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Optimismus vor dem Festival der freien Szene im Welkulturerbe Völklinger Hütte

Festival : Optimismus vor dem Festival der freien Szene

Wann das „Freistil“-Festival der freien Szene im Welkulturerbe Völklinger Hütte starten kann, ist wegen des Lockdowns fraglich. Dennoch sind die Veranstalter guten Mutes.

Optimismus ist, wenn man‘s trotzdem macht: Wenn man trotz drohenden Lockdowns eine Pressekonferenz abhält und frohgemut sein erstes Festival ankündigt. Nur um am gleichen Tag noch  zu erfahren, dass die Bundesregierung tatsächlich wieder ein Veranstaltungsverbot bis Ende November verhängt hat. Egal – aufgehoben ist nur aufgeschoben: Das kollektive „Freistil“-Festival des Netzwerks Freie Szene Saar e. V. findet definitiv statt. Und zwar live, wie Corinna Preisberg aus dem Netzwerk-Vorstand gestern in Völklingen verkündete: Wenn es nicht wie geplant jetzt vom 20. bis 29. November laufen kann, dann soll es irgendwann später nachgeholt werden. Dank effektiver – und vom Ordnungsamt bereits genehmigter – Hygienekonzepte könne man das Festival sogar unter sehr schwierigen Bedingungen durchziehen, verspricht Preisberg.

Auch Ralf Beil, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte (WKE), beteuert: „Wir machen das auf jeden Fall, sofern uns Corona irgendeine Chance lässt.“ Das WKE ist Kooperationspartner des Festivals und stellt dafür seine Erzhalle, Technik und „Manpower“ zur Verfügung; Bühne und Lichttraversen steuert das Saarländische Staatstheater bei. Das Netzwerk selbst bringt sich mit 15 Gruppen beziehungsweise 49 Einzelkünstlern und einem stilistisch wie thematisch breiten Spektrum inklusive Erstaufführungen ein: von Theater über Lesungen, Tanz- und Klangperformances, Live-Hörspiel mit Schlagwerk und unterschiedlichste Konzerte bis hin zu Puppenspiel und Veranstaltungen speziell für Kinder. Plus drei Podiumsdiskussionen. Auch die Wegstrecke zur Erzhalle soll künstlerisch begleitet werden.

Eröffnet wird das Festival von dem Kollektiv „My wife“, das die Atmosphäre des Hüttenareals musikalisch, bildnerisch und performativ in Szene setzen möchte; gefolgt von einer Klanginstallation des Perkussionisten Marius Buck, der akustische Signale durch eine Stahltrasse schicken will. Mit von der Partie sind an den folgenden Tagen dann die Formationen In.Zeit-Ensemble, Korso-Op.Kollektiv, Liquid Penguin Ensemble, Compagnie TGNM, MuTanTheater und Ensemble Swing Heil sowie – unter anderem – Ralf Peter & Thomas Layes, Bérengère Brulebois, Sebastian Müller-Bech, Corinna Preisberg, Margret Gampper & Bernd Möhl, Elodie Brochier und Krischan Kriesten. Pandemisch passend: Der Schauspieler Martin Huber wird eine szenische Lesung namens „Das Coronarium“ präsentieren, die als virtuelles Schreibprojekt während des Lockdowns entstand. Ebenfalls vom Virus motiviert ist das Tanz-Sprach-Musik-Projekt „All the room is a stage“, in dem Katharina Bihler, Stefan Scheib, Gabriele Basilico und Lucyna Zwolinska unsere „post-Corona-Realität“ interpretieren.

Wie aber kam es überhaupt zu diesem Festival, das binnen eines knappen Vorlaufs von nur drei Monaten zahlreiche Sponsoren gewinnen konnte und sich auch über die rasche und unbürokratische Hilfe des Kultusministeriums (Christine Streichert-Clivot ist Schirmherrin) freuen darf? Beim saarländischen Kulturgipfel, sagt Beil, habe er von der Raumnot der Freien Szene erfahren und spontan Hilfe angeboten. Zumal deren Potenzial ein „saarländischer Schatz“ sei und diese „wunderbare Joint-Venture-Geschichte“ von daher bestens in die laufende Ausstellung „Mon trésor“ über regionale Kostbarkeiten passe, erläutert Beil. Nichts ist also so schlecht, dass es nicht für etwas gut wäre: Ohne Corona, meint Preisberg, wäre diese Kooperation womöglich nie zustande gekommen – neue Verbindungen in der hiesigen Kulturszene, großregionale Potenziale und kultureller Strukturwandel sind denn auch die Themen der drei Podiumsdiskussionen im Rahmen von Freistil. Panik ist nicht angebracht: In die Erzhalle dürfen aktuell 38 Zuschauer, der Raum ist belüftet, Luftreiniger werden außerdem noch angeschafft. Karten zu 15/12 Euro (Kinderstücke: 5 Euro) sind ab Anfang November über die Freistil-Homepage bei Ticket Regional erhältlich. Das Netzwerk Freie Szene Saar jedenfalls freut sich wie Bolle, weil die Festival-Premiere ein historischer Akt ist und außerdem als Form des kreativen Kulturprotests begrüßt wird. Preisberg: „Es gibt uns. Wir machen Sinn!“

Termine, Infos, Karten: www.freistil-festival-saar.de