Perspectives: "Näss" von Fouad Boussouf im Theater am Ring Saarlouis

"Näss" von Fouad Boussouf : Mit Trippelschritten in Trance-Zustände tanzen

„Etwas heller wäre gut“, brummelt ein Zuschauer im Saarlouiser Theater am Ring, als nach gefühlt fünf Minuten die Bühne immer noch im Dunkeln liegt. Die ersten Klänge haben schon eingesetzt, dann kommen Percussion hinzu, doch die Tänzer der Compagnie Massala kann man nur erahnen.

Und als man die sieben Männer endlich sieht, bewegen sie sich kaum und ziehen erst mal ganz gemütlich ihre Jacken und Mäntel aus. Nein, Fouad Boussoufs Choreografie „Näss“ (die Leute), die am Donnerstag im Rahmen des Festivals Perspectives in Saarlouis vor vollem Haus gastierte, ist nichts für Ungeduldige.

In Trance-Zustände will der marokkanisch-stämmige Franzose seine Tänzer versetzen. Mit Trippelschritten bringen sie sich immer wieder in Fahrt. Boussouf schöpft aus den traditionellen Volkstänzen der verschiedenen Ethnien des Atlasgebirges und will ihre Elemente mit modernem Street Dance vermählen, dessen Wurzeln wiederum in Afrika gründen. Auch wenn man diese Volkstanzstile nicht kennt, so kann man in der Musik unterschiedliche orientalische Anleihen ausmachen. In diesem Tanz zwischen Bodenerdung und Öffnung zum Himmel freut man sich auf die artistischen Hiphop-Momente, die manchmal rituellen Krieger-Zweikämpfen ähneln. Man kann das Repetitive der Choreographie auch ein wenig ermüdend finden, doch die meisten Zuschauer stimmten in die Trance ein und berauschten sich, wie der jubelnde Schlussapplaus zeigte, an der gewaltigen Energie der Kompanie.

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