Premiere von „Marguerite“ in Saarbrücken

Premiere von „Marguerite“ in Saarbrücken : Melodie ist eine Geliebte, der man treu bleibt

Am Samstag feiert das Musical „Marguerite“ seine deutsche Erstaufführung in Saarbrücken – komponiert vom legendären Michel Legrand, der im Januar 2019 gestorben ist.

Wäre das schön gewesen: Michel Legrand, eine Legende der französischen Musik, zu Gast im Saarländischen Staatstheater – bei der deutschen Erstaufführung seines Musicals „Marguerite“ am 7. Dezember. So war es jedenfalls geplant, als sich SST-Intendant Bodo Busse um die Aufführungsrechte bemühte und letztlich erfolgreich damit war. Doch Legrand, den die Regisseurin der Saarbrücker Inszenierung, Pascale Chevroton, noch im Herbst 2018 in Paris besuchte, ist am 26. Januar dieses Jahres gestorben.

Das Stück, geschrieben von Alain Boublil, Claude-Michel Schönberg und Jonathan Kent, führt ins besetzte Paris der 1940er, wo manche Franzosen sich mit dem Regime vorübergehend arrangiert haben – darunter die Jazz-Sängerin Marguerite (in Saarbrücken gespielt vom Schweizer Musical-Star Katja Reichert), die mit dem NS-Offizier Otto (Stefan Röttig) liiert ist, was ihr einen angenehmen Lebensstil garantiert und Sicherheit, solange die Nazis an der Macht sind. Als sie den jungen Jazzpianisten Armand (Julian Culemann) kennenlernt, der sich der Résistance anschließt, ändert sich für Marguerite die Lage.

Seine Uraufführung erlebte das Legrand-Musical 2008, nicht in Paris, sondern in London. Danach war es mit Produktionen in Tschechien und Japan zu sehen, bevor es nach London zurückkehrte, in etwas überarbeiteter Form. „Marguerite“, das sich vage mit seiner Handlung und konkret bei den Vornamen seiner Hauptfiguren bei der „Kameliendame“ von Alexandre Dumas (dem Jüngeren) anlehnt, ist das letzte von nur einer Handvoll Bühnenmusicals von Michel Legrand. Kein Wunder: Der umtriebige Franzose hatte wenig Lust auf eine feste Sparte. „Ich mache gerne alles“ sagte er einmal, „und nicht nur ein bisschen was von Allem“. Auftreten, Dirigieren, Singen, Komponieren in allen Stilen, „ernsthaft und gewissenhaft“ – das war das Credo von Legrand, der um die 200 Kino- und TV-Filme untermalte, fünf Grammys und drei Oscars gewann. Jazz, Pop, Chanson? Für Legrand gab es da keine starren Grenzen; in den USA arbeitete er mit Stan Getz und Miles Davis, in der Heimat mit Yves Montand, Charles Aznavour – und kongenial mit dem Regisseur Jacques Demy: Die beiden Filmmusicals „Die Regenschirme von Cherbourg“ (1964) und „Die Mädchen von Rochefort“ von 1967 (beide mit Catherine Deneuve) sind Sternstunden des Genres, hochromantisch, vor Farbe strahlend und doch mitten im wirklichen Leben – in welchen anderen Musicals singen Menschen in der Autowerkstatt über die Reparatur ihres Kleinwagens?

In Hollywood schüttelte Legrand bei seiner Arbeit für Filme Hits aus dem Ärmel wie „Windmills of your mind“ (aus dem Film „Thomas Crown ist nicht zu fassen“) und bürstete die Idee von Musikuntermalung manchmal gegen den Strich. Nicht viele Komponisten wären auf die Idee gekommen, einen Burt-Lancaster-Kriegsfilm wie „Das Schloss in den Ardennen“ mit plüschig-poppiger Chormusik zu begleiten – gesungen von Legrands Schwester Christiane, die ihrerseits das A-Cappella-Oktett The Swingle Singers gründete.

„Die Melodie ist eine Geliebte, der ich immer treu bin“, ist ein typischer Legrand-Leitsatz, den jede seiner Kompositionen unterstreicht. Dass da manches, je nach Ohr und Geschmack, auch ein bisschen süßlich und kitschig klingen konnte, war sein Berufsrisiko, das Legrand gerne einging. Eine große Bewunderin seiner Kunst war Barbra Streisand, die Legrand bat, für sie die Musik ihres melancholischen Musicals „Yentl“ von 1983 zu schreiben. Die brachte Legrand seinen dritten Oscar ein und schlägt von Hollywood sozusagen einen Bogen nach Saarbrücken: SST-Intendant Bodo Busse sah den Film zu Schulzeiten und war danach, wie er sagt, „in Trance“. In den Jahren danach stockte er seine Legrand-Plattensammlung auf, sah als Regieassistent am Züricher Opernhaus „Die Regenschirme von Cherbourg“ im Open-Air-Kino, und dann „war es endgültig um mich geschehen“. Damit, dass er nun „Marguerite“ nach Saarbrücken holt, schließt sich in gewisser Weise ein Kreis – was wohl nur ein Besuch von Michael Legrand noch schöner gemacht hätte.      

Katja Reichert spielt die Titelfigur Marguerite, eine Sängerin im besetzten Paris der 1940er Jahre. Foto: Honkphoto/Holger Kiefer/dpa. Foto: dpa/Holger Kiefer

Premiere: Samstag, 7. Dezember, 19.30 Uhr im Großen Haus. Um 19 Uhr gibt es eine Einführung. Karten an der Vorverkaufskasse, unter Tel. (06 81) 3092486, kasse@staatstheater.saarland

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