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Robert Capa dokumentierte 1934 das Saargebiet, die Ludwig Galerie in Saarlouis arbeitet die Fotografiegeschichte auf

Ein Kriegsfotograf im Saargebiet : Stimmung der Saarländer vor „Heim ins Reich“

Der legendäre Fotograf Robert Capa dokumentierte 1934 ein paar Tage die Situation im Saargebiet. Die Ludwig Galerie in Saarlouis arbeitet dieses vergessene Kapitel Fotografiegeschichte nun mit einer neuen Ausstellung auf.

Am 6. Juni 1944 landeten US-Truppen an dem Strand in der Normandie, den sie bald „Omaha Beach“ nannten und von dem der Sturm auf das nationalsozialistisch besetzte Europa begann. Unter den 150 000 Soldaten versteckte sich der Fotograf Robert Capa im Kugelhagel zwischen den Leichen und drückte insgesamt elf Mal auf den Auslöser der Kamera. Ein sehr gefährliches Unterfangen, das sich im Stil seiner Fotografien spiegelt. In Schwarzweiß, grobkörnig und von verwischten Bewegungen gezeichnet, sind sie fast schon künstlerische Auseinandersetzung mit dem Inferno.

Die Ludwig Galerie in Saarlouis zeigt nun 99 Fotos dieses legendären Kriegsfotografen des 20. Jahrhunderts. Capa, 1913 in Ungarn als Endre Ernö Friedmann geboren, musste wegen politischer Betätigung 1931 fliehen und ging erst nach Deutschland, wo er Journalistik studierte und beim „Deutschen Photodienst“ jobbte. Dann zog er nach Paris, siedelte 1939 in die Vereinigten Staaten über und gründete dort 1947 mit Kollegen die Fotoagentur „Magnum Photos“.

Seine Arbeit als Pressefotograf begann aber 1932, als ihn der Berliner Welt-Spiegel nach Kopenhagen schickte, um Leo Trotzki zu fotografieren. In Paris arbeitete er für die französische Wochenzeitschrift „VU“. Dieser Zeit ist in der Ausstellung ein besonderes Kapitel gewidmet, denn für VU war Capa in der letzten Septemberwoche 1934 ein paar Tage im Saarland und fotografierte hier Land und Leute. Gemeinsam mit dem Journalisten Gorta sollte er die Begleitumstände zur Volksabstimmung über die Wiedereingliederung des Saargebiets in das Deutsche Reich aufzeichnen. Kurz vor der Abstimmung am 13. Januar 1935 war die Situation angespannt.

Unter dem Titel „Die Saar. Achtung Hochspannung“ berichten Capa und Gorta am 7. November 1934 über die Situation vor Ort. Zwei Wochen später erschien der zweite Teil unter dem Titel „Die Saar. Was die Saarländer sagen… und für wen sie stimmen“. Beide Artikel leben von Capas Bildern, der wichtige Protagonisten für und gegen den Anschluss an das Reich dokumentiert, aber auch die Arbeit und das Leben an der Saar. Perspektive und Komposition der Fotos sind so konzipiert, dass sie ein perfektes Bild von der harten Arbeit in der Montanindustrie vermitteln und die Arbeiter fast schon überhöhen.

Die Ausstellung gliedert sich in 13 Kapitel und beleuchtet das gesamte Schaffen des Fotografen von seinen Anfängen im November 1932 bis wenige Minuten vor seinem Tod durch eine Landmine in Vietnam 1954. Capa dokumentierte den Spanischen Bürgerkrieg, den chinesischen Aufstand gegen Japan, den Zweiten Weltkrieg in Frankreich, Italien und Deutschland, die Nachkriegszeit in Osteuropa, die Gründungszeit Israels und den beginnenden Vietnamkrieg und hinterlässt so viele eindrückliche Zeitzeugnisse.

Capa zeigte selten direkte Kampfhandlungen, sondern meist Randerscheinungen des Krieges. Heroische Schlachtenbilder sind seine Sache nicht. Er lichtete verwundete und sterbende Soldaten ab, Gefangene, aber auch die leidende Zivilbevölkerung. Seine Fotos sind viel mehr bildliche Darstellung von Emotionen als reine Dokumentation der Schrecken des Krieges. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch. Fotos schoss Capa oft aus der Entfernung und wählte später Detailausschnitte, welche die Porträtierten ganz dicht an den Betrachter heranzogen.

Die Ausstellung wurde von Magnum Fotos Paris konzipiert und für Saarlouis angepasst. Museumsleiterin Claudia Wiotte-Franz hat dem Kapitel zur Berichterstattung über das Saargebiet breiten Raum eingeräumt und dies wunderbar illustriert. Eigens für die Ausstellung wurden einige Negative aus den Archiven von Magnum neu auf Fotopapier gebracht. Aber auch viele zu Ikonen der Moderne gewordenen Fotografien sind versammelt.

  Sein Auftrag kam aus Paris: Kurz vor der Saarabstimmung sollte Capa die Tendenzen im Land einfangen.
Sein Auftrag kam aus Paris: Kurz vor der Saarabstimmung sollte Capa die Tendenzen im Land einfangen. Foto: ©Robert Capa © International C/Robert Capa © International Cen

„Das Werk von Robert Capa und sein Wirken an der Saar“ in der Ludwig Galerie Saarlouis ist bis zum 29. November zu sehen. Geöffnet dienstags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr. Details zu Führungen unter ludwig-galerie.saarlouis.de