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Pianist Martin Tchiba legt ein meisterliches Album vor.

Martin Tchibas Kreidler-Album : Hinter der Fassade des Maschinellen

Pianist Martin Tchiba legt ein meisterliches Album mit Musik von Johannes Kreidler vor.

  Johannes Kreidler, geboren 1980, ist ein Komponist und Konzeptkünstler, dessen vielleicht aufsehenerregendste Aktion ein Diskussionsbeitrag zum Thema Urheberrecht war: In einem 33-sekündigen Musikstück verarbeitete er mehr als 70 000 Zitate fremder Werke und meldete alle einzeln bei der Gema an. Keine leichte Aufgabe übernommen hat nun auch der international agierende deutsch-ungarische Pianist Martin Tchiba, ausgebildet unter anderem an der Saar-Musikhochschule (HfM), der sich auf seiner aktuellen CD Kreidlers „Piano Music“ widmet: Bei Kreidlers zwischen 2004 und 2014 entstandenen Klavierkompositionen (fast alle erklingen hier in Welt-Ersteinspielungen!) tun sich hinter der Fassade maschinenhaft-monotoner, oft verquerer Rhythmik und starrer Dynamik scharfsinnige Strukturen von Melodieführung und Mehrstimmigkeit auf.

Einerseits bezieht sich Kreidler auf historische Klaviermusik, explizit Beethoven, zugleich lenkt er mit Sampling- und Verfremdungs-Techniken, beigemischten elektronischen Klängen und Geräuschen den Fokus von dem Traditionsinstrument weg. Dass Kreidlers wie am Reißbrett erdachte Experimente über weite Strecken spannend klingen, ist nicht zuletzt dem pianistischen Können und der kantigen Künstlerpersönlichkeit des Interpreten zu danken: Martin Tchiba, Jahrgang 1982, meisterte im geschichtsträchtigen Hans-Rosbaud-Studio des SWR die spieltechnische Herausforderung, minutiös das Motorische dieser Musik abzubilden. Obendrein lässt er in vielerlei Details seine gestalterische Autorität durchscheinen – so haucht er Kreidlers Konzeptualismus essentielles Leben ein.

Johannes Kreidler: „Piano Music“, mit Martin Tchiba, Klavier (EMT – Edition Martin Tchiba). www.tchiba.com/edition