Rund 11 000 Besucher kamen zu den neuen Musikfestspielen Saar

Klassik-Festival : Musikfestspiele Saar: „Fast alle Konzerte waren ausverkauft“

Rund 11 000 Besucher kamen zum Klassik-Festival. Das neue Leitungsteam zeigt sich hoch zufrieden. 2020 folgt eine kleinere Ausgabe.

Zwei Drittel des Leitungstrios gingen erstmal malade in die Knie, als die Musikfestspiele vorige Woche endeten – und der Adrenalin-Pegel fiel. Kaum überraschend, haben Bernhard Leonardy, Eva Karolina Behr und Karin Maria Piening doch mit einem Miniteam ein beeindruckendes Festival gestemmt, waren neben all dem Organisatorischen auch noch als Stühleranschlepper, Conférencier, Programmheftverteilerin und Musikfestspielfördervereinwerberin im Rundumdauereinsatz. Weil aber das Bilanzziehen ja vielleicht die Genesung beflügelt, zumal wenn das Resümee so ausfällt, hier erstmal eine Zahl:  „Rund 11 000 Zuschauer waren es bei den Musikfestspielen insgesamt“, freut sich Behr. Knapp 90 Prozent Auslastung bedeutet das bei jedem der 21 Termine im Schnitt. „Viele Konzerte waren ausverkauft, das ist mehr als wir uns erwartet hatten“, sagt Behr, beim Festival für die Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. In den meisten Theatern und Konzertsälen würden angesichts solcher Ergebnisse die Champagnerkorken knallen.

Selbstverständlich aber war das keineswegs. Schließlich startete die „New Generation“ der Musikfestspiele – gezwungenermaßen schon – mit deutlich  schlankerem Programm. Statt wie zu Zeiten des Festivalgründers Robert Leonardy, wo die Etats in vielen Jahren locker über einer Million Euro lagen, mussten Leonardy junior, Behr und Piening auch wegen der drastisch eingedampften Finanzhilfe des Landes mit bloß einer halben Million Euro alles in allem kalkulieren.

Nicht ohne Folgen: So fehlten im Festival dieses Mal die großen Sinfonieorchester. Stattdessen gaben sich Jugend-Ensembles hier die Geigenbögen in die Hand. Mancher Musikfestspielveteran im Publikum maulte da schon hinter vorgehaltener Hand: „Also, das ist nicht mehr mein Festival.“ Aber auch (teure) Klassik-Topstars blieben eher die Ausnahme wie etwa beim freilich glänzenden Abend mit der Academy of St. Martin in the Fields und den Geigenkönnern Julia Fischer und Augustin Hadelich im Theater am Ring in Saarlouis.

Die Zahlen sprechen freilich ihre eine eigene Sprache. Demnach ist es offenbar auch mit anderen, jungen Formaten, der Mixtur aus Musikgenuss und Gaumenfreuden zum Beispiel, geglückt, Publikum nicht nur zu halten, sondern wohl auch neues zu gewinnen. Chapeau dafür!

Dennoch sehen die Festivalmacher auch selbst Nachbesserungsbedarf. „Es ist noch Luft nach oben“, meint Behr, „Einiges gilt es noch weiter zu professionalisieren“. Etwa das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit. Künstlerisch jedoch, darauf legt sie wert,  habe man geliefert. „Mit mehr Geld könnte man sicher auch beim Programm zulegen“, sagt Behr. Problematisch sei jedoch gewesen, dass in puncto Personal „alles auf Kante genäht war“. Die kleine Frau- und Mannschaft agierte meist jenseits der Belastungsgrenze. „Wir brauchen einfach mehr Leute, eigentlich auch feste Stellen“, sagt Behr, die als Musiklehrerin wie die anderen im Leitungsteam noch einen Beruf hat, mit dem sie ihr Geld verdient. Eine Etat-Aufstockung für das Festival allerdings ist nicht in Sicht.

Das hindert das Trio aber nicht daran, die Fortsetzung anzupacken, besser, schon fast unter Dach und Fach zu haben. „Das Programm für 2020 ist bereits weitgehend fertig“, verkündet Behr. Spätestens im Dezember will man es präsentieren. Nächstes Jahr wird es dann – wie schon angekündigt – eine kleinere Ausgabe sein. Wohl Mitte bis Ende Mai mit rund einem Dutzend Konzerten, bevor dann 2021 wieder ein großes Festivaljahr wird. 2020 geht dann neben den Musikfestspielen Saar im Oktober auch das neue, von Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) angestoßene Festival an den Start (wir berichteten). Konkurrenz? Eva Karolina Behr nimmt’s gelassen: „Wir haben unsere Festspiele im Mai, die im Oktober, ich denke nicht, dass wir uns Publikum wegnehmen werden“. Dazu deute beim neuen Festival mit der Jazzerin Nicole Johänntgen im Leitungsgespann ja Einiges auch auf eine völlig andere Musikfarbe. So sind die Musikfestspiele Saar also putzmunter – und ihre Macher hoffentlich bald wieder auch.

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