Jahresausstellung des Saarländischen Künstlerbundes: Papier ist geduldig – muss es in Saarbrücken aber gar nicht sein

Jahresausstellung des Saarländischen Künstlerbundes : Papier ist geduldig – muss es in Saarbrücken aber gar nicht sein

Unter dem Motto „papierpapier“ zeigt die Jahresausstellung des Saarländischen Künstlerbundes vielfältige Arbeiten im Künstlerhaus.

„Papierpapier“ ist das Motto der Jahressausstellung des Saarländischen Künstlerbunds (SKB) im Saarländischen Künstlerhaus. Das Motto ist Programm. 32 Künstler (und SKB-Mitglieder) zeigen Werke auf oder mit dem Material Papier. Was vor allem als Leistungsschau und Verkaufsausstellung gedacht ist, mausert sich so zu einem wunderbaren Überblick über die Vielfalt der saarländischen Kunstszene.

Der SKB-Vorsitzende Dirk Rausch hat sich von den transluzenten, sich überlagernden Farbflächen verabschiedet und arbeitet mit kleineren Formen, die nicht mehr nur mit Farbe spielen, sondern auch Dynamik suggerieren. Er arbeitet hier mit dem selten verwendeten Verfahren der Risographie, bei der Farbe über eine Drucktrommel und Masterfolien durch feine Löcher farbsepariert auf ein Medium aufgebracht wird. Da dieser Siebdruck kostengünstig ist, kann man schon für 200 Euro einen „Rausch“ erwerben.

Claudia Vogel hat eine fast skulpturale Arbeit geschaffen, in dem sie farbiges Garn in einem Muster auf Papier stickte und einen räumlichen Eindruck erzielt. Einige Künstler lassen Farbe pastos aus dem Malgrund wachsen. Gisela Zimmermann verewigt mit Tusche, Spray und Stiften eine abstrakte Farblandschaft auf einem Spezialpapier, das silbern schimmert.

Eine der wenigen politischen Arbeiten kommt von Sig Waller. In „Hell is empty“ fletscht eine Melania Trump Vampirzähne und grüßt mit dem Handzeichen der Satanisten, während im Hintergrund ein Mann mit Clownsmaske dem Betrachter entgegenstarrt. Ob man Donald Trump vermutet, bleibt dem Betrachter überlassen. Waller nimmt immer wieder Bezug auf Popkultur, Okkultismus und Politik. Nicht ohne Humor spielt sie mit dem Karnevalesken und Makabren.

Natürlich gibt es auch klassische Arbeiten auf Papier und Collagen; Zeichnung und Malerei nehmen breiten Raum ein. Wie bei Klaudia Stoll, die in „dream 01“ mit Tusche und Bleistift organische Formen zeichnet, die an Meeresbewohner erinnern. Oder Werner Constroffer, der eine fast lyrische Abstraktion zeigt. Der in diesem Jahr 92-jährig verstorbene Altmeister Erwin Steitz  zeichnete mit Tusche und Pinsel gestisch. Auch famos: Juliana Hümpfners Hand, die sie in dem ihr typischen Pinselstrich in Ölfarben auf Papier bringt, Leslie Hupperts zweiteilige Arbeit und Véronique Verdets zarte „Fouloscopie“.

Außergewöhnlich ist Frauke Eckhardts Arbeit „News III“ mit dem Zusatztitel „grafische Partitur“. Tatsächlich erinnert das Werk an die Aufzeichnung der Schwünge eines Dirigenten oder grafische Aufzeichnung von Musik. Als Fläche nutzt die Künstlerin eine matte Aludibond-Platte, die sie durch Schleifen in Segmente unterteilt. Japanpapier setzt darauf goldene Kontrapunkte. So vereint Eckhardt ihre Herkunft als Bildhauerin und audiovisuelle Künstlerin und bleibt dem Motto doch treu.

Überraschend wenige fotografische Arbeiten sind zu sehen. Ingeborg Knigge zeigt eine Arbeit aus ihrem Zyklus „Have you done your duty“, in dem sie seit vielen Jahren tägliche Alltagserlebnisse dokumentiert. Mane Hellenthal nimmt das Motto wörtlich und zeigt die Fotoarbeit „papier“, die eine Serie von skulpturalen Papierschnitten dokumentiert.

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