Nur 300 Fans kamen zum 1. Neunkircher Pop-Festival, bei dem Joris zündete

Neunkircher Pop-Festival : Unverwechselbar, das ist heute schon was

Schwacher Besuch, aber dank Joris ein herausragender Auftritt: Eindrücke vom ersten Neunkircher Pop-Festival.

Ach, wie praktisch ist es doch, wenn im eigenen Song die Zeile „Ist da draußen irgendwer?“ vorkommt. Dann kann man das singen und horchen, ob das Publikum reagiert. So machte das Sänger Joris beim Neunkircher Popfestival während seines Hits „Signal“. Oh ja, Joris war zu hören, und die Anwesenden werden seinen Auftritt nicht so schnell vergessen. Aber die Frage konnte man auch gut auf den schwachen Besuch des Festivals beziehen. War da irgendwer?

Nennenswert war die Anzahl nicht – gerade mal knapp 300 Zuhörer verloren sich in der großen Gebläsehalle. Woran lag’s? Womöglich war das Programm mit insgesamt sechs verschiedenen Bands zu umfangreich und zu langgestreckt für eine Hallenveranstaltung. Dann kam wohl erschwerend hinzu, dass in der Saarbrücker Garage zeitgleich Deutschpop geboten wurde von Christina Stürmer. Dustin Sünder, Geschäftsführer der veranstaltenden Firma Antattack, hatte auch keine gute Erklärung parat. Man habe schon länger überlegt, einen Tag vor dem auf Punkrock ausgelegten Antattack-Festival ein Popfestival zu veranstalten. Der Saarländische Rundfunk, die Neunkircher Kulturgesellschaft und auch der saarländische Poprat waren mit im Boot, die Werbung sei über all deren Kanäle gelaufen. Leider brachte das alles nicht viel.

Mit Joris hatte Antattack aber sicher nichts falsch gemacht. Seit der Sänger 2015 die Single „Herz über Kopf“ herausbrachte, ist er regelmäßig im Radio vertreten. Im Vergleich zu seinen Vorgruppen legte er in Neunkirchen mindestens eine oder gar zwei Schippen drauf: Der bei der Mannheimer Popakademie gestählte Musiker mit der Boxernase zeigte alles, was einen Popstar ausmacht. Da gehört diese raue Stimme dazu, die doch ein wenig anders ist als jene verwechselbaren der anderen aktuellen deutschen Sänger. Da sind seine zahlreichen bekannten Songs, die einfach im Kopf hängenbleiben. Und dann bewies Joris noch seine Klasse an Gitarre und Klavier. Zu guter Letzt sorgte noch dazu sein kurzweiliges Programm für genug Abwechslung. Für die Ballade „Glück auf“, wie passend auf dem Neunkircher Hüttenareal, setzte er sich alleine an ein altes Klavier, darauf eine Grubenlampe. Schön auch die Idee, eine selbst gebastelte Musikmaschine auf die Bühne zu schieben, an der seine Band und er auf einer Schreibmaschine, Weingläsern oder -flaschen musizierten.

Dem gegenüber verblassten die vorausgegangenen Auftritte ein wenig. Sängerin Lotte etwa überzeugte zwar durch Bühnenpräsenz und Energie – ihre Musik näherte sich aber bedenklich dem Schlagerhaften und blieb insgesamt flach. Sänger Haller überzeugte da schon eher mit seinem gefühlvollen deutschsprachigen Soul. Sicher nicht falsch am Konzept war es auch, das Festival mit drei Lokalmatadoren zu eröffnen: Markus Okuesa als OQmanSolo machte dabei ebenso eine gute Figur wie Christina Schmaus alias Frau Wolf aus Saarlouis oder die in Neunkirchen zur Schule gegangene Ela Steinmetz. Die Grandprix-Teilnehmerin ist jetzt nicht mehr mit ihrer Band Elaiza, sondern solo als Ela unterwegs. Schade, dass die erste Auflage des Neunkircher Popfestivals kein kommerzieller Erfolg wurde, denn eine Neuauflage hätte es verdient.

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