1. Saarland
  2. Saar-Kultur

Nun ist es amtlich: Nach fast 30 Jahren gibt Jo Enzweiler die Leitung des renommierten, von ihm gegründeten Instituts an Andreas Bayer ab.

Mit Kunstszene schon lange vertraut : Andreas Bayer übernimmt in Saarlouis

Nun ist es amtlich: Nach fast 30 Jahren gibt Jo Enzweiler die Leitung des renommierten, von ihm gegründeten Instituts für aktuelle Kunst in Saarlouis an Andreas Bayer ab.

Traurig ist es schon, dass sich der Wechsel an der Spitze des Instituts für aktuelle Kunst in Saarlouis (wir berichteten) so sang- und klanglos vollzieht. Keine feierliche Verabschiedung, keine Lobesreden. All dies hätte man Jo Enzweiler für seine Verdienste um die Kunst in der Region gegönnt – und auch für seinen Nachfolger wäre eine solche Amtseinführung ein guter Start gewesen. Corona hat auch hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun erfolgt der Stabwechsel ganz unspektakulär, im „Corona-konformen Alternativformat im kleinen Rahmen“, wie es in einer Mitteilung der Stadt Saarlouis heißt.

Bayer, der seit 2003 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Rektorat der Saar-Kunsthochschule (HBK) tätig ist, engagiert sich seit 2007 als künstlerischer Leiter und Kurator im KuBa-Kulturzentrum am EuroBahnhof Saarbrücken und als Kurator der Galerie im KuBa. Der promovierte Kunsthistoriker hat in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Ausstellungsprojekte gestemmt, darunter die SaarArt 2013, eine der erfolgreichsten Landeskunstausstellungen (35 000 Besucher). Das Institut ist dem ausgewiesenen, bestens vernetzten Kenner der saarländischen Kunstszene schon lange vertraut. Seit 2016 ist Andreas Bayer Mitglied in dessen Auswahlkommission im Forschungszentrum für Künstlernachlässe, das Jo Enzweiler nach fast zehn Jahren Lobbyarbeit als seinen letzten großen Erfolg durchsetzen konnte. Bayer wurde Anfang 2020 ins Kuratorium der Kulturstiftung der Länder berufen, die Fördermittel für Kunst bundesweit vergibt.

Enzweiler hinterlässt seinem Nachfolger ein bestens bestelltes Haus. „Es freut mich, dass sich die Hochschule dem Institut künftig stärker annehmen wird, das war das Ziel, das ich verfolgt habe“, erklärt der 86-jährige Künstler, der sich nun verstärkt wieder seiner eigenen künstlerischen Arbeit widmen will. „Ich bin sehr zufrieden, dass es gelungen ist, das Schiff zu stabilisieren.“ Und auch für die Rektorin der HBK Gabriele Langendorf ist die Lösung „ein wahrer Glücksfall“, denn sie intensiviere die Zusammenarbeit der Kunst-Institutionen.

 Andreas Bayer plant, die Digitalisierung des Instituts weiter auszubauen.
Andreas Bayer plant, die Digitalisierung des Instituts weiter auszubauen. Foto: Iris Maurer

Andreas Bayer lobte die bisher geleistete Arbeit als „vorbildlich“. „Am zentralen Profil als wissenschaftlicher Forschungsinstitution gibt es zunächst nichts zu ändern“, erklärte er. Die Herausforderung für ihn und sein Team besteht darin, das Institut auch digital fit zu machen „Ich möchte die Digitalisierung des Instituts weiter vorantreiben, die wissenschaftliche Ausrichtung stärken und neue Akzente in der Vermittlungspraxis setzen.“ So soll das Institut künftig intensiver in das Forschungsgeschehen der HBKsaar und weiterer Hochschulen des Landes integriert werden. Lehrveranstaltungen, studentische Projekte oder Dissertationsvorhaben am Standort Saarlouis seien denkbar. Aber auch die Vermittlung der Institutsarbeit in eine breitere Öffentlichkeit liegt Bayer am Herzen – „über das Fachpublikum hinausgehend ins Bewusstsein der Breite“. Auch die zukünftige Finanzierung des Instituts sei erst einmal weitgehend gesichert, heißt es in der Pressemitteilung: Es seien Mittel dafür im Landeshaushalt eingestellt. Darüber hinaus fordern der Saarlouiser Oberbürgermeister Peter Demmer (SPD) und der Landrat des Kreises Saarlouis Patrik Lauer (SPD) weiter eine langfristige institutionalisierte Absicherung des Instituts.