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Ralf Beil ist für das Völklinger Weltkulturerbe eine mutige Wahl

Kommentar : Ein guter, ein Risikokandidat

Das mit dem Mut bei Personalentscheidungen wird gerne überschätzt. Für den Misserfolg in Kultureinrichtungen macht die Öffentlichkeit grundsätzlich die Direktoren und Intendanten verantwortlich, nicht Aufsichtsräte oder Kultusminister, die sie beriefen.

Museumsdirektor Ralf Beil spiegelt sich am 29.09.2016 im Kunstwerk _Politics of Space_ (2014) von Awst & Walther in der Ausstellung «Im Käfig der Freiheit» im Kunstmuseum in Wolfsburg (Niedersachsen). Die Ausstellung widmet sich der Zerbrechlichkeit der Freiheit und umfasst sowohl die individuelle, politische, sexuelle als auch die künstlerische Freiheit. Foto: Julian Stratenschulte/dpa [ Rechtehinweis: (c) dpa ]. Foto: picture alliance / dpa/dpa Picture-Alliance / Julian Stratenschulte

Doch im Falle von Ralf Beil geht die Politik tatsächlich ein Risiko ein. Dessen Konfliktfähigkeit ist bereits jetzt bekannt, und sollte sich zeigen, dass der Neue einen falschen Kurs fährt, dürfte das unkorrigierbar sein. Fünf lange Jahre lang. Bis dahin ist das Weltkulturebe mausetot. Zudem dürften die Etat-Verhandlungen mit ihm ebenso anstrengend werden wie mit seinem Vorgänger Meinrad M. Grewenig, den man wegen vermeintlicher Uneinsichtigkeit und wegen „Alleingängen“ nicht  weiterbeschäftigen wollte. Das nennt man dann Ironie der Geschichte. Also  zieht man doch mal den Hut vor dem Mut der Politik. Die engagiert jetzt einen, der ohne Zweifel was reißen wird. Eine wie auch immer geartete Neuausrichtung wird dem Kultur-Ort Völklinger Hütte, der zuletzt unter Grewenig in einer soliden Erfolgs-Routine auf der Stelle trat, gut tun. Doch wie und ob das Weltkulturerbe als massentouristisches Event-Ziel überlebt, dürfte die eigentliche Bewährungsprobe für Beil sein. Mag sein, der Kunst-Experte bringt zu wenig Erfahrung im eigentlichen Denkmal-Fach mit. Doch auch Grewenig startete vor fast 20 Jahren nicht als Weltkulturerbe-Profi, er absolvierte ein „learning by doing“ – und wurde zum Crack. Dasselbe wünscht man Beil.