Saar-Musikhochschule „Die Musikhochschule ist jetzt einfach dran“

Saarbrücken · Acht Jahre lang führte Prof. Wolfgang Mayer die Saarbrücker Musikhochschule. Er hat neue Studiengänge eingeführt und hart für den Teilneubau der HfM gerungen. Doch für den muss nun sein Nachfolger streiten.

 Fürs eigene Klavierspiel hat Professor Wolfgang Mayer jetzt wieder mehr Zeit. Acht Jahre lang war er Rektor der Saarbrücker Musikhochschule.

Fürs eigene Klavierspiel hat Professor Wolfgang Mayer jetzt wieder mehr Zeit. Acht Jahre lang war er Rektor der Saarbrücker Musikhochschule.

Foto: Hochschule für Musik des Saarlandes/Kai Westensee

Ein Lehrbuch will er jetzt zu Papier bringen, über den „Groove“, kündigt Prof. Wolfgang Mayer an. Sein schon lang geplantes Wenn-ich-mal-als-Rektor-im-Ruhestand-bin-Projekt ist das. Von heute an hat er Zeit dafür. Wieder. Davor stand im Terminkalender meist: Hochschule für Musik Saar (HfM). Acht Jahre und zwei Amtszeiten lang. Nun ist der 64-Jährige nicht mehr Rektor der Saarbrücker Musiker-Schmiede. Jörg Nonnweiler heißt der Neue, der sich schon ein Dutzend Jahre als Prorektor „warm laufen“ durfte. „Er hat trotzdem kandidiert“, kommentiert Mayer dies lachend. Und ist sicher, dass der Übergang glückt – „nahtlos“.

Doch break, zurück zum Groove. Das kann im Jazz, den der Pianist und Schulmusiker Mayer so liebt und lange im Trio, im Quartett, in Radio, TV und auf vielen Bühnen spielte, sowas wie das prägende Rhythmus-Element sein. Und wer den Groove hat, reißt mit – mit seiner Musik. Mayers Groove als erster Mann der HfM war – nach außen zumindest – meist ein lässiger Swing. Dazu ein freundliches, bisweilen ja auch mokantes Lächeln. Das Lächeln eines Menschen, der wissend darüber steht. Kein Selbstdarsteller wie manch’ anderer auf solchem Posten. Der Pfarrerssohn aus Speyer kämpfte für seine Musikhochschule lieber außerhalb des Medienfokus, er wollte Entscheider mit Argumenten überzeugen. „Dass es dafür aber einen so langen Atem braucht, hätte ich nicht gedacht“, bilanziert Mayer.

Nur zu gerne hätte er seinem Nachfolger Jörg Nonnweiler die Musikhochschule bereits rundum erneuert, genauer mit einem Teil-Neubau, übergeben. Denn am Hauptsitz in der Saarbrücker Bismarckstraße blättert nicht bloß die Außenfarbe. „Die Technik ist am Ende“, moniert Mayer klipp und klar, die Klimaanlage nur noch Schrott. Was kein Befindlichkeitsproblem an wärmeren Tagen meint, sondern Notwendigkeit. In dem Institut gibt es viele teure Instrumente, Flügel etwa für Zehntausende Euro, die Klimakapriolen partout nicht vertragen. Dazu kommen die Brandschutzauflagen.

Schon unter Mayers Vorgänger Thomas Duis war Sanierung und Neubau deshalb ein drängendes Thema. Immer aber war der Politik anderes wichtiger. Das Gezerre um den Anbau der Modernen Galerie bremste das HfM-Vorhaben überdies massiv. „Die Musikhochschule ist aber jetzt einfach dran“, fordert Mayer. Und hofft, dass das Go noch dieses Jahr kommt – für einen Teilneubau, der mit 2000 bis 3000 Quadratmetern Fläche rund 25 Millionen Euro kosten könnte. Drei Standorte sind im Rennen; welcher es sein soll, dieser Entscheidung will Mayer nicht vorgreifen. Doch „die Signale aus der Landespolitik“ seien „positiv“.

Diese Investition wird natürlich ein Brocken für das Saarland sein. Aber sie wäre sicher kein Luxus, macht der nun ehemalige Rektor klar. Unter den zwei Dutzend Musikhochschulen in Deutschland ist Saarbrücken mit 480 Studierenden zwar eine der kleinsten, aber in puncto „Inhalt und Konzept sind wir absolut konkurrenzfähig“, betont Mayer. Außerdem habe die HfM exzellente Kräfte, um mit Cellist Gustav Rivinius und Fagottist Guilhaume Santana nur mal zwei Lehrende von Rang zu nennen. „Alleine mit unseren Dozenten könnte man schon ein Top-Festival machen“, so der Ex-Rektor. Zudem habe man in den vergangenen Jahren systematisch neue Studiengänge aufgebaut, 14 an der Zahl, um bestmöglich auszubilden.

Zwei Drittel der aktuell 480 Studierenden sind übrigens Deutsche, 110 kommen aus dem Saarland. Aber auch junge Musikerinnen und Musiker aus Südkorea, Frankreich und China absolvieren hier ihre Ausbildung. Was fraglos die Attraktivität des Angebots unterstreicht. Doch wehe, wenn man auf Gebäude und Ausstattung sieht. Heute, wo Bilder via soziale Netzwerke blitzschnell um die Welt wandern, meint Mayer, macht der wenig attraktive Zustand der HfM gewiss keine Reklame für den Musikstandort, „darum hat diese Investition jetzt Priorität“.

Doch mit der Covid-19-Pandemie dürfte auch vieles gewiss Geglaubtes wieder auf der Kippe stehen. Wird sich das Saarland nach der Nothilfe für die Wirtschaft noch solche Investitionen leisten können? Mayer hofft es. Weil „Menschen Musik genauso brauchen wie Esssen und Trinken“, sagt er. Dazu sei die Katalysatorwirkung der HfM für das Kulturleben des Landes ja so immens wie unbestritten. „Unsere Studierenden sind in den Orchestern, Musikschulen, Musikvereinen, Chören des Landes“, zählt er auf. Mehr Breitenwirkung geht wohl kaum.

Die nun wegen Corona verwaiste Musikhochschule ist da in gewisser Weise auch ein Mahnmal für das, was derzeit so schmerzlich fehlt. Keine Konzerte, keine Auftritte, kein musikalisches Erlebnis in Gemeinschaft. Sonst brummt der Bau bis in die Nacht, wenn die Studenten üben. Jetzt gibt es nur noch einen Notbetrieb der Verwaltung. Und viele der jungen Musiker haben Mühe, ihr Pensum zu schaffen. „Wer kann schon zuhause so viele Stunden üben?“, meint Mayer, „das geht schon wegen des Lärmschutzes nicht.“ Ohnehin dürfte das kommende Semester eher ein Notsemester werden. „All das greift ja auch in die Lebensplanung vieler Studierender tief ein, das ist für viele eine Katastrophe“, so der bisherige Rektor, der selbst 20 Jahre freischaffender Musiker war. Die Saarbrücker Musikhochschule wird sich aber auch diesen, neuen Zukunftsfragen stellen. Ein bisschen von Mayers „Groove“ kann dabei sicher nicht schaden.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort