Rockband The Sweet begeisterte treue Fans in der Saarbrücker Garage.

Sweet in der Garage : Harter Rocker mit blonder Perücke

Ein Konzert für Glamrock-Nostalgiker: The Sweet begeisterte treue Fans in der Saarbrücker Garage.

Es gibt mittlerweile einige „überalterte“ Rockbands, die nur noch ein Originalmitglied in ihren Reihen haben. Zuletzt konnte man dieses Phänomen beim Doppelkonzert von Slade und Nazareth in Theley bestaunen, am Dienstagabend erlebte man es in der Saarbrücker Garage bei The Sweet, die in den 70ern dem so genannten Glamrock zugerechnet wurden und Slade Konkurrenz machten. Heute allerdings teilen sich Slade und The Sweet kurioserweise sogar den Schlagzeuger: Bruce Bisland. Er war somit innerhalb von zwei Wochen gleich zweimal im Saarland.

In die Garage waren etwa 500 Zuschauer gekommen, um Andy Scott, das letzte Originalmitglied von Sweet, und seine verjüngte Truppe zu erleben. Keyboarder/Gitarrist Tony O’Hara etwa wurde erst kurz vor der Band-Gründung geboren. Peter Lincoln wiederum, der als Bassist und Leadsänger das Konzert stark prägte, wird The Sweet nach der Tour verlassen, das teilte Scott den Fans mit. Ersetzt wird er durch Paul Manzi, der schon des Öfteren kurzfristig bei der Band eingesprungen war.

Was soll’s, die originale Stimme von The Sweet war ohnehin Brian Connolly, der aufgrund seines ausschweifenden Lebenswandels aber schon 1997 das Zeitliche segnete. An dessen exzentrische Frisur soll wohl die blonde Perücke von Andy Scott erinnern, die der Gitarrist seit einigen Jahren bei Auftritten trägt. In der Garage war es schön mitzuerleben, wie das fast ausschließlich aus Mittfünfzigern bestehende Publikum lauthals die Lieder seiner Jugend mitsang. Das ging von „Six Teens“ und „Wig-Wam Bam“ über „Co-Co“ bis zu „Poppa Joe“. Für den aktuelleren Song „Defender“ – seichter Radio-Rock aus dem jahr 2015 – gab es dagegen nur höflichen Applaus. Toll dagegen das Akustik-Set, bei dem der mehrstimmige Gesang von Scott, O’Hara und Lincoln überzeugte. Da klangen die harten Rocker fast ein bisschen wie Crosby, Stills & Nash.

Bruce Bisland durfte dann mit einem Schlagzeugsolo die Menge zum Johlen bringen, ehe Scott ankündigte, den nächsten Song Connolly und dem ebenfalls schon verstorbenen Ex-Drummer Mick Tucker zu widmen: „Love Is Like Oxygen“ war einer der größten Sweet-Hits. Sofort wurden die Smartphones von den Fans in den Filmmodus gebracht. Seit einigen Jahren streckt die Band den bekannten  Song mit der Aaron-Copland-Komposition „Fanfare for the Common Man  – etwa zeitgleich mit „Love Is Like Oxygen“ hatten Emerson, Lake & Palmer einen großen Hit mit dem Stück. Für Nichtsahnende kam das sehr überraschend, hatten doch beide Bands eher wenig gemeinsam. Möglicherweise will sich Scott damit von der anderen Sweet-Version des ehemaligen Bassisten Steve Priest absetzen, die den Hit bei ihren Konzerten unverändert spielt.

Ja, tatsächlich, The Sweet gehört zu den Formationen, die es doppelt gibt, ähnlich wie Barclay James Harvest oder Yes. Ein Originalmitglied reicht ja schließlich. Die Andy-Scott-Version überzeugte die Fans in der Garage jedenfalls. Vehemente Zugaberufe wurden am Ende mit einem weiteren Hit der Band belohnt: „Ballroom Blitz“ stand 1973 auf Platz eins der deutschen Hitparade.

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