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Regisseurin Hanna Fischer zu Gast bei der Filmwerkstatt des Saarländischen Filmbüros

Saarbrücker Filmwerkstatt mit Regisseurin Hanna Fischer : Filmischer Blick auf das Leben an sich

Die Filmwerkstatt des Saarländischen Filmbüros findet erstmals online statt: Zu Gast ist die Saarbrücker Regisseurin Hanna Fischer, die am Donnerstag eine Premiere mitbringt.

Ihre erste Film-Diskussion ist das nun nicht – aber die erste per Videokonferenz: Am Donnerstag ist die Regisseurin Hanna Fischer zu Gast in der Filmwerkstatt des Saarländischen Filmbüros, das damit ebenfalls eine Premiere erlebt, fanden die Werkstatt-Diskussionen bisher doch im Kino Achteinhalb statt. Nun aber läuft das coronahalber anders: Am Donnerstag kann man sich ab 9 Uhr morgens bis 21 Uhr zwei Filme Fischers anschauen: „Der Rest ist Glückssache“ und „Hänsel, Gretel und Kirill“; um 21 Uhr beginnt dann das Gespräch mit ihr für alle Interessierten.

Fischer, 1985 in Saarlouis geboren, ging dort zum Robert-Schuman-Gymnasium („sehr geradlinig und langweilig“) und studierte in Saarbrücken historisch orientierte Kulturwissenschaften – „weil ich nicht genau wusste, wo ich beruflich hinwollte und man sich unter 20 geisteswissenschaftlichen Fächern etwas auswählen konnte“. Diese Vielfalt spiegele „ja irgendwie auch den Beruf des Filmemachers wider, weil man sich immer wieder mit neuen Themen beschäftigen kann“.  Im Laufe des Studiums kristallisierte sich mehr und mehr das Interesse am Dokumentarfilm und an längeren Reportagen heraus. Viele Praktika absolvierte sie währenddessen, „in der ganzen Kulturszene“, am Staatstheater etwa, beim Filmfestival Max Ophüls Preis und beim SR. Als sie in Köln bei einer Produktionsfirma arbeitete, bewarb sie sich an der Filmakademie Baden-Württemberg und wurde 2014 dort angenommen – zur eigenen großen Überraschung, „weil die Klassengröße bei diesem Studium sehr klein ist – sechs Plätze pro Jahrgang“. So klein die Klassen, so groß der Praxisbezug. „Die Dozenten kommen aus Redaktionen und helfen auch nach dem Studium, es ist ein großes Netzwerk – eine gute Eintrittskarte ins Berufsleben.“

 Ein Motiv aus „Der Rest ist Glückssache“: Der 94-Jährige zieht in ein Pflegeheim und verkauft das Haus, in dem er 60 Jahre lang gelebt hat.
Ein Motiv aus „Der Rest ist Glückssache“: Der 94-Jährige zieht in ein Pflegeheim und verkauft das Haus, in dem er 60 Jahre lang gelebt hat. Foto: Hanna Fischer

Während des Studiums, das sie 2017 abschloss, entstand die bei der Filmwerkstatt laufende halbstündige Doku „Der Rest ist Glückssache“ (zusammen mit Fischers damaliger Kommilitonin Julia Knopp) über das Alter. Ein berührender Film, der mal tröstlich, mal traurig ist. Für beide Filmemacherinnen war das Thema Alter wegen Ereignissen in den eigenen Familien  „nicht positiv besetzt“, sagt Fischer. Der sehr behutsame, dabei unsentimentale Film zeigt unter anderem ein alterndes Ehepaar und einen 94-jährigen Witwer, der das Haus, in dem er 60 Jahre lang lebte, verkauft und in ein Pflegeheim zieht. Dort betet er jeden Abend, so erzählt er, dass er nicht mehr lange lebt, denn er sei ja „unnütz“. Der Film kommt seinen Personen sehr nahe. Deren Vertrauen zu den Filmemacherinnen kam, schätzt Fischer, „durch unser ehrliches Interesse, unser persönliches Anliegen“.

Der zweite Film am Donnerstag ist eine Premiere – noch dazu eine mit sehr ungewöhnlicher Produktionsgeschichte: Nach dem Studium sollte Fischer für den SWR die Entstehung der Bühnenproduktion von „Hänsel und Gretel“ des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov an der Stuttgarter Oper filmisch begleiten – ein Stummfilmdreh von Serebrennikov in Ruanda inklusive. Das war schon chaotisch genug, sagt Fischer, doch dann  wurde der regimekritische Russe im August 2017 in Moskau verhaftet, wegen angeblicher Veruntreuung von Theatergeldern (2020 wurde er zu einer Geldzahlung und Haft auf Bewährung verurteilt). Somit stand die Stuttgarter Oper mit einer unfertigen Inszenierung da – und Fischer mit einem Film, der ganz anders wurde als gedacht: Aus einer Doku, die einen künstlerischen Prozess beobachten sollte, wurde eine „darüber, wie das Theater Stuttgart damit umgeht, dass man den Regisseur während der Produktion verhaftet hat. Dadurch wurde der Film politisch – nicht aus der Perspektive Serebrennikovs heraus, sondern aus der des Theaters. Die Oper hat die Aufführung fragmentarisch gelassen und in gewissem  Sinne unfertig.“  Der entstandene Film  „Der Fall Serebrennikov – Wie die Stuttgarter Oper mit ‚Hänsel und Gretel‘ für die Freiheit der Kunst kämpft“ lief 2017 im SWR. Bei der Filmwerkstatt läuft allerdings ein anderer Film – nämlich jener, den Fischer ursprünglich machen wollte, später fertigstellte und nun erstmals zeigt: das chronologische Begleiten der Produktion mit Fokus auf die Zeit in Ruanda.

 Der russische Theater-Regisseur Kirill Serebrennikov bei der Arbeit in Ruanda, die Hanna Fischer begleitet hat.
Der russische Theater-Regisseur Kirill Serebrennikov bei der Arbeit in Ruanda, die Hanna Fischer begleitet hat. Foto: Hanna Fischer

Fischer ist vor einem halben Jahr während ihrer Elternzeit zurück ins Saarland gezogen, nach Saarbrücken. „Ich beginne jetzt meine Selbstständigkeit im Saarland – so gesehen ist die Filmwerkstatt ein sehr schöner Anfang“. Hat sie Ideen, womit sie sich jetzt filmisch beschäftigen will? „Ideen schon, aber noch keine konkreten Pläne.“ 

 Das Plakat zum Film "Hänsel, Gretel und Kirill", der am Donnerstag erstmals zu sehen ist.
Das Plakat zum Film "Hänsel, Gretel und Kirill", der am Donnerstag erstmals zu sehen ist. Foto: Hanna Fischer

Die Links zu „Der Rest ist Glückssache“ und zum Filmgespräch werden am Donnerstagmorgen unter www.filmbuero-saar.de und facebook.com/saarlaendisches.filmbuero veröffentlicht sowie allen gemailt, die sich anmelden unter kaminski@filmbuero-saar.de. Dort gibt es auch den Zugang zu „Hänsel, Gretel und Kirill“.