, auch der beiden Weltkriege, auf den Grund gehen.

 Noch bewusster sei ihr das während ihrer Studienzeit in Metz geworden. Nach dem Krieg 1870/71 hatten hier die Deutschen das Sagen, manifestierten ihre Ansprüche auch mit Bauten wie dem Bahnhof. Metz ist darum ein Hauptschauplatz ihres Romans mit seiner wechselvollen Geschichte und der Frage nach der Identität der Menschen hierzulande.

Irritieren mag bei diesem Überbau freilich das Cover des Romans, das so ganz auf Herzschmerz zu schielen scheint; „Historischer Roman“ steht auch arg klein geschrieben darauf. Zumal Peter – der Arzt-Roman lässt grüßen – ja auch noch einen Mediziner zur Hauptfigur erkoren hat. Das sieht dann schon sehr nach Schwarz-weiß-Schablone aus, zumal die Liebe am Ende alle Gräben überwindet.

Maria W. Peter aber kontert das Klischee mit reichlich erzählerischem Atem und Geschick im Arrangement der belegten Geschichte und ihrer fiktionalen Mitspieler. Da darf ihr fescher Stabsarzt auch mal den völlenden Bismarck vom garstigen Leibesdruck kurieren. Und zum anderen wussten ja bereits die großen Russen: Eine Liebe, die zwischen die Fronten gerät, lässt besonders tief mitleiden. Weltgeschichte in trauter Zweisamkeit mit der Romanze: Das müsse ja nicht gleich nach Hautgout riechen, meint Maria W. Peter. Und im Übrigen zähle sie neben Jedermännern und -frauen auch Professorinnen und Doktores zu ihrem Lesepublikum. Also doch: Mit viel Gefühl erreicht frau/man eben (fast) jeden.

Die saarländische Autorin Maria W. Peter Foto: Maria W. Peter/Olivier Favre
Buchcover "Eine Liebe zwischen den Fronten" Foto: Lübbe-Verlag/Lübbe-verlag

Maria W. Peter: Eine Liebe zwischen den Fronten. Lübbe Verlag, 619 Seiten, 12,90 Euro.